Versatzstรผcke des westlichen Genrekinos, die man bei uns nicht unbedingt so ohne weiteres in Verbindung brรคchte, feiern ein รผberraschend stimmiges Stelldichein in Yoshiaki Kawajiris Endzeit-Vampirwestern im Zeichentrickformat.
Japanische Animationsfilme, im TV lรคngst zentraler Baustein sogenannter Vollprogramme, hatten es in deutschen Kinos in der Vergangenheit nicht immer leicht - sowohl bei den Besuchern wie beim Feuilleton. Das scheint sich zu zu รคndern, seit Vox, MTV, VIVA & Co. die Skaterjugend mit anspruchsvollen Prime-Time-Serien japanisieren und einer wie Hayao Miyazaki ("Princess Mononoke", "Spirited Away") mittlerweile fรผr Berliner Bรคren gut ist. "Vampire Hunter D", die Neuauflage eines Erfolgsmodells aus dem Jahr 1985, ist zwar kein Fall fรผr's elitรคre Cineastenzirkel, ragt mit Stil, geschliffener Technik und Charaktertiefe aber auch ein gutes Stรผck aus dem รผblichen Tentakelmonster/Schulmรคdchen-Actioneintopf heraus.
Die Welt in ein paar tausend Jahren. Vampire beherrschen die Nacht, doch ist ihre Zahl im Schwinden begriffen, seit angelockt von mรคchtigen Prรคmien ganze Kopfgeldjรคgerbanden die Provinzen nach Blutsaugern durchforsten. Vampirjรคger D ist der erfolgreichste von allen, was unter anderem daran liegt, dass D รคhnlich wie sein Hollywoodkollege "Blade" selbst ein halber Vampir und mithin "Daywalker" ist. Von einem reichen Geschรคftsmann erhรคlt D den Auftrag, nach dessen entfรผhrter Tochter zu suchen, mutmaรlich ein Opfer von Ds altem Erzfeind Meyer Link. Auf der Suche nach dem Unhold kommen D nicht nur laufend konkurrierende Kopfgeldjรคger aller Preis- und Leistungsklassen in die Quere, er muss sich auch mit dem Umstand auseinander setzen, dass die Entfรผhrte keineswegs unfreiwillig an Meyers Seite weilt.
Fรผr mit der Materie Unvertraute ist der Stilmix ein Schock. Hammer-Gothic in Westernkulissen im Reisrand, "The Wild Bunch" wird geradewegs zitiert. Die Kopfgeldjรคger sind aus "Mad Max" entsprungen, der Titelheld aus einem Italowestern. Die einen wohnen im Schloร, die anderen auf der Farm, und der Oberbรถsewicht residiert in einem futuristischen Spiegelmonolith mit Hightech-Security. Regisseur Kawajiri ("Wicked City") interessieren nicht Logik oder Schwerkraft, einzig nach gepflegtem Horror-Entertainment steht ihm der Sinn. Und solches bekommt der geneigte Mangafreund reichlich geboten. Kein Fall fรผr die Kinocharts, aber eine bunt-schillernde (Glas-)Perle im sommerlichen Programmkino-Spielplan. ab.