Die Profession des Friseurs hat von jeher den Ruf, nicht nur zum Haareschneiden da zu sein, sondern ihren Klienten auch ein offenes Ohr zum Seele ausschütten zu leihen. In der dialogreichen Ensemblekomödie mit Rapper Ice Cube geht man jetzt noch einen Schritt weiter: Der "Barbershop" in einem afroamerikanischen Viertel dient als Treffpunkt für die Nachbarschaft, wo neben dem neuesten Klatsch auch Kameradschaft geboten wird. Zunächst als limitiertes Genrekino eingestuft, erwies sich die frechsmarte Sozialkomödie am US-Boxoffice als große Überraschung und belegte nun bereits zum zweiten mal Platz eins der Charts.
Calvin (Ice Cube) führt seit zwei Jahren mehr schlecht als recht den väterlich geerbten Barbershop in Chicago. In dem 1958 eröffneten Salon arbeitet eine bunt zusammengewürfelte Crew. Ein Unikum ist der Dienstälteste Eddie (Cedric The Entertainer, fungierte zuletzt als Lachlichtblick in "Serving Sara"), der zu allem eine Meinung hat - sei es O.J. ("Schuldig!), Rodney King ("Besoffen!") oder Rosa Parks ("Überbewertet!"), die er gerne lautstark unters Volk bringt. Der charismatische Ricky hingegen ist ein ehemaliger Bad Boy, der jetzt versucht, unauffällig sein Geld auf ehrliche Weise zu verdienen, während der elitär-arrogante Collegestudent Jimmy (Sean Patrick Stewart aus "Save The Last Dance") den Salon nur als Zwischenstation ansieht. Er zankt sich andauernd mit dem einzigen Weißen Isaac (Troy Garity), der sich als Homeboy sieht, von dem sich jedoch keiner die Haare schneiden lassen will. Als einzige Frau ist die resolute Terri (die Grammy ausgezeichnete Rapperin Eve in ihrem kompetenten Filmdebüt) tätig, die von ihrem Freund betrogen und von ihrem Kollegen Dinka (Leonard Earl Howze), einem gutherzigen westafrikanischen Immigranten, angebetet wird. Fügt man diesem originellen Haufen die ständig ein- und ausgehende afroamerikanische Kundschaft hinzu, ergibt sich ein facettenreicher Nachbarschaftskosmos, der an Spike Lees treffliches Viertelporträt in "Do The Right Thing" erinnert. Doch die geschäftige Idylle des "Kulturklubs für schwarze Leute" könnte demnächst ein Ende haben, da Calvin das Angebot des schmierigen Zuhältertypen Lester Wallace (Keith David) angenommen hat, den verschuldeten Shop zu verkaufen. Doch diesen Entschluss bereut er alsbald und sucht nun händeringend nach einer anderen Lösung.
Regisseur Tim Story wartet in seinem Spielfilmdebüt mit einer stimmig-spritzigen Mischung aus unterhaltsamer Sozialstudie und humorvoller Moralfabel auf. Elemente aus den Seventies-Komödien "Car Wash" und "Samstagnacht im Viertel der Schwarzen" verhelfen dem Schwarzenschwank zu einem subtilen Siebziger-Jahre-Flair. Ice Cube glänzt in der Rolle des richtungslosen Träumers, der schließlich erkennt, dass Freundschaft, Vertrauen und Zusammenhalt unbezahlbar sind. Für schlappe 15 Mio. Dollar realisiert, beweist die Komödie, ebenso wie der Siegeszug von "My Big Fat Greek Wedding", dass das Publikum nicht mit geschmacklosen Bad-Taste-Witzchen abgespeist werden will, sondern greifbare Figuren und schlagfertig-cleverer Humor gefragt sind. ara.