Krieg im Kino. Festgehalten von Pulitzer-Preis-gekürten Bildberichterstattern in Südafrika. Ein "dokumentarischer" Spielfilm nach wahren Begebenheiten. Hart. Direkt.
Ein ausgezehrtes Mädchen kauert in einer Steinwüste. Die Sonne brennt herab. Im Hintergrund ist ein Aasgeier zu sehen, der geduldig auf seine Beute wartet. Ein Foto aufgenommen im vom Hunger gepeinigten Sudan, später ausgezeichnet mit dem Pulitzer-Preis. Der Fotograf hieß Kevin Carter und war Mitglied des "Bang Bang Club", einer von vier Männern, die 1994 in Südafrika die letzten Tage der Apartheid mit ihren Kameras festhielten.
Durch die Augen des "Frischlings" Greg Marinovich (Ryan Philippe) erzählt Regisseur und Drehbuchautor Steven Silver die Geschichte dieses Quartetts, deren Mitglieder stets mitten im Kugelhagel - "bang bang" nannten die Einheimischen die blutigen Gefechte zwischen Präsident de Klerks Truppen und Nelson Mandelas ANC lapidar - der Townships den richtigen Standpunkt für ihre Bilder suchten. Zum Kriegsfilm verdichtet Silver, der vom Dokumentarfilm kommt, seine wahre Geschichte, der Blick durch den Kamerasucher erinnert an den Blick durchs Zielfernrohr: Kriegs-Paparazzi wenn man so will.
Buddies sind die Helden, ihre Fotos werden sie zwar berühmt, nicht aber glücklich machen. Am Pool hängen sie in ihrer Freizeit rum, in Bars, sie saufen und schleppen Mädchen ab. Ein Genrefilm mit dem gewohnten Figurenarsenal: der eine aufbrausend, der andere ruhig, der eine überlegt, der andere draufgängerisch. Selbst die Liebesgeschichte fehlt nicht, kommt in Person von Malin Akerman ("Watchmen - Die Wächter) als tougher Fotoredakteurin ins Spiel, die Gregs drängendem Charme auf Dauer nicht widerstehen kann.
Doch die Action ist nur die eine Ebene. Im Subtext wird danach gefragt, was für ein "gutes" Foto erlaubt ist. Darf man einen Mann fotografieren, der brennt und dem gleichzeitig mit der Machete der Kopf abgehackt wird? Rütteln solche Bilder die Welt auf oder sind sie pure Spekulation - siehe das Kind und der Geier. "Haben sie dem Mädchen geholfen?", wird Carter auf einer Pressekonferenz gefragt. Eine konkrete Antwort bleibt aus.
Um Ethik geht's, um große und kleine Politik, um Gerechtigkeit, die nach Sichtweise differiert, um die Verantwortung des Einzelnen. Neutral wie ein seriöser Journalist nähert sich Silver seinem Thema - und vergisst darüber nicht den spannenden Spielfilm. geh.
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