Mรคnner, die aufs Siegen beharren: Sylvester Stallone und seine Spieรgesellen versorgen den Actionfilm der Achtziger mit der Feuerkraft der Neuzeit.
Sylvester Stallone setzt seine im wahrsten Sinne des Wortes selbstinszenierte Renaissance fort. Nachdem er mit "Rocky Balboa" und "John Rambo" seine beiden ikonischsten Figuren einer Revision unterzog, schultert der 63-Jรคhrige bei der Aufarbeitung der eigenen filmischen Vergangenheit jetzt ein ganzes Genre, oder besser gesagt eine stilistische Spielart eines Genres: den Actionfilm, wie man ihn in den Achtzigerjahren kannte. Der Wahnsinn hat eine Methode, die fรผr den Filmemacher mittlerweile auch Tradition hat.
Wie in seinen beiden vorangegangenen Filmen bedient der Regisseur und Hauptdarsteller an der Oberflรคche alle nรถtigen Konventionen und gibt den Fans damit, was sie sehen wollen: in diesem Fall eine nicht enden wollende Abfolge von Explosionen und Stunts und verรคchtlich hingeraunzten Einzeilern. Gleichzeitig bricht Stallone jedoch auch mit den fest verankerten Traditionen und nutzt seine Story als Kulisse fรผr Betrachtungen รผber das รlterwerden. Verschleiร, Mรผdigkeit, รberdruss und Rรผckenschmerzen sind in den vereinzelten Feuerpausen, die nicht gerade fรผr Gastauftritte anderer Kรคmpen von einst genutzt werden, gern angerissene Themen. Dass sie ohne besondere Resonanz bleiben, ohne nennenswerte Tiefe und bleibende Bedeutung, hรคngt auch damit zusammen, dass keine der Figuren im bunten Reigen der Alphatiere mehr ist als eine Karikatur - was fรผr das Funktionieren des Films auch nicht nรถtig ist, denn in zahllosen Feuergefechten und Nahkรคmpfen erprobte Recken wie Jet Li oder Dolph Lundgren (alte Schule) oder Jason Statham (neue Schule) oder die Extremsportikonen "Stone Cold" Steve Austin, Randy Couture oder Terry Crews (Schule des Lebens) bringen genug Statur und persรถnlichen Ballast mit, um selbst mit der Holzsรคge ausgeschnittene Pappkameraden mit schartigem Action-Hero-Leben zu erfรผllen.
Ein US-Kritiker versteifte sich bereits auf die sรผffisante Aussage, bei "Expendables" handele es sich um "Sex and the City" fรผr Mรคnner - und liegt damit nicht unbedingt falsch: Von der ersten Szene an, in der der von Sylvester Stallone angefรผhrte, Titel gebende Sรถldnertrupp auf seinen aufgemotzten Choppern durchs Bild rรถhrt, gibt es die Testosteronvolldrรถhnung: Tattoos, hochtourige Schlitten, Muskeln und ein beispielloses Arsenal an Waffen sorgen fรผr Oberflรคchenreiz satt, der den geneigten, im Zweifelsfall mรคnnlichen Zuschauer auch รผber die einfache Handlung hinweg trรคgt. Das Szenario vom Diktator, der von der CIA gestรผtzt und von den Expendables schlieรlich gestรผrzt wird, ist in seiner Schlichtheit nicht einmal auf dem Level der legendรคren und stilprรคgenden "Delta Force"-Macher Golan und Globus, sondern eher auf dem Niveau von deren Billigepigonen Pepin und Merhi, die unerschrockene Vielseher zu Beginn der Neunzigerjahre direct to video mit zahllosen C-Abenteuern versorgten. Es spielt keine entscheidende Rolle: Die Handlung kann ohnehin nur zusammengeflicktes Stรผckwerk sein, was nicht zuletzt daran liegt, dass Stallone lรคngst mit der Verfilmung des von ihm รผberarbeiteten Drehbuchs von Dave Callaham begonnen hatte, als er Zusagen alter Kampfgefรคhrten fรผr Cameoauftritte erhielt, die mit dem Dampfhammer in das Geschehen eingefรผgt wurden: Mickey Rourke gefรคllt sich mit einem nach "Iron Man 2" weiteren exzentrischen Auftritt als Auftragsvermittler des dreckigen halben Dutzends, Arnold Schwarzenegger und Bruce Willis willigten ein zum auf eine Szene begrenzten Gipfeltreffen der Actionlegenden, das von Fans gewiss herbeigesehnt und vielleicht auch beklatscht wird, aber doch eher aufgrund mรผder Witze und ebenso mรผder Gesichter in Erinnerung bleibt.
Besser sind die Szenen zwischen Stallone und seiner rechten Hand Statham: Wenn sie mit dem Sound von Creedence Clearwater Revival (Merkmal: handgestrickt, hemdsรคrmelig, volksnah) im Hintergrund herumstรคnkern wie ein altes Ehepaar, erinnern sie nicht an "Die City-Cobra" oder "Phantom-Kommando", sondern an Lemmon und Matthau nach einem harten Jahr in der Muckibude. Vor allem aber zรคhlt die Action. Und die stimmt in diesem ansonsten etwas ungelenken Film: Ob sich nun Li und Lundgren nach einer ausfรผhrlichen Autoverfolgungsjagd im Nahkampf Saures geben, Terry Crews denkwรผrdig mit der Bazooka aufrรคumt, als mรผsste man die legendรคre Einer-gegen-Alle-Szene aus "Oldboy" mit allerhand Feuerzauber aufmotzen, oder Stallone sich einen legendรคren Schlagabtausch mit Wrestling-Urvieh Austin leistet, den er verliert und mit einem trockenen "Der hat mir den Arsch versohlt" kommentiert, um danach einfach alles in die Luft zu sprengen, "Expendables" weiร in den entscheidenden Momenten, wo der Hammer hรคngt. Darauf kommt es an. ts.