Bis zu 50 % günstiger als neu
3 Jahre rebuy Garantie
Professionelles Refurbishment
ElektronikMedien
Tipps & News
AppleAlle anzeigen
TabletsAlle anzeigen
HandyAlle anzeigen
Fairphone
AppleAlle anzeigen
iPhone Air Generation
GoogleAlle anzeigen
Pixel Fold
HonorAlle anzeigen
HuaweiAlle anzeigen
Honor Serie
NothingAlle anzeigen
OnePlusAlle anzeigen
OnePlus 11 GenerationOnePlus 12 Generation
SamsungAlle anzeigen
Galaxy XcoverWeitere Modelle
SonyAlle anzeigen
Weitere Modelle
XiaomiAlle anzeigen
Weitere Modelle
Tablets & eBook ReaderAlle anzeigen
Google
AppleAlle anzeigen
HuaweiAlle anzeigen
MatePad Pro Serie
MicrosoftAlle anzeigen
XiaomiAlle anzeigen
Kameras & ZubehörAlle anzeigen
ObjektiveAlle anzeigen
Samyang
System & SpiegelreflexAlle anzeigen
CanonAlle anzeigen
FujifilmAlle anzeigen
OlympusAlle anzeigen
PanasonicAlle anzeigen
SonyAlle anzeigen
WearablesAlle anzeigen
Fitness TrackerAlle anzeigen
SmartwatchesAlle anzeigen
Xiaomi
Konsolen & ZubehörAlle anzeigen
Lenovo Legion GoMSI Claw
NintendoAlle anzeigen
Nintendo Switch Lite
PlayStationAlle anzeigen
XboxAlle anzeigen
Audio & HiFiAlle anzeigen
KopfhörerAlle anzeigen
FairphoneGoogle
LautsprecherAlle anzeigen
GoogleYamahatonies
iPodAlle anzeigen

Handgeprüfte Gebrauchtware

Bis zu 50 % günstiger als neu

Der Umwelt zuliebe

Optischer Zustand
Beschreibung
1. All jene, die sich mit Begeisterung einer großen Aufgabe gewidmet haben, sind im Laufe der Zeit wohl oft zu der überraschenden Feststellung gelangt, daß ihre Freude daran sich noch zu steigern vermochte, je mehr Zeit und Energie für die Durchführung des Projektes substantiell vorhanden war. So wird es in gleicher Weise auch für die der Wissenschaft Zuneigenden kaum etwas Schöneres geben können als einen Plan, der sie ganz ausfüllt, und der ihre Gedanken Tag und Nacht auf immer neue Bahnen kreativer schöpferischer Kraft zu lenken versteht, in der Gewißheit, sich damit im zentralen Bereich eines wirkmächtigen und universalen Lebensimpulses zu befinden. Sollte dies nicht ein wahrhaft glückseliger Zustand sein? Dies etwa waren meine Gedanken, als ich mich nach erfolgter Bewilligung meines Forschungsvorhabens mit der Ausarbeitung einiger notwendiger Vorüberlegungen zu befassen begann. Da eine Untersuchung der Begeisterung speziell auf den amerikanischen Kontext appliziert werden mußte, war es zunächst einmal erforderlich, sich über die Art und Weise des fachlichen Zugriffes Klarheit zu verschaffen. Es sollte dabei nämlich nicht allein die Theoriebildung im Vordergrund stehen, sondern ebenso eine Konkretisierung anhand zweier exemplarischer Fallbeispiele. In dieser Situation traf ich erstmals auf das Werk Ralph Waldo Emersons, und dort, genauer gesagt in seinem erstmals im Jahre 1860 erschienenen Werk The Conduct of Life, erhielt ich den eigentlichen Anstoß zu meiner Arbeit. Mit seiner Aussage: "Life is an ecstasy"1, schien sich mir nämlich eine entscheidende Möglichkeit zu eröffnen, Emerson im Rahmen seines Gesamtwerkes über ein zu eruierendes Konzept seiner eigenen Begeisterung behutsam neu zu interpretieren. 2. Bei der weiteren Sondierung aktueller Forschungsschwerpunkte in der Amerikanistik stieß ich zudem auf ein kulturwissenschaftliches Projekt, als dessen Hauptziel sich die Herleitung und Erschließung von Verbindungslinien zwischen den amerikanischen philosophischen Strömungen des Transzendentalismus und Pragmatismus für das 19. Jahrhundert auswies. Nach eingehenden Recherchen entschied ich mich schließlich dazu, im Rahmen meiner Möglichkeiten einen Beitrag zu diesem Vorhaben zu leisten, indem ich meine Untersuchung auf den bekanntesten Vertreter des Pragmatismus, den Psychologen und Philosophen William James, ausdehnte. Auch hier existierten etliche Hinweise darauf, daß die Kategorie der Begeisterung für ihn als eine der wegweisendsten Lebensperspektiven überhaupt gelten konnte. Mit dem als Eingangshypothese angenommenen Postulat einer Verklammerung dieser beiden Philosophien ergab sich so 1 Dieser mit verve vorgetragene Satz taucht im Buch übrigens gleich zweimal auf: Vgl. CW 6, p. 41, und p. 311. 