"Timecop" Jean-Claude Van Damme unternimmt in seiner ersten Regiearbeit einen Trip in die Vergangenheit in dreifacher Hinsicht : Die Story der aufwendigenKampfsportextravaganz ist in den zwanziger Jahren angesiedelt, für die Rahmenhandlung ließ er sich von etlichen Abenteuerklassikern inspirieren, und die furiosen Martial-Arts-Sequenzen erinnern an seine Anfangsfilme in den späten achtziger Jahren.
Interessanterweise schrieb Van Damme das Drehbuch in Zusammenarbeit mit dem Mann, den er in seinem Durchbruchsfilm "Bloodsport" porträtierte, Frank Dux, der erste nicht-asiatische Gewinner des Kumite-Weltmeisterschaftsturniers. Der zentrale Aufhänger von "The Quest" ist ebenfalls eine WM, in der furchtlose Kämpfer aus aller Welt gegeneinander antreten.
Doch wo die meisten Filme mit ähnlich gelagerter Prämisse einen verhältnismäßig gemächlichen Aufbau vorweisen, wird dort gleich ab der Opening-Sequenz ein rasantes Tempo vorgelegt. Der in der Gegenwart angesiedelte Pro- und Epilog zeigt Van Damme als alten Mann, der sich an sein aufregend-abenteuerliches Leben erinnert. In dunklen Erdtönen vom "Ohne Ausweg"-Kameramann David Gribble gefilmt, wird Chris Dubois (Van Damme) im New York anno 1925 als kinderliebender Anführer einer Bande junger Straßendiebe Dickens'scher Dimension eingeführt. Eine Auseinandersetzung mit der Polizei zwingt ihn zur Flucht auf einen Frachter, auf dem er in die Hände skrupelloser Waffenschmuggler gerät. Vor der Küste Thailands wird er vom etwas zwielichtigen Lord Dobbs (Roger Moore spielt seinen Part mit Bondscher Süffisanz) aus der Versklavung gerettet. Einige Verwicklungen später ist Chris gemeinsam mit dem Lord, dessen Vertrauten (Jack Mc Gee), der attraktiven Reporterin Carrie (Janet Gunn) und dem Schwergewichtsmeister Maxie (James Remar) auf dem Weg zur Kampfkunstaustragung in einer geheimnisvollen verlorenen Stadt in Tibet, wo es als Trophäe einen aus massiven Gold gegossenen Drachen zu erringen gilt.
Das eigentliche Turnier wurde mit großer Sorgfalt choreographiert und die Teilnehmer aus aller Welt (tausende von Kämpfern bewarben sich für die Besetzung) repräsentieren spezifische Kampfstile ihrer Länder. Der Brasilianer wartet mit tanzartigem Capoeira auf, der Spanier verblüfft mit Flamenco-Kampfeinlagen, der japanische Sumo-Ringer setzt auf schiere Körperwucht, und die weiteren Vertreter wie ein Zulu, ein Schotte, ein Mongole, Chinese etc. zeigen geschliffenen Karate-, Kung-Fu-, Kickboxing-, Box- und Freestyle-Künste.
Mit aufwendigen Kostümen und Ausstattungen wurde der Retro-Produktion ein exquisiter Look verliehen, und Randy Edelman komponierte den angemessen epischen Klangteppich. Obwohl Van Dammes ambitioniertes Bemühen lobenswert ist, von der üblichen Erzählstruktur traditioneller Martial-Arts-Prügelorgien abzuweichen, kann er damit nicht vollständig überzeugen. Zu oberflächlich-naiv ist die Charakterzeichnung ausgefallen, und die verschiedenen Storyelemente mögen zwar vielfältig sein, doch in ihrer Ausführung bleiben sie unbeeindruckend kurz. Ein deutsches Einspiel von "Streetfighter"-Ausmaßen sollte sich der beliebte Star allerdings allemal erkicken können. ara.