Aus alt mach neu - ein Hollywood-Trend, der nicht abreißen will. Nach "Star Trek" und "Lost In Space" wurde nun mit "Mein Onkel vom Mars" eine weitere Science-fiction-Fersehserie der 60er Jahre für die große Leinwand adaptiert. Christopher Lloyd muß in der einst von Ray Walston gespielten Titelrolle des liebenswerten Außerirdischen allerdings nicht zurück in die Zukunft, sondern auf seinen Heimatplanten Mars gelangen. "Dumm und Dümmer"-Spezialist Jeff Daniels mimt den Erdling, der dem exzentrischen Außerirdischen bei dieser Mission behilflich ist. In erster Linie peilt die mit Spezialeffekten im Stile von "Men In Black" aufgepeppte Disneykomödie Babyboomer im Nostalgiefieber und ein sehr junges Publikum an. Am amerikanischen Boxoffice geht die Rechnung zumindest bedingt auf.
Der arbeitslose TV-Journalist Tim O'Hara traut seinen Augen nicht, als er Zeuge einer Ufo-Bruchlandung wird. Der gestrandete Außerirdische nimmt alsbald menschliche Form, abgesehen von zwei einfahrbaren Kopfantennen, an und quartiert sich ungebetener Weise beim nichtsahnenden Tim ein. Nach kurzer, jedoch turbulenter Kennenlernphase werden die beiden zu besten Freunden, und es gilt das Raumschiff von "Onkel Martin" zu reparieren, damit er nach Hause zurückkehren kann. Als hinderlich erweisen sich dabei schwarzgekleidete Sicherheitsbeamten, was in einer unterhaltsam-actionreichen Fluchtfahrt der beiden auf Miniaturformat geschrumpften Häscher durchs Kanalisationssystem gipfelt, die in einer Toilette mit ekliger Zugabe endet. Während sich Onkel Martin zwar auch für die Damenwelt interessiert und ihm ein kurzer Flirt mit einer Nachbarin gegönnt wird, ist es Tim, der gleich von zwei Damen umschwirrt wird: von der braven Kamerafrau Lizzie (unscheinbar: Daryl Hannah) und der biestigen Fersehmoderatorin Brace (Elizabeth Hurley ist sich nicht zu schade, in die Rolle der unsympathischen Quenglerin zu schlüpfen), die sich tatsächlich lediglich für seine Videoaufnahmen des marsianischen "Verwandten" interessiert.
Regisseur Donald Petrie ("Der dritte Frühling") inszenierte den slapstickangereicherten Spaß im Stile einer ausgedehnten Sitcom mit beachtlich gelungenen Effekten. So kommt man vor allem in den Genuß von Martins silbernem Raumanzug Zoot, der spricht, schäkert, das Tanz(hosen)bein schwingt und dem in der Sidekick-Rolle die besten Onelinern auf den, ähem, Leib geschrieben wurden. In der Slapstick-Abteilung wird Tim kurzfristig mit marsianischen Fangarmen ausgestattet, und Onkel Martin fällt aufgrund einer Depression buchstäblich auseinander. Des weiteren wartet diese familienfreundliche Adaption mit den üblichen Komödien- und Actionelementen auf, die allesamt durchaus Unterhaltungspotential besitzen. Fraglich ist nur, inwiefern sich dieser Besucher vom Mars gegen die Starpower-Schwergewichte made in Hollywood durchsetzen können wird, wenn er im Frühsommer u. a. gegen Robert De Niro in "Reine Nervensache" und "Die Mumie" antritt. ara.
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