12 folgerichtig die Möglichkeit, Begeisterung als wesentlichen Grundbaustein des amerikanischen Denkens im 19. Jahrhundert einer fundierten Analyse zu unterziehen. Ermutigt wurde ich zusätzlich durch neue Publikationen amerikanischer Wissenschaftler zu dieser Thematik. Robert D. Richardson Jr. stellte in seiner Emerson-Biographie die enthusiastische Seite des 'Weisen von Concord' viel stärker heraus, als dies bislang der Fall gewesen war2; und Harold Bloom bezeichnete in seinem Werk The American Religion gerade Emerson und James als die entscheidenden Wegbereiter eines genuin amerikanischen 'Religious Criticism' 3, den er als "Orphism and Gnosticism, of Enthusiasm and Antinomianism" titulierte4. Auch bei der weiteren Durchsicht und Bearbeitung der überaus reichen Literatur zur amerikanischen Transzendentalphilosophie wurde ich in meiner Auffassung deutlich bestärkt. Als konstitutiv wurde Begeisterung für das Emersonische Denken zwar des öfteren in Betracht gezogen, jedoch kaum einmal ernsthaft als Schwerpunkt untersucht. In dieser Hinsicht sah ich daher eine weitere Perspektive, durch meine Arbeit einen brachliegenden Pfad der Forschung neu zu erschließen. Dies galt in gleicher Weise auch für William James. Die im Vorfeld angestellten Recherchen über den Begriff der Begeisterung als solchen ergaben zudem, daß dieser Themenkomplex bisher nur recht geringe Beachtung gefunden hat. Auffällig war nämlich in diesem Zusammenhang die Tatsache, daß in den meisten Schlagwortkatalogen und Datenbanken verschiedenster Universitätsbibliotheken zunächst von 'Begeisterung' buchstäblich nichts zu finden war. Erst mit einer Ausweitung der Suche auf wesensähnliche oder als äquivalent einzustufende Begriffe innerhalb der den Sparten der Psychologie zugeordneten Forschungsgebiete ergab sich schließlich eine ausreichende Anzahl an signifikanter Literatur. Als die in dieser Hinsicht wichtigste Arbeit wäre zunächst die 1973 erschienene Dissertation des Österreichers Christian G. Allesch zur Phänomenologie der Begeisterung zu nennen, die sich aufgrund ihrer Fokussierung auf eine philosophische und psychologisch fundierte Begriffsbestimmung als äußerst wertvoll erwies.5 Grundlegend für den Bereich der Amerikanistik ist das Werk von Hans-Jürgen Weckermann: Die Figur des Enthusiasten in der amerikanischen Erzählliteratur, während Susie Tuckers: Enthusiasm. A Study in Semantic Change die bis heute richtungsweisende literaturhistorische Studie im englischsprachigen Raum darstellt. Als bedeutungsvoll erwiesen sich ferner die empirischen 2 Vgl. Robert D. Richardson Jr.: Emerson. The Mind on Fire, Berkeley / Los Angeles 1995. 3 Vgl. Harold Bloom: The American Religion. The Emergence of the Post-Christian Nation, New York / London 1992, p. 28. 4 Ibid., p. 30. 5 Vgl. Christian G. Allesch: Zur Phänomenologie der Begeisterung, Salzburg 1973. 13 Untersuchungen von Mihaly Csikszentmihalyi6 und Marghanita Laski,7 da sie auf sehr erhellende Weise wesentliche Merkmale begeisterten Handelns aus einem breiten Spektrum vergleichbarer Reaktions- und Verhaltensweisen herauszufiltern vermochten. 