Sympathische Komödie um einen unangepassten Bademeister, der sein Freibad retten will.
Eine Louis-de-Funès-Komödie wollte er machen, hat Marcus H. Rosenmüller zu Protokoll gegeben. Eine Louis-de-Funès-Komödie hat er gemacht, mit Milan Peschel als seinem Balduin, seinem Gendarm von St. Tropez, aber eben auch eine Louis-de-Funès-Komödie, wie nur der Regisseur von "Wer früher stirbt, ist länger tot" oder "Sommer in Orange" sie machen konnte, einen bayerischen Schwank mit wildem Slapstick und burleskem Humor, aber eben auch dem Herzen auf dem rechten Fleck und einem Anliegen. "Freundschaft, das ist wie Heimat", hat Tucholsky gesagt. Und steht dem Film vorangeschrieben, der deshalb natürlich auch ein Heimatfilm ist, weil es ihm um den Kitt geht, der kleine Gemeinden zusammenhält. Dazu gehört in dem Drehbuch von Markus Löffler Freundschaft ebenso wie ein Freibad, über das ausgerechnet der ausgewiesene Nicht-Bayer Karl Kruse wacht. Eine kleine, feine Paraderolle für Milan Peschel, weil dieser Karl ein ausgemachter Stinkstiefel ist, ein Typ, den man leicht nicht mögen könnte, weil er unfreundlich zu anderen ist, selbstgerecht, inkompatibel mit seiner Umwelt. Den man aber trotzdem mag, weil Peschel ihn spielt als Ritter von der traurigen Gestalt, als Buster Keaton und Charlie Chaplin, als, naja, Louis de Funès. Und der einem ans Herz wächst im Lauf der Handlung, wenn er einen einsamen Kampf gegen die Windmühlen führt, um seine marode und vom Stadtrat ungeliebte Badeanstalt vor den Klauen eines Immobilienhais zu retten, der von Sebastian Bezzel satt als krasser Gegenentwurf zu seinem Franz Eberhofer gespielt wird. Die Bürgermeisterin findet es gut, dass der den ganzen Müll abreißen und an dessen Statt schicke Townhouses errichten will. Karl Kruse sieht seine Existenz bedroht, steht mit seinem Aufruf zur Solidarität erst einmal vor verschlossenen Türen. Darum entwickelt sich eine ganze Wundertüte an Nebenkriegsschauplätzen: Ein nigerianischer Flüchtling findet Anstellung als Kruses Assistent, um der Abschiebung zu entgehen. Eine strenge Trainerin bereitet ein Team denkbar ungeeigneter Herren auf ein Wasserballturnier vor. Die Tochter des Immobilienhais weint vertanen Chancen als Schwimmathletin nach. Ein skurriler Akademiker scheitert immer und immer wieder daran, endlich einmal vom Fünf-Meter- Turm zu springen. Liebe und Freundschaft liegen immer wieder in der Luft, und dann wird das hohe Lied auf die Wonnen der Freibadkultur im sonntäglichen Gottesdienst besungen und schließlich naht Rettung aus Richtungen, die man zunächst nicht geahnt hätte. Turbulent geht's zu in "Beckenrand Sheriff", wo sich an Peschels Seite die Nachwuchsdarsteller Dimirti Abold und Sarah Mahita für Größeres empfehlen, Johanna Wokalek wunderbar komisch-unterkühlt ist, als hätte man auch noch für den lakonischen Humor eines Aki Kaurismäki ein Plätzchen auf der Liegewiese gefunden, und Gisela Schneeberger und Rick Kavanian das gut gelaunte Treiben zwischen Gagparade und Lebensweisheiten mit ihren Gastauftritten zusätzlich veredeln. Ein Spätsommervergnügen aus dem Hause Lieblingsfilm, eine Art bajuwarischer "Ted Lasso", wie ihn das Kino gerade jetzt dringend brauchen kann.
Thomas Schultze.
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