Alle Bewertungen, die wir veröffentlichen, wurden von echten rebuy Nutzer:innen geschrieben.
★★★★★
☆☆☆☆☆
Orpheus und Eurydike
Petra B. - Bewertet am 22.12.2021
Zustand: Exzellent
Das Cover ist mit der jungen Frau passend für diesen Roman gestaltet.
Der Schreibstil liest sich leicht verständlich und angenehm flüssig.
Kasper liebt seine Frau Birgit. Doch sie zieht sich immer mehr von ihm zurück und er resigniert. Als er sie eines Tages tot auffindet, ist er wie… betäubt. Seine Trauerbewältigung gestaltet sich schwierig. Bei Sichtung ihres Nachlasses kommen ungeahnte Dinge über seine Frau zum Vorschein.
Dieses Buch enthält eine Liebeserklärung von Kaspar an seine tote Frau. Er reflektiert seine Ehe mit ihr und erfährt, dass sich ihrer beiden Sichtweisen in Bezug auf Ihr gemeinsames Leben nicht gleichen. Kaspar begibt sich auf Reise in Birgits Vergangenheit.
Der Roman zeigt auf, dass man nicht alles über seinen Partner wissen kann. Das macht einen schon sehr nachdenklich. Aber eine Beziehung besteht eben aus Vertrauen.
Fazit:
Anrührende Geschichte über eine sensible Beziehung!
Hat dir die Bewertung geholfen?
★★★★★
☆☆☆☆☆
Wo die Liebe hinfällt
Edith S. - Bewertet am 28.11.2021
Zustand: Sehr gut
Als sich Birgit und Kaspar in einander verlieben, ist Deutschland noch getrennt, Birgit lebt im Osten, Kaspar im Westen. Der Liebe wegen würde Kaspar nach Ostdeutschland ziehen, Birgit möchte dass aber nicht und somit plant Kaspar ihre Flucht. Sie heiraten, aber Birgit findet nicht ihren Frieden.… Sie probiert sich in vielen Dingen aus und wird Alkoholabhängig. Trotz aller Missstände liebt Kaspar sie immer und steht stets zu ihr.
Erst als Birgit stirbt und Kaspar ihre Aufzeichnungen liest, merkt er, was sie alles aufgeben musste. Für ihn.
Birgit hat in der DDR eine Tochter hinterlassen und in den Aufzeichnungen schreibt sie davon sie zu finden. Kaspar macht sich auf die Suche. Er findet nicht nur die Tochter, sondern auch die Enkelin. Doch wer an ein liebes Mädchen denkt, denkt falsch. Zu sehr steht sie unter dem Einfluss der Eltern, die einer "Völkischen Gemeinschaft" angehören.
In diesem Buch hat mich mit dem Denken und Fühlen der ehemaligen Ostdeutschen sehr überrascht. Ich habe überlegt: wie bin ich selbst mit ihnen umgegangen? Habe ich ihnen auch das Gefühl des "nur geduldet" gegeben? Auch die völkische Gemeinschaft - habe ich schon gehört - gibt es wirklich.
Ich kann mir nur wage vorstellen was Kaspar gefühlt hat, hin- und hergerissen zwischen den Gefühlen für die Enkelin und dem Widerwillen gegen deren Ansichten.
Dieses Buch regt zum Nachdenken, fühlt sich nicht wie eine erfundene Geschichte an.
Hat dir die Bewertung geholfen?
★★★★★
☆☆☆☆☆
Bewegend
Cornelia P. - Bewertet am 30.10.2021
Zustand: Exzellent
Mir war der Auor bereits bekannt, ich war schon von seinem Buch "der Vorleser" begeistert! Und irgendwie habe ich es in letzter Zeit immer geschafft, Bücher bei vorablesen zu gewinnen, die mich wirklich zum Nachdenken bringen und sehr tiefgründig sind. Der gleiche Fall ist auch hier eingetreten.
… Geteilt ist das Buch in drei Teile - Kaspar Geschichte, Birgits Geschichte und die gemeinsame Geschichte von Kaspar und der Enkelin. Die Hauptcharaktere sind alle sehr nachvollziehbar und authentisch geschrieben. Sie haben ihre inneren Konflikte zu bewältigen, aber das macht sie nur umso interessanter und das Buch umso bewegender. Es ist eine Geschichte über eine Zeit, die bis heute sehr große Spuren hinterlassen hat und die Frage aufwirft, wie man damit umgehen soll bzw. wie heute damit umgegangen wird (Thema rechtsradikales/Querdenken)- in jeder Generation.
Eine gang große Empfehlung meinerseits!
Hat dir die Bewertung geholfen?