3. Prinzipiell begegnet uns bei einem Untersuchungsgegenstand wie diesem sehr bald die Schwierigkeit, 'Begeisterung' nicht einfach ad hoc definieren zu können, da wir bislang noch durchaus unzureichend darüber informiert sind, wie Begeisterung entsteht, und wie sie sich exakt von vergleichbaren Zuständen wie Ekstase, Freude, Interesse, Imagination, oder Inspiration abgrenzen ließe. Zudem wurden auch die für eine Untersuchung der Begeisterung essentiellen neurophysiologischen Grundlagen, wie sie in zahlreichen Studien über Aspekte der Neuro- und Kognitionswissenschaften niedergelegt sind, noch nicht allzu ausführlich im Zusammenhang mit literatur- und kulturwissenschaftlichen Fragestellungen erschlossen. Daraus war klar zu ersehen, daß Begeisterung bis dato noch nicht derartig interdisziplinär untersucht wurde, wie es im allgemeinen zu erwarten gewesen wäre.8 Dieser Tatsache eingedenk, ließ ich mich für die Phase der intensiven Lektüre von einem Leitgedanken inspirieren, der bereits in der Antike vollständig etabliert und bewährt war. So hatte im Jahre 238 Gregorius Thaumaturgus in einer Dankesrede an seinen Lehrer Origenes dessen Arbeitsweise folgendermaßen charakterisiert: 9 Er leitete uns nämlich an, die Weisheit in der Art zu erforschen, daß wir nach Maßgabe unserer Kräfte alle vorhandenen Schriften der alten Philosophen und Dichter durchgingen, ohne etwas auszuschließen oder zu verwerfen; wir könnten nämlich darüber vorderhand noch nicht einmal ein Urteil haben. [ ... D]abei sollten wir nicht eine einzelne Gattung oder einen einzelnen Gegenstand aus dem Gebiete der Weisheit bevorzugen oder auch verwerfen, gleichviel ob hellenisch oder nicht, sondern auf alles sollten wir hören. Das war klug und sehr zweckmäßig angeordnet, damit nicht etwa irgend eine einzelne Ansicht von diesem oder jenem Verfasser für sich allein gehört und geschätzt werde... 6 Vgl. Mihaly Csikszentmihalyi: Das Flow-Erlebnis, Stuttgart 19935; und Mihaly Csikszentmihalyi / Isabella S. Csikszentmihalyi (ed.): Die außergewöhnliche Erfahrung im Alltag, Stuttgart 19952. 7 Vgl. Marghanita Laski: Ecstasy. A Study of some Secular and Religious Experiences, New York 1968. 8 Ich möchte ergänzend dazu anmerken, daß gerade für Konzeption und Methodik des Fachgebietes Amerikanistik die Forderung nach Interdisziplinarität schon seit jeher richtungsweisend gewesen ist. Somit muß es vor allem die vorrangige Aufgabe der amerikanischen Kulturwissenschaft sein, diesem Anspruch in ihren wissenschaftlichen Abhandlungen hinreichend Geltung zu verschaffen. Vgl. etwa Henry N. Smith: "Can American Studies Develop a Method?", in: American Quarterly 9, 1957, p. 207; Olaf Hansen: "American Studies: Zur Theorie und Geschichte der Disziplin", in: Jahrbuch für Amerikastudien 18, 1973, p. 171/172; sowie Malcolm Bradbury / Howard Temperley (ed.): Introduction to American Studies, London / New York 1981, p. 16/17. 9 Lobrede auf Origenes, cap. 13, in: Des heiligen Gregorius Thaumaturgus ausgewählte Schriften, ed. Hermann Bourier, Kempten / München 1911, p. 37. (Bibliothek der Kirchenväter) 14 So wollte ich meine Arbeit über zwei große Amerikaner des 19. Jahrhunderts auch nicht deshalb unter das Leitbild der Begeisterung stellen, weil ich bereits eine klare Vorstellung von der Art und Weise ihrer Begeisterung gehabt hätte, sondern weil mich die Aufgabe reizte, aus einem Füllhorn von fachübergreifenden Hinweisen ein zusammenhängendes Konzept davon zu entwickeln.10 Für den heutigen Stand der Forschung dürfte es nämlich insgesamt nicht länger ausreichen, sich der Begeisterung allein mit literaturtheoretischen Betrachtungsweisen zu nähern, wie sie beispielsweise für die englische und deutsche Romantik noch recht gewinnbringend in Anwendung kamen. Denn Begeisterung soll und kann nicht mehr allein in den Begrenzungen einer Gefühlsaufwallung durch poetische Inspiration oder kollektives Schwärmertum verstanden werden, sondern stellt sich in letzter Konsequenz offensichtlich als langfristig inkorporierte Lebenshaltung dar, die ihre Auswirkung auf Funktionsweisen des Körpers, Aktivitäten des Geistes, und den Zustand der Seele insgesamt klar kenntlich zu machen weiß. Ich halte es daher zunächst für prinzipiell erforderlich, Begeisterung als individuell bestimmbares semantisches Feld innerhalb der Arena unseres Lebens zu begreifen. Nur