Aus 3 Bewertungen zu Das Buch des Totengräbers (Die Totengräber-Serie 1)
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☆☆☆☆☆
Ein Piefke ermittelt im alten Wien
Edith S. - Bewertet am 07.08.2021
Zustand: Sehr gut
Als Totengräber auf dem Wiener Zentralfriedhof erlebt Augustin Rothmayer eine Menge. Täglich bringt er viele Menschen unter die Erde. Manche an Krankheiten verschieden, manche ermordet. Er hat schon viel erlebt und auch Erfahrungen gesammelt. Diese versucht er jetzt in einen Almanach… niederzuschreiben.
Als er ein paar Grabräuber am Grab eines Selbstmörders erwischt, wendet er sich an die Polizei. Er gerät an den in Wien neu eingetroffenen Leopold von Herzfeldt.
Leopold von Herzfeldt schafft es schon am ersten Tag bei seien Mitarbeitern und Vorgesetzten in Ungnade zu fallen. Er wird als "Piefke" bezeichnet und eckt mit seinen neuartigen Methoden sofort an. Als er sich bei einem Mord mit seiner Kamera hervortut, wird er in eine Kammer verbannt und wird so mit dem Fall des Selbstmörders betraut. Da kommen ihm sehr schnell Zweifel, doch die will keiner hören.
Leo von Herzfeldt kommt aus gutem Hause und hat zudem jüdische Wurzeln, was noch als Mango dazu kommt.
Das Buch ist interessant und gut geschrieben, jedoch ist es mir etwas zu langatmig. Ich habe relativ lange gebraucht, was mir bei einem richtig gutem Buch nicht passiert.
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★★★★★
☆☆☆☆☆
Die Welt der Toten
Petra B. - Bewertet am 25.07.2021
Zustand: Exzellent
Das Cover ist mit dem Kreuz und dem großen Buchtitel perfekt gestaltet.
Der lebendige Schreibstil liest sich leicht verständlich, bis auf die wienerische Mundart der Einheimischen. Anfangs habe ich mich damit etwas schwergetan.
Wien 1893: Ein grausamer Pfahlmord erschüttert die Polizei. Ein… junger und aufgeweckter Polizeiagent, Leopold von Herzfeldt, versucht mithilfe des Totengräbers vom Wiener Zentralfriedhof unter größten Schwierigkeiten die Tat aufzuklären.
Der historische Kriminalroman sticht mit dem schrulligen Totengräber Augustin Rothmayer, enthauptete Leichen und makabere Details über Leichen heraus. Die verschiedenen Arten von Untoten, die Wiedergänger, werden sehr interessant beschrieben. Der Wiener Zentralfriedhof spielt in diesem Buch eine wichtige Rolle.
Viele Neuerungen, z. B. Autos, Strom, Fotografie, halten Einzug und überfordern die Bevölkerung.
Die Spannung ist sogleich allgegenwärtig und man wird in die damalige Zeit hineingezogen, in der Frauen von den Männern nur benutzt werden.
Fazit:
Ein erstklassiger Serienstart mit außergewöhnlichen Ermittlern!
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★★★★★
☆☆☆☆☆
Origineller historischer Krimi zum Miträtseln
Julia L. - Bewertet am 28.06.2021
Zustand: Exzellent
Dieser Krimi von Oliver Pötzsch besticht von Anfang an durch die lebendige Kulisse, die das Wien zum Ende des 19. Jahrhunderts bietet. Auch wenn „Das Buch des Totengräbers“ ein Krimi, ist sind es die vielen kleinen Details, durch die man sich als Leser in das alte Wien zurück versetzt fühlt, die das… Buch herausragend machen. Zudem kann man von Anfang an miträtseln und geschickte Platzierung winziger Details ermöglichen es, dass man vor dem Ermittler auf so manche Spur kommt. Das unterhaltsame Duo eines deutschen Inspektors und eines grimmigen Totengräbers ist zudem so originell, dass man sich auf jeder Seite gut unterhalten fühlt.
Starke historische und politische Kulisse
Als gebürtige Norddeutsche könnte ich nicht weiter weg vom österreichischen Leben sein, und doch gelingt es dem Autor von Anfang an, mir das Leben und den Charakter der Österreicher eines anderen Jahrhunderts näher zu bringen. Auch dass viele im typischen Dialekt sprechen, der mir fremd ist, hat hier geholfen, zumal der Dialekt nie so oft oder so stark eingeflochten wurde, dass ich die Wörter nicht mehr verstehen konnte. Das ist eine der kleinen Meisterleistungen, die diesen Krimi scheinen lassen.
Gleichzeitig dürfen wir natürlich auch die historischen Umstände am Ende des 19. Jahrhunderts nicht vergessen, und so begegnen wir einer Menge Judenhass und der sehr strengen „Sitte“. Auch hier zeigt der Autor Fingerspitzengefühl: Während sehr deutlich gemacht wird, wie verabscheuungswürdig die vielen Vorurteile gegen jüdische Mitbürger sind, so wird doch auch klar, wie allgegenwärtig und salonfähig sie damals waren. Wir sehen ein Wien, das eine Weltstadt ist, obwohl viele fremdenfeindlich eingestellt sind und Modernisierung ablehnen. Die extremen Unterschiede zwischen arm und reich, zwischen neuer Technik und alten Gepflogenheiten werden nebenher erörtert und verleihen der Geschichte sehr viel Farbe,
Gegensätzliche Ermittler und ein brisanter Fall
Die beiden Ermittler selbst, Leopold von Herzfeldt und Augustin Rothmayer, spiegeln diese Unterschiede sehr gut. Während Leo zuvor in Graz Kriminalistik studiert hat und mit einem eigenen Fotoapparat unterwegs ist, scheut sich Rothmayer davor, ein Telefon auch nur anzufassen. Trotzdem können sie den Fall am Ende nur gemeinsam lösen: Leo bringt messerscharfe Beobachtungsgabe und kritische Hinterfragung aller Tatsachen mit, während Rothmayer viel Erfahrung und ein sehr tiefes Verständnis von Leichen beisteuert.
Trotzdem fallen erst am Ende alle Puzzelteile so zusammen, dass Leo begreift, was wirklich vor sich geht. Der Autor hat hier zuvor dem Leser kleine Hinweise gegeben und so war zumindest ein Teil der großen Wendung am Ende für mich keine Überraschung, sondern eine Genugtuung, weil ich vor den Ermittlern drauf gestoßen bin. Trotzdem waren die ganzen Umstände nicht sofort klar, so dass genügend Überraschung blieb, damit die Spannung bis zum Schluss da war.
Neben Leo und Rothmayer gibt es hier zudem eine interessante Frauenfigur, die so viele interessante Seiten hat, dass ich hoffe, dass wir in Zukunft noch mehr von ihr sehen. Ohne allzu sehr in Klischees zu verfallen, fädelt der Autor also auch noch einen kleinen romantischen Plot mit ein, der angenehm nebenher läuft und seinen ganz eigenen Zweck erfüllt.
Der Fall selbst beginnt bereits brutal und abstoßend, doch die Abgründe, die sich im Laufe der Ermittlungen auftun, sind nichts für schwache Nerven. Man braucht einen starken Magen, um auszuhalten, was hier wirklich vor sich geht. Doch auch hier beweist der Autor höchstes Können: Ungeschönt und in all der realen Grausamkeit erleben wir die Umstände, während gleichzeitig genügend Distanz gewahrt wird, dass es sich nicht anfühlt, als würden wir im Leid baden. In meinen Augen ist hier der Spagat zwischen Anschaulichkeit und Respekt meisterhaft gelungen.