★★★★★
☆☆☆☆☆
Mir leider zu dünne
Michaela R. - Bewertet am 29.10.2021
Zustand: Exzellent
Kaspar und Birgit sind seit mehr als 20-25 Jahren verheiratet. Sie ist damals aus dem Osten zu ihm in den Westen geflohen. Rückblickend ist fraglich wie nah und vertraut ihr Ehe wirklich war. Nach dem Tod Birgits findet Kaspar umfangreiche Aufzeichnungen, Tagebuch- und Romanfragmente aus denen er… erfährt, dass Birgit im Osten ein Kind zurück gelassen hat. Er begibt sich auf die Suche – nach der ihm unbekannten Birgit, ihrer Tochter Svenja und findet dabei seine Enkelin Sigrun.
Das erste Drittel des Romans, in welchem Birgit in Romanfragmenten ihr Leben in der DDR, das Kennenlernen von Kaspar sowie Weg und Ankunft im Westen beschreibt, bildet den starken Teil dieses Buches. Die Innenansicht einer zutiefst zerrissenen und von Zweifeln getriebenen Frau wird beeindruckend empathisch beschrieben. Hier hat mich die Geschichte mitgerissen.
Dann allerdings verfällt der Autor in ein schablonenhaftes Geschreibe: Die Figur von Kaspar bleibt unglaublich eindimensional. Kein Wort verliert er rückblickend über seine Ehe zu Birgit, ihre doch augenscheinliche Unstetigkeit und Getriebenheit. An keiner Stelle bringt er ihr Leben in der DDR in Verbindung mit ihrem offensichtlich unerfüllten Leben im Westen. Als Leserin habe ich mich mehrmals gefragt, was für ein Mann das denn ist, der über Jahrzehnte nicht merkt oder wahrhaben will, wie unglücklich seine Frau ist. Er scheint sich einfach damit arrangiert zu haben.
Zudem findet sich in meinen Augen kein überzeugendes Motiv, warum Kaspar sich nach Birgits Tod so stark in die Familie von Svenja und Sigrun involvieren möchte. Wirklich krass und absolut unglaubwürdig fand ich, wie schnell die Eltern Sigruns sie allein und gleich für mehrere Tage haben zu Kaspar reisen lassen.
Und Kaspars unsägliche Versuche allein durch Kunst, Musik und Kultur Sigrun politisch zu bekehren – oh come on, wie realistisch ist das denn? Zumal die Figur der 14(?)jährige Sigrun hier unterschiedlich glaubwürdig agiert bzw. reagiert. Habe mich gefragt, ob und wann der Autor sich das letzte Mal mit jungen Menschen in diesem Alter unterhalten hat, Sigruns Sprache wirkt jedenfalls nicht authentisch (und damit meine ich noch nicht einmal ihren völkischen Spracheinschlag). Jedenfalls ist mir dieser Ansatz einfach zu simpel gestrickt, eine verquere Lösungsstrategie eines bildungsbürgerlichen Altherren.
Nach dem ersten starken Drittel, der Perspektive von Birgits, wäre es eine so viel spannendere Geschichte gewesen, anschließend aus der Sichtweise von jeweils Svenja und Sigrun über deren Lebenswege zu lesen.
Mein Fazit: Nach einem starken und beeindruckenden Start kann der Rest des Buches nicht überzeugen. Zu viele (schlechte) Klischees, eine wiederholt nicht plausible Dramaturgie und unsympathische unterkomplexe Figuren haben mich extrem genervt.
Hat dir die Bewertung geholfen?
★★★★★
☆☆☆☆☆
Tolles Buch!
Julia P. - Bewertet am 19.10.2021
Zustand: Exzellent
Die Zerrissenheit Deutschlands von Wirtschaftswunder und Wende, politischen Wirren und stabilen Familien spiegelt sich in dem Roman „Die Enkelin“ von Bernhard Schlink in drei Generationen wider. Dennoch ist es kein normaler Generationenroman, der auf plumpe Weise vom Leben erzählt – man bemerkt auf… eine subtile Art, wie sich die Charaktere gegenseitig beeinflussen, gegeneinander aufbegehren und dennoch einen ähnlichen Kern haben. In leichter, aber kunstvoller Sprache führt Bernhard Schlink in drei Teilen durch drei Geschichten von drei Frauen. Die Welten, in die man eintaucht, sind auffällig gut recherchiert.
Der Protagonist, der Buchhändler Kaspar, ist wahnsinnig gut gezeichnet. Seine Unsicherheit ist so nachvollziehbar – er ist zerrissen zwischen seinem Denken und Handeln, zwischen politischen Fronten, Gegenwart und Vergangenheit. Auch die anderen Charaktere zeichnet Bernhard Schlink nachvollziehbar. Man kann sich in alle hineinfühlen. Bei so mancher Entscheidung zerreißt es einem das Herz.
Fazit: Lieblingsbuch-Potential!