unter dieser Maßgabe können wir uns dem Phänomen so konkret und unvoreingenommen wie möglich annähern.11 4. Theoretisch fundieren möchte ich diese Aussage mit Hilfe einiger aufschlußreicher Textpassagen in den Schriften William von Ockhams zur Logik. Denn obwohl wir ja allgemein davon ausgehen können, daß Sprache auf menschliche Setzung zurückzuführen ist, müssen wir gleichzeitig die prinzipielle Unverfügbarkeit desjenigen Begriffes zugestehen, der nicht geschrieben oder gesprochen, sondern allein gedacht wird:12 10 Dabei decken sich meine eigenen (noch recht bescheidenen) Erfahrungen durchaus mit denen von Walter G. Saltzer: "Heute wird soviel von Förderung interdisziplinärer Kontakte und Projekte gesprochen; wenn es aber dann um die konkrete Realisierung geht, türmen sich meist die Schwierigkeiten. Ohne den spürbaren Funken der Begeisterung würden die Flügel schlaff - ich spreche da aus Erfahrung. Hat man aber einmal die Resistenzschwelle materieller und konzeptueller Art überwunden, dann winken Momente des Glücks und man geht am Ende befriedigt, weil bereichert, auseinander - und so soll und wird es auch hier sein." Vgl. seinen Aufsatz: "Kunst und Wissenschaft komplementär", in: Wolfram Prinz / Andreas Beyer (ed.): Die Kunst und das Studium der Natur vom 14. zum 16. Jahrhundert, Weinheim 1987, p. 17. 11 Wie man sieht, beziehe ich damit Stellung gegen den Standpunkt Poppers, daß wir überall schon eine "preconceived theory" zur Verfügung hätten, mit der wir uns üblicherweise den Dingen zu nähern pflegten. Siehe hierzu den Aufsatz: "Normal Science and its Dangers", in: Imre Lakatos / Alan Musgrave (ed.): Criticism and the Growth of Knowledge, Cambridge 1970, p. 51-58; mit dem Zitat auf p. 52. 12 Wilhelm von Ockham: Texte zur Theorie der Erkenntnis und der Wissenschaft, lat.-dt., ed. Ruedi Imbach, Stuttgart 1987, Summa Logicae I, 1, 3, p. 18. Meine Übersetzung dieser Stelle lautet wie folgt: 'Ich jedoch sage, die Laute seien den Begriffen oder Gestimmtheiten der Seele untergeordnete Zeichen, nicht weil im eigentlichen Sinne der Auffassung vom Ausdruck 'Zeichen' die Laute selbst immer unmittelbar den Begriff der Seele zuerst und eigentlich bedeuten, sondern weil die Laute zur Bedeutung desselben eingesetzt worden sind, was sie aufgrund eines geistigen Begriffes bedeuten, so daß ein Begriff von Natur aus an erster Stelle etwas bedeutet und der Laut dasselbe an zweiter Stelle bedeutet.' 15 Dico autem voces esse signa subordinata conceptibus seu intentionibus animae, non quia proprie accipiendo hoc vocabulum 'signa' ipsae voces semper significent ipsos conceptus animae primo et proprie, sed quia voces imponuntur ad significandum illa eadem, quae per conceptus mentis significantur ita, quod conceptus primo naturaliter significat aliquid et secundario vox significat illud idem... Ein solch gedachter Begriff, den Ockham auch 'terminus conceptus' nennt, wird definiert als "intentio seu passio animae",13 also eine 'Gestimmtheit oder Getroffenheit der Seele',14 welche jeglicher sprachlichen Setzung vorausgeht und niemals durch Übereinkunft seine Bedeutung ändert.15 Später ging Ockham im Zuge seiner Argumentationslinie sogar soweit, diesen Zustand der Seele mit dem Erkenntnisakt selbst gleichzusetzen,16 um schließlich im Prolog seines berühmten Sentenzenkommentars zu erklären, daß eine solch intuitive Erkenntnis (notitia intuitiva) Beginn jeglicher wissenschaftlicher Erkenntnis (notitia scientifica) sei.17 Ockham fand unter dieser Voraussetzung eine Lösungsmöglichkeit für das Universalienproblem der Hochscholastik, indem er die Individualität jedes Existierenden als einen Basissatz ins Zentrum seiner Darlegungen rückte. Aus diesem Grunde schien mir die Frage gerechtfertigt, ob wir damit nicht auch die Begeisterung als Ausprägung einer intuitiven und individuellen Erkenntnis betrachten sollten, welche es uns ermöglichen könnte, eine ursächliche Zugangsvoraussetzung für wissenschaftliche Betätigung herzuleiten. 