Zerstörungsorgie mit Herz, die Filmheld Dominic Toretto gegen seinen Bruder und eine alte Erzfeindin antreten lässt.
Das Beste kommt, wie man sagt, gerne zum Schluss - und in ganz besonderem Maße trifft dies wohl auf "Fast & Furious 9" zu. Nicht dass man befürchten müsste, das Ausnahmefranchise könne ein jähes Ende finden, noch bevor die Seriennummern zweistellig werden. Denn einmal ganz abgesehen davon, dass Vin Diesel bereits im Herbst vergangenen Jahres ein zweiteiliges Finale (das weitere Spin-Offs ausdrücklich nicht ausschließt) unter Regie von Serienveteran Justin Lin angekündigt hatte, wiesen die jüngsten Ergebnisse in den USA und Großbritannien auffällige Parallelen zu einer der Schlüsselszenen des aktuellen Teils auf: Das Boxoffice startete durch wie ein Dodge Charger nach einer Lachgaseinspritzung. Nein, die Rede ist vielmehr vom Schluss des Films, von jenem berühmten "Stinger", der in horizontal erzählten Reihen nicht nur zur Betrachtung des Abspanns animiert, sondern auch Vorfreude auf weitere Sequels schüren soll. Denn noch bevor man sich nach knapp zweieinhalb Stunden aberwitziger Verschrottung von Fahr- und Fluggeräten jeglicher Größenordnung fragen kann, ob es des Irrwitzes womöglich so langsam doch genug sein könnte, wird eine Szene nachgeschoben, die auf einen Schlag noch einmal etwas bewusst macht: weshalb man so viel Spaß an einer Franchise findet, deren Actionsequenzen schon vor etlichen Teilen in Sphären abgedriftet sind, denen man am besten mit den unsterblichen Worten von Michael Mittermeier Absolution erteilt. "Der Film heißt schließlich Auf der Flucht und nicht Gekriegt nach fünf Minuten".
Tatsächlich kokettiert "FF 9" in seinen Dialogen auffällig oft und überdeutlich damit, seine Protagonisten längst zu unzerstörbaren Superhelden erhoben zu haben. Die Gesetze der Physik galten für sie schon lange nicht mehr - mittlerweile aber schleudert man sich ganze Autos an die Köpfe, ohne dass dies unmittelbare Folgen jenseits eines One-Liners hätte. Das ist - und Regisseur Justin Lin legt gegenüber den Vorgängern in dieser Beziehung tatsächlich noch eine ordentliche Schippe drauf - völlig absurd. Und doch enorm unterhaltsam. Denn was das Franchise seit dem vierten Teil prägt, sind nicht etwa nur irrwitzige Stunts, Explosionen im Sekundentakt und mehr Prügeleien als bei einem Revierderby. Sondern die Charaktere. Ihre wechselnden Beziehungen und Allianzen, ihre Verknüpfungen und Schicksale sind, so einfach sie mitunter auch gezeichnet sein mögen, der Kitt, der dafür sorgt, dass diese Filme am Ende immer doch mehr sind als die Summe ihrer Einzelelemente. Der jüngste Teil gibt sich an dieser Stelle mit einem wendungsreichen Bruderduell (mit John Cena wurde in Abwesenheit von Dwayne Johnson adäquater Wrestler-Ersatz gefunden) keine Blöße; die Rückkehr von den vermeintlich Toten zählt ohnehin fast schon zum guten Ton der Reihe. Auch dies übrigens eine recht deutliche Parallele zu den Universen von Marvel und DC. Ein "Torettos assemble!" wäre in "Fast & Furious 9" kaum fehl am Platz gewesen - und das ist ausgesprochen positiv gemeint.
Marc Mensch.
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