Junges Tanzdrama, das Laune macht, über eine Balletttänzerin, die Streetdance für sich entdeckt.
Regisseur und Kodrehbuchautor Stefan Westerwelle und Lieblingsfilm und seinen Partnern gelingt mit "Into the Beat - Dein Herz tanzt" ein veritables Feelgood-Movie, in dem die Energie der Tanzszenen ansteckend ist und das Publikum mit guter Laune aus dem Kino entlässt. Dabei erzählt der Film auch in kräftig-dramatischen Tönen eine Coming-of-Age-, Identitätsfindungs-, Familien- und zarte Liebes-Geschichte um eine 16-Jährige, deren Weg zum Ballettstar als Tochter eines solchen eigentlich schon vorgezeichnet ist, der innerhalb weniger Wochen aber eine abrupte Wendung nimmt, als sie zufällig in einen Streetdance-Abend gerät. Katya wird von der Stimmung mitgerissen und lernt in der coolen Location auch einen ungewöhnlichen, jungen Mann kennen, Marlon. Das mag aus anderen Filmen des Genres bekannt klingen, aber die Macher setzen ihre Geschichte teils so frisch, sympathisch und einen Tick schräger - etwa in der Annäherung der beiden Protagonisten um, dass man ihr immer gerne folgt. Wunderbar etwa ist die Tanzszene, in der die überschäumende Lebensfreude Katya und Marlon ein Schiff entern und sich mit Matrosen anlegen lässt, eine Choreografie, die nichts zur Story beiträgt, aber eindrücklich und verspielt die Gefühlslage der beiden demonstriert. Auch in einer späteren Parallelmontage, in der Katya und Marlon ihrer Verzweiflung und Wut im Tanz Ausdruck verleihen, gelingt das toll. Großen Anteil daran hat hier - wie im ganzen Film - die starke und einfallsreiche Kameraarbeit von Martin Schlecht, der nicht nur den Tanz dynamisch, sondern auch das herbstliche Hamburg im schönsten Licht erscheinen lässt, und die abwechslungsreichen Choreografien aus dem Umfeld der erfolgreichen Flying Steps Academy. Eine besonders akrobatische Variante wird in der großen Einstiegstanzszene von Profis im Gastauftritt gezeigt.
Dass man sich in den "Beat" fallen lässt, dafür sorgen auch die perfekt auf die Stimmung der Szenen abgestimmten, für den Film geschriebenen und tatsächlich wie Hits klingenden Songs. Die Newcomer Alexandra Pfeifer und Yalany Marschner bilden als Stargirl und Alien ein schönes Protagonistenpaar, das tanzen und das junge Publikum mitnehmen kann. Für Warmherzigkeit sorgen die sympathischen Figuren von Ina Geraldine Guy und Katrin Pollitt im gut gemachten Unterhaltungsfilm, mit dem Wild Bunch die Kinowiedereröffnung nach dem Corona-Lockdown einläutet.
hai.