5. Mit sehr deutlichen Worten wandte sich jedoch kein Geringerer als Georg Wilhelm Friedrich Hegel gegen die Auffassung, man könne Begeisterung für die Wissenschaft in dieser Form nutzbar machen. In seiner Vorrede zur Phänomenologie des Geistes bezeichnete er die Begeisterung buchstäblich als "Unmethode",18 welche im Gegensatz zu einer Wissenschaftlichkeit, die er selbst als im steten Werden begriffen empfand, durch eine absolute Setzung gekennzeichnet sei, die sich auf andersartige Standpunkte entweder gar nicht, oder nur sehr ungenügend einlasse.19 Die fortwährende Reflexion stellt er weit über jeden Impuls, das erarbeitete Wissen höher als jedes intuitive Wissen. Die Art und Weise allerdings, wie Hegel versuchte, die Bedeutung der Intuition für die Wissenschaft herunterzuspielen, ist jedoch ein klarer Hinweis darauf, daß er sich bei aller Souveränität dennoch zu einer gewissen 13 Ibid., SL I, 1, 2, p. 16. 14 Meine etwas freie Übertragung. Imbach übersetzt hier: "Eine Intention oder ein Eindruck in der Seele". Ibid., p. 17. 15 Ibid., SL I, 1, 5, p. 20. 16 Ibid., SL I, 12, 3-5, p. 58. 17 Ibid., Scriptum seu Reportatio in IV libros Sententiarum, Prologus 1, 1, 25, p. 150. 18 Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Werke in zwanzig Bänden, ed. Eva Moldenhauer / Karl M. Michel, Frankfurt am Main 1970, Phänomenologie des Geistes, Bd. 3, p. 48. 19 Ibid., p. 31. 16 Abwehrhaltung genötigt sah. Trotz seiner harschen Kritik kann auch er die Begeisterung nicht einfach als irrelevant abtun, sondern muß sie als Phänomen respektieren und ernstnehmen. Das deutlich spürbare Unbehagen indes, welches er gegenüber einer scheinbar so subjektiven Komponente wie der Begeisterung zweifellos empfunden hat, ist bis heute ein charakteristisches Kennzeichen vieler deutscher Geisteswissenschaftler und Philosophen geblieben.20 Die meisten Ingenieur- und Naturwissenschaftler hingegen sind dieser ablehnenden Haltung durchaus nicht gefolgt: So bekräftigte beispielsweise der österreichische Physiker Ernst Mach die Intuition als Beginn jeglicher wissenschaftlicher Erkenntnis, und zwar in einer Form, die in diesem Fall völlig der Linie Ockhams entsprochen haben dürfte.21 In einem besonders scharfen Gegensatz zu Hegel hatte zudem bereits Sören Kierkegaard die Forderung aufgestellt, bei aller Objektivität des Denkens nicht die konkrete subjektive Existenz des Denkenden selbst zu vergessen.22 Man müsse sich vielmehr erst einmal über die existentielle Grundlage jeglichen Daseins und Denkens klar sein, bevor man anfangen könne, sub specie aeternitatis zu abstrahieren. Es sei demzufolge die zentrale Lebensaufgabe des Menschen, sich bewußt zu der aus Zeitlichem und Ewigen bestehenden Synthese seines Seins zu verhalten. Als Teil dieser Hinwendung galt Kierkegaard die innere Leidenschaft und Begeisterung des denkenden Subjekts.23 Ich möchte dieser Argumentation insofern folgen, als ich zugebe, daß eben jene Kategorie der Begeisterung, welcher ich mich wissenschaftlich objektiv zu nähern versuche, unmittelbar mit meiner eigenen subjektiven Begeisterung für dieses Projekt verbunden ist, so daß es meine Aufgabe sein wird, mich selbst zu dieser Synthese der Begeisterung zu verhalten. 6. So ermahnt, können wir nunmehr als letzte theoretische Vorüberlegung den Gedanken von Charles S. Peirce über die Notwendigkeit wissenschaftlicher Hypothesenbildung aufgreifen, die man als dritten entscheidenden Schlußmodus neben Induktion und Deduktion später Abduktion genannt hat.24 Im Gegensatz zur Induktion, die aus dem resultativen Zusammenhang 20 Diese Grundtendenz wird speziell im Rahmen der stets neu aufflammenden Diskussion um Wesen und Werte nationalsozialistischer Herrschaftsstrukturen immer wieder deutlich. 