"Der Himmel soll warten", hieß es einst bei Warren Beatty, und entsprechend verschob sich der Start von "Heaven's Prisoners" so lange, daß man Schlimmes befürchten mußte. Doch der vermutete Flop entpuppt sich als sehenswerter, charakterorientierter Krimi um einen Ex-Cop, der nicht aus seiner Haut kann und damit eine Katastrophe heraufbeschwört. Ein ruhig entwickelter, tauglicher Kinostoff, der trotz einiger Probleme in Charakterisierung und Plotentwicklung das Zeug zu guten Kasseneinnahmen hat.
1,3 Mio. Zuschauer sahen Phil Joanous letzten Film, den sehr konstruiert wirkenden Thriller "Eiskalte Leidenschaft". Solche Zahlen scheinen für den weniger spekulativen "Heaven's Prisoners" außer Reichweite, zumal Stars wie Richard Gere und Kim Basinger fehlen. Im Fokus steht kein labyrinthischer Plot, sondern das Dilemma von Dave Robicheaux (Alec Baldwin, der sich selbst die Rechte an James Lee Burkes Romanvorlage sicherte), der New Orleans und seiner Cop-Vergangenheit den Rücken gekehrt hat, um mit seiner Frau (Kelly Lynch) ein ruhiges Leben in den Sümpfen zu führen. Als ein Flugzeug vor seinen Augen abstürzt und versinkt, rettet er ein Mädchen aus dem Wrack. Ein spurlos verschwundener, in Drogengeschäfte verwickelter, ertrunkener Mitpassagier der Kleinen reaktiviert den Spürhund in Robicheaux. Er ermittelt auf eigene Faust und tritt damit eine Lawine los, die sein familiäres Glück auf tragische Weise überrollt.
Der immer noch unterschätzte Baldwin hat Charisma und Präsenz genug, seiner schwierigen Figur Leben einzuhauchen. Aber Robicheaux bleibt als Charakter unterentwickelt. Seine berufliche Obsession ist in dieser wohl erheblich geschnittenen Fassung zu wenig akzentuiert, wodurch schwer zu verstehen ist, warum er dafür alles aufs Spiel setzt. Stärker betont ist sein Hang zur Flasche, aber Robicheaux wirkt eher wie ein Gelegenheitstrinker als ein rückfälliger Alkoholiker. Diesen Defiziten stehen aber Positiva gegenüber, die die Unterhaltungsqualitäten von "Heaven's Prisoners" locker sichern. Dazu gehören alle Szenen mit Lynch, dem exzellenten Eric Roberts (als undurchsichtiger Sumpfgangster) und der lasziven Terry Hatcher als umtriebige Giftspinne. Hinzu kommen eine Reihe kompetent inszenierter Actionszenen, insbesondere eine wilde Verfolgungsjagd über den Dächern von New Orleans, in denen Joanou seine formalen Fähigkeiten beweisen kann. Auch wenn sich der Regisseur mehr vorgenommen hat, als er dann einhalten kann, liegt sein Bayou-Krimi über dem Durchschnitt gängiger Genre-Produkte, weil er belebten Subjekten und nicht unbelebten explodierenden Objekten größeren Raum läßt. kob.