Das nach "Total Recall" zweite Remake eines Paul-Verhoeven-Klassikers hat viele Actionreize, aber, wie sein Titelheld, bei aller Technik auch Seele zu bieten.
Den schwarzen Humor, die exzessive Gewalt und die umfassende Gesellschaftskritik des Originals repliziert diese vom Brasilianer José Padilha inszenierte Neuauflage nicht, fokussiert sich stattdessen in ernstem Ton auf die emotionalen Aspekte, die Mensch-Maschine-Kluft und die moralischen Fragen bei der automatisierten Waffentechnik, die angesichts der Drohnen-Diskussion brisanter denn je sind. Statt mit vertrautem Gebrüll präsentiert sich der MGM-Löwe zur Ouvertüre entlarvend mit dem sinnfreien Geplapper eines TV-Fundamentalisten, der die amerikanischen Werte mit größerer Konsequenz verteidigt sehen will. Samuel L. Jacksons Figur, eher Agitator als Kommentator, ist konstanter Begleiter der Geschichte, die Antwort des Remakes auf Verhoevens satirische Werbespots.
2028 hat Amerika seine Kriegsführung im Ausland hoch entwickelten Robotern und Kampfmaschinen überlassen, doch im Mutterland verhindert ein Gesetz den Einsatz der Automaten. Entnervt vom nationalen Scheitern seines lukrativen Projekts, sucht der Leiter eines Großkonzerns (Michael Keaton) einen Kompromiss, eine Mensch-Machine-Symbiose, mit der das Vertrauen der Öffentlichkeit gewonnen werden kann. Im engagierten Cop Murphy (Joel Kinnaman), von dessen Körper nach einem explosiven Mordanschlag nur Kopf, Brustkorbteile und eine Hand übrigbleiben, findet er den idealen Kandidaten für Robocop. Weil aber die menschliche Komponente die Effizienz der Maschinenteile behindert, soll ein brillanter Wissenschaftler (sehr engagiert: Gary Oldman) diesen Störfaktor bis zur völligen Neutralisierung beseitigen.
Trotz einer Fülle spektakulärer, meist von frenetischen Schusswechseln geprägten Actionsequenzen, in denen Padilha dem kinetischen Inszenierungsstil seines Berlinale-Siegers "Tropa de Elite" treu bleibt, wird der emotionale Kern der Story, die Unbezwingbarkeit der menschlichen Seele, gewahrt und gepflegt. Dabei gelingen dem Film neben visuell einfallsreichen auch berührende Sequenzen, beweist dieses Big-Budget-Projekt, das neben der Ego-Shooter-Optik für eine jüngere Generation auch erwachsene Sensibilität koexistieren kann, die im Actiongewerbe nicht selbstverständlich ist. kob.