21 Ernst Mach: Erkenntnis und Irrtum, Leipzig 19062, p. 315. 22 Sören Kierkegaard: Abschließende Unwissenschaftliche Nachschrift zu den Philosophischen Brocken, 2 vols., Düsseldorf / Köln 1957-1958, Zweiter Teil, p. 1. 23 Ich denke hier neben dem oben angeführten Werk besonders an die Flugschriftenreihe: Der Augenblick, wo in komprimierter Form all das zum Ausdruck kam, wofür er als Christ sein ganzes Leben lang so leidenschaftlich gekämpft hatte. Vgl. Sören Kierkegaard: Der Augenblick, Düsseldorf / Köln 1959. 24 Ich wurde in diesem Zusammenhang noch auf folgenden Sachverhalt hingewiesen: Bei Aristoteles ist Abduktion (apagwgh) ein Verfahren, bei dem aus aus einem Satz, der sich evtl. logischer Beurteilung widersetzt, ein anderer Satz abgeleitet wird. Eine Negation dieses Satzes würde dann die Aufhebung des ursprünglichen Satzes bewirken. Vgl. Aristotle: Prior Analytics, ed. Robin Smith, Indianapolis / Cambridge 17 von Einzelfällen Gesetzmäßigkeiten und Axiome ableitet, oder zur Deduktion, welche anhand von Regel und Einzelfall zur conclusio gelangt, konkretisiert die Abduktion den folgenden Dreischritt: "(I) Es wird ein Phänomen B beobachtet. (II) Falls nun die allgemeine Prämisse A® B gilt, läßt sich B erklären. (III) Also vermutlich A."25 Peirce bezog diese drei Modi wie folgt auf die Strukturelemente des Denkprozesses:26 a. Die Induktion sei das habituelle Element des Denkens, weil jedes Vertrauen in gesetzmäßige Regelmechanismen zunächst auf Gewohnheiten beruhe. b. Die Deduktion sei das willentliche Element des Denkens, weil es hier vorrangig um die logische Aufmerksamkeit in Form der Beweisführung gehe. c. Die Hypothese sei das sinnliche Element des Denkens, weil es in diesem Fall auf die von ihr ausgelöste emotionale Stimulation hauptsächlich ankäme. Es ließe sich nun sicher sehr kontrovers darüber diskutieren, ob eine solche Art der Applikation von schlußfolgernden Methoden auf individuelle Denkprozesse den tatsächlichen Gegebenheiten entspricht oder nicht. Viel entscheidender scheint mir jedoch folgender Tatbestand zu sein: Mit einem solchen Konzept, wie Peirce es vorschlägt, gewinnen wir tatsächlich eine Erweiterung der Erkenntnis durch die präzise Fassung eines für die Untersuchung vorliegenden konkreten Einzelfalls, ohne dabei gleich eine Gesetzmäßigkeit postulieren zu müssen. Die im Rahmen einer jeden Hypothesenbildung entscheidend wichtige Frage: 'Was ist hier der Fall?' könnte somit im Kern immer durch ein tendenziell eindeutiges Ergebnis beantwortet werden. 7. Unter Nutzung der von Peirce erarbeiteten Konzeption werde ich nunmehr meinen eigenen triadischen Strukturplan für die vorliegende Arbeit im einzelnen zu erläutern haben. Ich werde dabei allerdings zwei Prämissen voraussetzen müssen; zum einen, daß Wissenschaft strukturell betrachtet aus Datenerhebung, Datenauswertung, und Datendiskussion besteht27; und 1989, 69 a, B25, p. 100/101: "For example, let A be teachable, B stand for science, and C justice. That science is teachable, then, is obvious, but it is unclear whether virtue is a science. If therefore, BC is equally convincing as AC, or more so, it is a leading away [apagwgh]". In der Tat hat Peirce also seine Theorie der Abduktion aus diesen Überlegungen des Aristoteles geschöpft. 25 Historisches Wörterbuch der Philosophie, ed. Joachim Ritter, Darmstadt 1971, Bd. 1, p. 4. Vgl. dazu auch den Aufsatz von Peirce: "Deduction, Induction, and Hypothesis", in: The Essential Peirce. Selected Philosophical Writings 1 (1867-1893), ed. Nathan Houser/ Christian Kloesel, Bloomington / Indianapolis 1992, p. 186-199; und den dtv-Atlas zur Philosophie, ed. Peter Kunzmann / Franz-Peter Burkard / Franz Wiedemann, München 1991, p. 172 / 173. 26 Peirce, p. 198 / 199. 