Groovy, Baby! Die witzigste Filmfigur des Jahres 1997 kehrt zurück zur Zugabe. Während "Austin Powers" in Deutschland mit Publikumsmißachtung gestraft wurde, entwickelten sich die Abenteuer des Superagenten mit den krummen Zähnen in den USA nach dem Überraschungserfolg im Kino (55 Mio. Dollar Boxoffice) bei der Videoauswertung regelrecht zum Pop-Phänomen. Nicht von ungefähr traut man nun der Fortsetzung "The Spy Who Shagged Me" einen der Überfliegererfolge des Jahres zu, denn nicht nur die Trefferquote bei den Gags der liebevollen Agentenfilmparodie mit Eigenleben ist höher als beim Original, auch die Marketingabteilung von New Line hat perfekte Arbeit geleistet und ihren Film als "must-see-event" plaziert.
Deutlich fühlt sich Mike Myers vom Erfolg des ersten Films bestätigt und beflügelt: Etwaige Zurückhaltung oder Unentschlossenheit, die das Original im Hinblick auf Publikumsakzeptanz noch behindert haben mochten, werden in dieser deutlich aufwendigeren, aber beileibe nicht weniger liebevollen Hommage an die durchgestylte Spionage James Bonds, Derek Flints und Matt Helms dieser Welt weggefegt mit einem Tornado an wüsten Gags, aberwitzigen Wortspielen und verrückten Situationen. "Verrückt nach Mary" sei Dank: Wie die Farrelly-Brüder beherrschen auch Myers und sein Regisseur Jay Roach die Kunst, eine Pointe mit perfektem Timing immer weiter auszudehnen, bis sie erst nicht mehr lustig ist und dann doch wieder witzig wird. Natürlich wird auch auf der nach unten offenen Geschmacksskala fleißig gepunktet: Austin Powers trinkt versehentlich flüssigen Stuhl ("Schmeckt nussig!"); Schattenspiele vermitteln den Eindruck, Austins neue Gespielin Felicity Shagwell ("Shagwell by name, shag very well by reputation" - viel Spaß bei der Synchronisation!) würde ihm immer verblüffendere Gegenstände aus dem Rektum ziehen - noch vor "Dumm und dümmer" wären diese Gags kaum möglich gewesen. Doch auch sonst feuert Myers aus vollen Rohren und erzielt eine verblüffend hohe Trefferquote.
Nachdem der erste Teil einen Großteil seiner Pointen aus dem Umstand gewann, daß ein kryonisch eingefrorener Detektiv der Swinging Sixties in den politisch korrekten neunziger Jahren Jagd auf seinen Erzfeind Dr. Evil (Mike Myers zum Zweiten) machte, geht es jetzt wieder zurück in die Sechziger. Dort ist es Dr. Evil gelungen, mit Hilfe des 300 Kilo schweren Schotten Fat Bastard (Mike Myers zum Dritten) die Libido des eingefrorenen Austin zu stehlen. Weil ein entmannter Powers nicht einmal mehr ein halber Powers ist, macht sich Austin ebenfalls auf den Weg zurück in die Zeit, um Dr. Evil und seiner Bande das Handwerk zu legen. Die Handlung dient bestenfalls als lose überbrückendes Element einer Sketchparade, die keine Gnade kennt und in einem aberwitzigen "Moonraker"-Showdown endet, in dem zwei Austins auf einer Weltraumstation gegen Dr. Evil und seinem Liliputaner-Doppelgänger Mini-Me antreten. Darüber hinaus trifft man alte Bekannte wie Nummer Zwei und Frau Fabissina und neue Gesichter wie die Doppelagentin Ivana Humpalot und die Killerin Robin Swallows, und man erfährt Wissenswertes, wie Dr. Evils entfremdeter Sohn Scott entstand, daß Austins Frau Vanessa nur ein programmierter Killerroboter war und daß nicht einmal der mit allen Wassern gewaschene Trash-Talkshow-Moderator Jerry Springer in Gegenwart von Dr. Evil die Fassung wahren kann. Eine kunterbunte Blödelparade mit stilsicherer Musik (Burt Bacharach tritt erneut auf) und einer Portion Sex (Heather Graham legt die Latte hoch für alle kommenden Bond-Girls) also, die bei sorgfältiger Synchronisation auch in Deutschland zünden sollte wie Dr. Evils Marshmallow-Man-Rakete. ts.