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★★★★★
☆☆☆☆☆
Eher zum Lesen als zum Kochen
Helena H. - Bewertet am 05.12.2022
Zustand: Exzellent
Sternekoch Tohru Nakamura präsentiert in diesem Buch 60 Rezepte für deutsch-japanisches Fusion Food, dessen Ursprung in seinen familiären Wurzeln in beiden Ländern liegt. Das Buch ist gut verarbeitet. Leider färben die holzschnittartigen Grafiken manchmal leicht auf die weiße Seite gegenüber ab.
… Zum Inhalt: Zu Beginn gibt es Informationen über Orte in Deutschland, an denen man japanischer Kultur begegnen kann, und Nakamura erzählt seinen Werdegang – das hätte es für mich in einem Kochbuch nicht gebraucht, kann aber auch als nette Einstimmung gesehen werden.
Die dann anschließenden Rezepte sind nach 10 Hauptzutaten gegliedert, zu jeder gibt es eine kurze hilfreiche Warenkunde. Alle Fotos sind mit der typisch japanischen Ästhetik, Klarheit und Liebe zum Detail gestaltet. Die Rezepte haben eine gute Zutatenübersicht und Schritt-für-Schritt-Anleitungen und sind so (zumindest theoretisch) leicht zu befolgen. Die vielen japanische Bezeichnung der Zutaten ist selbst für Menschen, die des Japanischen grundsätzlich mächtig sind, schwer zu behalten, sodass man – zumindest, wenn man das ganze Buch auf einmal durchgeht – so oft aufs Glossar zurückgreifen muss, dass das Blättern den Lesefluss stört.
Die Gerichte machen definitiv Appetit. Es finden sich japanische Gerichte mit deutschen Zutaten (wie Oyakogon mit Schnittlauch) genauso wie westliche Klassiker mit japanischen Extras (wie Carbonara mit Algen). Für die praktische Umsetzung sehe ich einige Herausforderungen: Zunächst sind viele Zutaten doch eher extravagant: Wachtel, sehr spezielle Käse, Krakenarme, Rogen… Von den japanischen Zutaten sind manche in Deutschland schwer bis gar nicht zu bekommen (Wir kochen gerne und schon lange japanische Gerichte, aber einschlägige Geschäfte, in denen wir probeweise nach einigen Zutaten gefragt haben, konnten uns nicht helfen). Dann erfordern einige der Rezepte einen deutlichen zeitlichen Aufwand z.B. zum Marinieren oder zum Ruhen von Teig, wodurch die Rezepte eher nicht alltagstauglich sind. Und schließlich setzt Nakamura bestimmte Küchentechniken voraus (z.B. Zubereiten eines Brandteigs), die vermutlich viele Lesenden vor dem Kochen zu einem kleinen Exkurs zwingen.
Insgesamt dachte ich beim Lesen meistens, dass ich das Gericht sehr gerne mal essen würde, aber es wohl nie kochen werde. Wer jedoch Rezepte für Fortgeschrittene und Profis sucht und für den beim Kochen Zeit und Geld keine Rolle spielen, oder wer sich einfach inspirieren lassen will, der wird hier sicher ebenso fündig wie jemand, der Freude an ästhetischen Kochbüchern und/oder japanischer Kultur hat.
Disclaimer: Ich habe das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Dies beeinflusst meine Rezension nicht.
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☆☆☆☆☆
Ansprechend, aber setzt sehr viel voraus
Tanja K. - Bewertet am 24.10.2022
Zustand: Exzellent
Der japanisch-bayrische Koch Tohru Nakamura ist mir auf Anhieb sehr sympathisch, was durch seine kulinarische Autobiographie als Einstieg des Buches noch verstärkt wird. Man kann seine Leidenschaft sowohl fürs Kochen und Essen, als auch für seine Herkunft, deutlich spüren. Auch sein durch seine… familiären Wurzeln geprägtes Konzept, klassische japanische Rezepte mit traditionell süddeutscher Küche zu fusionieren und neu zu interpretieren, finde ich sehr spannend. Der kleine Reiseführer zu Orten in Deutschland, an denen man Japan erleben kann, hat mir, besonders aufgrund der sehr gelungenen Fotos, ebenfalls sehr gut gefallen und hat Lust gemacht, auf Entdeckungsreise zu gehen.
Leider bin ich vom Aufbau des eigentlichen, wesentlichen Kochbuchteils nicht sehr überzeugt.
Sicher ist es auch bei etwa Sesam, Eiern, Tofu und Sojasauce sehr wichtig, auf Qualität der Zutaten und den behutsamen Umgang mit ihnen zu achten, jedoch hätte ich mir eine sehr viel ausführlichere Warenkunde zu allen im Buch verwendeten Zutaten am Anfang des Buches gewünscht.
So finden sich in den Rezepten lauter Zutaten, die ich noch nicht kenne, wodurch man sich Zubereitung und Geschmack des jeweiligen Gerichtes sehr schwer vorstellen kann, auch wenn die grundsätzliche Anleitung gut verständlich geschrieben ist. Das animiert nicht gerade dazu, das Gericht ausprobieren zu wollen.
Die Zutaten werden am Ende des Buches in einem sehr kurzen Glossar erklärt, wonach ich bei den meisten Einträgen allerdings auch nicht besser weiß, um was es sich genau handelt. Hier wäre eine bebilderte Warenkunde, womöglich auch mit Empfehlungen, welches spezifische Produkt man hierzulande am ehesten erhalten kann, entscheidend gewesen. Auch die Rezepte für Zutaten-Basics, die dann in fast allen Rezepten Verwendung finden, hätte ich am Anfang sinnvoller gefunden.
Die einzelnen Rezepte sind mit sehr ansprechenden Fotos bebildert, wobei ich mir bei einigen Gerichten statt einer asiatisch-minimalistischen Tablescape lieber eine Aufnahme gewünscht hätte, bei der sich konkreter erkennen lässt, was sich auf dem Teller befindet.
Insgesamt für mich wohl eher ein Buch zum Anschauen, Inspirierenlassen und Appetitholen, aber leider weniger für die praktische Verwendung.