27 Die meisten wissenssoziologischen Erklärungsversuche des Phänomens 'Wissenschaft' greifen nämlich schon deshalb zu kurz, weil die Institution an sich noch nicht den Inhalt des Forschens angibt, sondern nur den Rahmen. Andererseits erscheinen mir auch rein ideelle Bestimmungstendenzen hegelianischen Zuschnitts 18 zum anderen, daß Induktion, Deduktion, und Abduktion als drei gleichwertige wissenschaftliche Arbeitsweisen gelten können. Den Anfang soll hierbei der induktive Zugriff machen: Aus der Fülle des gesammelten Datenmaterials sind diesbezüglich eigene Beobachtungen und im Vorfeld gewonnene Resultate heranzuziehen, um daraus als Zugangsvoraussetzung einen bestimmten methodischen Sezierschnitt durch den Untersuchungsgegenstand vorzunehmen. Dies sei Datenerhebung mit der Festlegung einer Methodik. Das vorhandene Datenmaterial ist anschließend deduktiv auszuwerten, indem einzelne Texte oder Textpassagen mit Hilfe der bereits erarbeiteten Methodik analysiert werden: So gewinnt man ein bestimmtes Resultat mit definitorischer Kraft. Dies sei Datenauswertung mit der Festlegung eines Beweises. Schlußendlich wird das Resultat der dargelegten Beweise abduktiv mit der anzuwendenden Methodik in Verbindung gebracht, um daraus die konkrete Basisgrundlage für die Untersuchung als Einzelfall zu konstatieren. Dies sei Datendiskussion mit der Festlegung einer These. Eine solche Schluß- oder Hauptthese steht nun wiederum dem induktiven Sammelprozeß anderer Forscher zur Verfügung, und vermag so die ewige Spirale der Wissenschaft weiter hinauf (oder hinunter) zu schrauben. Eine konsistente Durchführung dieses Planes erfordert im einzelnen die beiden nachfolgend aufgeführten Arbeitsschritte: Ich untersuche in den beiden ersten Kapiteln zunächst einmal, wie sich Begeisterung bei Emerson und James unter steter Berücksichtigung des gesamten als signifikant einzustufenden Quellenmaterials konkret darstellt. Nur so lassen sich Inhalt, Bedeutung, und konstruktive Funktion der Begeisterung bei Emerson und James in gewinnbringendem Maße empirisch untersuchen, wobei ich es mir zur Regel gemacht habe, daß bei allen Auswertungen der jeweilige Kontext keinesfalls verletzt werden darf.28 Die letztlich als nicht ausreichend konkret genug, um mit ihnen eine verbindliche Abgrenzung wissenschaftlicher Betätigungen vornehmen zu können. Ich verweise daher zunächst einmal auf formale Definitionen, nach denen man Wissenschaft als universelle Abstraktionsleistung auffassen kann, welche sich anhand eines kulturhistorisch faßbaren Prozesses in steter Wechselbeziehung zu staatlichen und gesellschaftlichen Kräften manifestiert. Vgl. ergänzend die Aufsätze von Hans F. Zacher: "Die Internationalität der Forschung. Vorbereitendes Papier zum Ringberg-Symposium", und Jürgen Mittelstraß: "Zur Internationalität der geisteswissenschaftlichen Forschung", in: Max-Planck-Gesellschaft. Berichte und Mitteilungen. Heft 1/97, ed. Uwe Opolka, München 1997, p. 20; bzw. p. 170/171. Bezüglich der inhaltlichen Bestimmung dessen, was Wissenschaft im Kern ausmacht, möchte ich als vier wesentliche Bedingungen diese nennen: 1. Auffindung neuer Tatsachen. 2. Einordnung dieser Tatsachen in ein geregeltes Bezugssystem unter Wahrung der logischen Kohärenz. 3. Präsentation einer Lösung für die angesprochenen Problemfelder in Anpassung der Erkenntnisse an die Einsichten eines bestimmten historischen Stadiums. 4. Schaffung von Möglichkeiten zur Überprüfung der dargelegten Theorie. Siehe zu diesem Themenkomplex ganz besonders die folgenden Autoren und Werke: Imre Lakatos: "Falsification and the Methodology of Scientific Research Programmes", in: Lakatos / Musgrave, p. 91-195; Werner Heisenberg: Physik und Philosophie, Stuttgart 1959; Thomas S. Kuhn: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen, Frankfurt am Main 198910; Paul K. Feyerabend: Wider den Methodenzwang, Frankfurt am Main 1986; sowie Ludwik Fleck: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache, Frankfurt am Main 1989 (1934). 