Geld oder Leben lauten die Optionen eines reichen Geschäftsmannes, der Heiligabend einen Überfall verhindert und als himmlischen Lohn einen Blick auf ein anderes Leben als Familienvater nehmen darf. Inszeniert von "Rush Hour"-Regisseur Brett Ratner transportiert diese romantische Komödie mit Nicolas Cage und Téa Leoni die sentimentale, aber hier nicht unsympathische Werteüberprüfung, die sich Leistungsgesellschaften zur Weihnachtszeit gerne leisten. Da die Saison einen vergleichbaren Stoff nicht zu bieten hat, geht "Family Man" mit eigentlich guten Karten ins Weihnachtsgeschäft.
Das Drehbuch von David Weissman und David Diamond, das vor Brett Ratner unter anderen Curtis Hanson nahezu unterschriftsreif angelockt hatte, stellt Frank Capras Klassiker "Ist das Leben nicht schön" zumindest in der Prämisse auf den Kopf. Der Verzweiflung James Stewarts über den Wert seines eigenen Lebens steht hier die Zufriedenheit des Protagonisten gegenüber, der sich seiner Leere erst bewusst werden muss. Am Anfang und Ende des Films stehen zwei Abschiedsszenen, die die Ausgangsposition Unreife sowie die Ankunftsposition Erkenntnis in einer Beziehung markieren. Auszubildender in puncto Erleuchtung ist Wall-Street-Titan Jack Campbell (Nicolas Cage), der 1987 seine Collegeflamme (Téa Leoni aus "Deep Impact") trotz ihrer brennenden Liebeserklärung stehen ließ, um sich auf seine Karriere zu konzentrieren. 13 Jahre später ist er immer noch exklusiv in Arbeit und Wohlstand verliebt, bis er am Abend des 24. Dezember einen Raubüberfall gewaltlos entschärft und dafür von dem über himmlische Kontakte verfügenden Täter (Don Cheadle) mit einem Blick auf ein anderes mögliches Leben belohnt wird. Am nächsten Morgen wacht Jack fassungslos in der Vorstadt in einem ungleich bescheideneren Dasein auf, das er mit Kate, zwei süßen Kindern und einem Hund teilt. Natürlich ist nur er sich dieses Neustarts bewusst und stolpert ahnungslos und anfangs widerwillig als Vater und Reifenverkäufer durch sein alternatives ideelles Glück, während das vertraute, materielle ausgelöscht ist. Nur seine Tochter, von den Filmemachern nach dem größten Niedlichkeitsfaktor besetzt, ahnt, dass Jack nicht Jack sein kann, macht dafür aber Aliens verantwortlich. Die Aufgabenverteilung in diesem berechenbaren, aber dennoch recht charmanten Szenario weist Cage vor allem ungläubiges Staunen und Betroffenheitsmimik zu, während Leoni für Wärme, Witz und Quirligkeit sorgen muss. Von einem Windeldrama abgesehen, erspart sich der Film weitgehend die erwarteten Anpassungskonflikte und konzentriert sich auf die Entwicklung der romantischen Beziehung, wobei vom Jahrestag bis zum rührenden Geburtstagsvideo nichts ausgelassen wird, um die Herzen der Zuschauer zu massieren. Dass sie klopfen und trotz Sentimentalität und Naivität nicht verstopfen, weist "Family Man" als weihnachtlichen Hitkandidaten aus, der vor allem beim weiblichen Publikum punkten wird. Obwohl es am Ende jede romantische Seele treffen könnte, wenn Schneeflocken aus dem Dunkel fallen und zwei einst Vertraute in der Distanz die Vergangenheit überwinden: gesprächig, aber für uns doch lautlos. kob.