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Kibbuz – Legende und Wirklichkeit

Nazeh Brik (Broschiert, Deutsch)

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Beschreibung
Der Kibbuz ist eine ländliche, „kollektive“ Gemeinschaftssied-lung, die im Zuge des zionistischen Kolonisierungsprozesses Palästinas ins Leben gerufen wurde. Der erste Kibbuz wurde schon vor 80 Jahren gegründet, d.h. vor der Staatsgründung Isra-els 1948 in Palästina. Heute existieren im Lande ca. 270 solcher Siedlungen mit rd. 127.000 Einwohnern. Während andere Gemeinschaftssiedlungen in der Welt am Rande der Gesellschaft blieben, ist der Kibbuz keine einsame Insel in der Gesellschaft Israels, sondern mit ihr in allen Formen – poli-tisch, militärisch, ökonomisch und ideologisch – stark verbun-den: er ist untrennbar von ihr. In den letzten Jahren ist die palästinabezogene Literatur stark angewachsen; trotzdem sind noch viele Aspekte ungeklärt ge-blieben. Zu diesen noch offenen Themenkreisen zählt die Kib-buzfrage. Dies, obwohl noch keine Gemeinschaftssiedlung in der kapitalistischen „Welt so erforscht wurde wie der Kibbuz. Gera-de in Amerika und Westeuropa haben zahlreiche Sozialwissen-schaftler verschiedener Disziplinen – Soziologen, Pädagogen, Ökonomen, Psychologen – sich mit dem Thema „Kibbuz“ so intensiv beschäftigt, daß er in Literatur und Öffentlichkeit zu einem Mythos geworden ist. Dabei handelt es sich überwiegend um Tendenzschriften der zahlreichen, mit hohen Investitionen ausgestatteten Stiftungen zur Förderung von Kibbuzim und Moshavim. Sie vergeben Stipendien und Forschungsaufträge zur Herstellung von Publikationen, die bei Betonung einer „empiri-schen“ soziologischen oder pädagogischen Aufmachung doch das Interesse des Auftraggebers widerspiegeln. So wird die Kib-buzlegende von den Autoren gepflegt und verbreitet. Selbst in der fortschrittlichen Bewegung Westeuropas und links orientier-ter Wissenschaftler wird der Kibbuz unter dem Einfluß zionisti-schen Gedankenguts mit Begriffen wie „sozialistisch“, „demo-kratisch“, „klassenlose Kommune“ und „ohne Privateigentum“ glorifiziert. Diese Glorifizierung ist in zahlreichen Publikationen zu finden (siehe Literaturübersicht im Anschluß an das Vorwort). Im deutschsprachigen Raum existieren kaum kritische Analysen der Institutionen Kibbuzim/Moshavim. Diese Disproportionalität zwischen der zionistisch orientierten Kibbuzpropaganda auf der einen und der kritischen Forschung auf der anderen Seite ist symptomatisch für die gesamte literarische Aufarbeitung des Palästina/Israel-Komplexes. So wird eine Kibbuzmonographie aus nichtzionistischer Sicht im Angesicht der planmäßigen Le-gendenbildung und der weit verbreiteten Illusionen über die Kib-buzim immer dringlicher. Dieser Aufgabe habe ich mich gestellt, habe den heißen Stein angefaßt und versucht, das Kibbuz-Mythos aufzuschlüsseln, das in sich die Wurzeln aller Fragen verbirgt und sich tief in den zionistischen Kolonisierungsprozeß Palästinas schlägt. Der heiße Stein heißt: „Die Rolle des Kibbuz in der zionistischen Siedlungspolitik“. Ich selbst mußte als in Palästina geborener Araber auf den Fel-dern unseres von den Zionisten geraubten palästinensischen Bo-dens als Leiharbeiter arbeiten. In unmittelbarer Nähe von mei-nem Geburtsort befindet sich der Kibbuz Farod, der auf der Stel-le des palästinensischen Dorfes Faradih errichtet wurde. In der politischen Praxis nimmt die Palästinafrage eine zuneh-mend wachsende Bedeutung ein. Große Besorgnisse werden durch die neue große Einwanderungswelle nach Israel/Palästina durch sowjetische Juden ausgelöst. Die Hintergründe dieser neu-en „Alija“ werden in einem Nachwort von Karam KHELLA, be-kannt durch seine verschiedenen Publikationen zur Palästina- und Zionismus/Imperialismus-Frage, analysiert. Das Thema meines Buches zu Kibbuzim, Siedlerkolonialismus und seinen raumplanerischen Strukturen erlangt dadurch beängstigende Ak-tualität. Januar 1991 Nazeh Brik
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Technische Daten


Erscheinungsdatum
01.01.1991
Sprache
Deutsch
EAN
9783921866436
Herausgeber
Theorie u. Praxis
Sonderedition
Nein
Autor
Nazeh Brik
Seitenanzahl
189
Auflage
2
Einbandart
Broschiert
Buch Untertitel
Die Rolle des Kibbuz im zionistischen Kolonisierungsprozess
Schlagwörter
Kibbuz, Palästina, Israel
Thema-Inhalt
JPH - Politische Strukturen und Prozesse JPW - Politischer Aktivismus / Politisches Engagement NHQ - Geschichte anderer geographischer Gruppierungen und Regionen JPV - Politische Kontrolle, Propaganda und Freiheitsrechte RPG - Ländliche Planung und Politik
Höhe
210 mm
Breite
1.8 cm
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