28 Es schien mir jedoch eine berechtigte Forderung zu sein, neben der rein kontextuellen Interpretationsweise die Quellen auch dergestalt auszuwerten, daß gewissermaßen überzeitliche thematische 19 Beweisführung hat sich zudem immer am vorliegenden Material zu orientieren. Diejenigen Differenzen, welche sich aus dem unaufgelösten Spannungsverhältnis zwischen Quellen und Sekundärliteratur ergeben, sollen dokumentiert und mit aller Sorgfalt auf ihre Signifikanz hin geprüft werden, da es ja in der Tat oft so ist, daß gerade solche Abweichungen die prozessualen Erkenntnisfortschritte günstig im Hinblick auf eine Modifikation der Hauptthese beeinflussen. Daran anknüpfend werde ich im dritten Kapitel sowohl die Ursprünge als auch den aktuellen Forschungsstand des Phänomens Begeisterung darlegen. Denn erst nachdem die Beantwortung der Frage, wie sich Begeisterung bei Emerson und James faktisch darstellt, zufriedenstellend geleistet ist, darf ein Vergleich zur modernen, interdisziplinär zu erfassenden Konzeption dieses Begriffes vorgenommen werden, damit wir nicht einfach die Terminologie des 20. Jahrhunderts auf die historischen Begriffsfelder einer anderen Zeit übertragen. In Kapitel Vier wird es zum Abschluß darum gehen, in stetem Zusammenhang mit anderen Forschungsergebnissen eine Überprüfung aller bislang gewonnenen Einsichten und Ergebnisse vorzunehmen, um so einen abgesicherten systematischen Bezug zu den Kernaussagen beider Denker zu gewinnen. Je nach der Maßgabe des Stellenwertes, den wir der Begeisterung für Emerson und James daraufhin zugestanden haben, müssen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur heutigen Zeit festgestellt, ihre Zusammenhänge analysiert, sowie die vorgelegten Resultate diskutiert werden. Damit käme man zu einem doppelten Ergebnis einer Akzentuierung der Begeisterung im historischen und - als positiven Nebeneffekt - auch im zeitgenössisch-modernen Kontext. Nach dergestaltiger Offenlegung aller für das Projekt erforderlichen formalen und wissenschaftstheoretischen Voraussetzungen können wir nun mit der Erörterung über die Begeisterung bei Ralph Waldo Emerson und William James beginnen. Verbindungslinien wie beispielsweise ein zu erkennendes philosophisches Grundmuster als Stimulans für eine sich literarisch konstituierende Befindlichkeit zu ihrem Recht käme, um so womöglich neuartige Erklärungsmöglichkeiten aufzufinden. Diese können sich allerdings nur dann als legitimiert ausweisen, wenn der Text selbst Hinweise oder wenigstens Anhaltspunkte dafür liefert. Man möge hierzu den Aufsatz von Olaf Hansen: "Melvilles skeptischer Gnostizismus", in: Dieter Meindl / Friedrich Horlacher (ed.): Mythos und Aufklärung in der amerikanischen Literatur, Erlangen 1985 (Erlanger Forschungen, Reihe A Geisteswissenschaften 38), p. 177- 193, als beispielhaft heranziehen. 20
Dieses Produkt haben wir gerade leider nicht auf Lager.
ab 33,99 €
Derzeit nicht verfügbar
Derzeit nicht verfügbar

Handgeprüfte Gebrauchtware

Bis zu 50 % günstiger als neu

Der Umwelt zuliebe

Technische Daten


Erscheinungsdatum
02.12.1998
Sprache
Deutsch
EAN
9783928973458
Herausgeber
GCA
Serien- oder Bandtitel
Forschen und Wissen - Kulturgeschichte
Sonderedition
Nein
Autor
Alexander Kurz
Seitenanzahl
270
Einbandart
Broschiert
Buch Untertitel
Ralph Waldo Emerson und William James
Schlagwörter
Begeisterung, Ralph Waldo Emerson, William James
Thema-Inhalt
NHTB - Sozial- und Kulturgeschichte
Höhe
210 mm
Breite
14.8 cm
-.-
Leider noch keine Bewertungen
Leider noch keine Bewertungen
Schreib die erste Bewertung für dieses Produkt!
Wenn du eine Bewertung für dieses Produkt schreibst, hilfst du allen Kund:innen, die noch überlegen, ob sie das Produkt kaufen wollen. Vielen Dank, dass du mitmachst!