Unkonventionelle Komödie über die schwierige Suche nach Identität, eine ungewöhnliche Liebe und einen imponierenden Idealismus.
Unter dem Titel kann man sich relativ wenig vorstellen, er klingt langweilig, die Geschichte ist es aber nicht, auch wenn es etwas Zeit braucht, sich hineinzufinden. Da heißt eine junge hübsche Frau Bahia und muss immer darauf hinweisen, dass der Name nicht brasilianischen, sondern algerischen Ursprungs ist, der dröge Ornithologe heißt Arthur Martin wie eine Küchenmarke und verschweigt seine jüdischen Wurzeln, will unauffällig durchs Leben gehen. Der Zusammenprall dieser unterschiedlichen Temperamente ergibt ein emotionales Feuerwerk. Bahia schläft kunterbunt mit politischen Gegnern, rechts stehenden Männern, um sie ideologisch zu überzeugen, redet viel Unsinn und marschiert auch schon mal nackt über die Straße oder hüllt sich in ein Kopftuch, um die Aggression gegen Araberinnen zu spüren: Ein Energiebündel mit großem Herz. Ihr männliches Gegenüber stolpert dagegen distanziert durchs Leben, strahlt Unflexibilität und Moralin aus und minimiert jegliches Risiko. Eine verklemmte graue Maus und überzeugter Jospin-Anhänger (der Politiker tritt sogar drei Minuten als "Geburtstagsgeschenk" für Arthur auf).
Wie die Extrovertierte und der Introvertierte (Sarah Forestier/Jacques Gamblin) sich dann doch finden, wird zum Gefühls-Hürdenlauf mit Happy End. Neben der romantischen Komponente, in der sich autobiografische Bezüge von Regisseur Michel Leclerc und Mit-Autorin Baya Kasmi spiegeln, streift der Film auch die Frage der Herkunft und des familiären Hintergrundes, der Zugehörigkeit zu einer religiösen oder ethnischen Gruppierung, die unsere Liebesbeziehungen prägen und denen in Frankreich oft große Bedeutung zugemessen wird. So sind die Eltern der Protagonisten Opfer von Traumata, wie dem Kolonialkrieg in Nordafrika oder dem Holocaust, und leiden unter den Wunden der Vergangenheit, was eine dunkle Farbe in die Heiterkeit bringt. Die Liebenden leiden unter dem Schweigen über das, was geschah. Leclerc scheut sich in seinem zweiten Film nicht, die heiklen Themen (auch Pädophilie-Erfahrung von Bahia) mit einer Portion Unbekümmertheit und Humor anzugehen und sich über "Ismen" wie Antisemitismus, Rassismus oder Feminismus lustig zu machen. "Der Name der Leute" ist eine wunderbare Entdeckung auf den zweiten Blick. mk.
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