Das Original "Ein Schweinchen namens Babe" um ein sprechendes "Schäfer"-Schweinchen von 1995 erwies sich mit einem weltweiten Einspiel von über 250 Mio. Dollar als Sleeperhit so saftig wie ein Schinken, so daß die Erwartungen in das Sequel entsprechend hoch gesteckt waren. Das magere US-Startwochendergebnis von 4.9 Mio. Dollar setzte Universals Hoffnungen auf einen dringend notwendigen Hit jedoch einen empfindlichen Dämpfer auf. Für die Auswertung außerhalb der USA muß der Fehlstart des borstigen Publikumslieblings nicht unbedingt von Bedeutung sein. Denn obwohl George Miller den Ausflug Babes in die Großstadt deutlich surrealer und süffiger anlegte, versteht es diese kindgerechte Verbeugung vor Fellini ganz vorzüglich zu unterhalten.
Miller, der das Original produzierte und zuvor u. a. als Regisseur und Produzent für die postapokalyptische "Mad Max"-Reihe fungierte, verleiht Babes zweitem Kinoausflug einen eindeutig rauheren, aber auch Offbeat-typischen bizarr-innovativen Ton (und Look), der als gewöhnungsbedürftig empfunden werden könnte, aber doch nie von den einmal mehr phänomenal auf die Leinwand gebannten Figuren ablenkt. Das niedliche Hausschwein mit Herz und süßem Stimmchen muß das idyllische Landleben mit einem harten Existenzkampf in einem modernen Metropolis - das sich aus Elementen von New York, San Francisco, Paris, Rio, Sydney und weiteren zusammensetzt - vertauschen, als Farmer Hoggett (James Cromwell) einen tragischen Unfall erleidet. Um die Farm vor der bevorstehenden Zwangsversteigerung zu retten, wollen sich Babe und die Bäuerin Esme (Martha Szubanski) bei einer Landwirtschaftsausstellung das nötige Geld verdienen. Doch als Babe am Anschlußflughafen unheilvolle Bekanntschaft mit einem übereifrigen Drogenschnüffelhund schließt, beginnt für Frau und Ferkel eine dramatische Odyssee. Gestrandet im urbanen Urwald finden die beiden im Flealands Hotel (ein hochgeschossenes viktorianisches Gebäude, daß der Addams Family gefallen könnte) Unterkunft, das als einzige Herberge der Stadt Haustiere erlaubt. Entgegen strenger Stadtgesetze wimmelt es von Hunden und Katzen, und eine Schimpansenfamilie und ein Orang Utan werden von einem unappetitlichen Clown (Mickey Rooney) gehalten. Von einer bösen Nachbarin alarmiert, stehen Tierfänger in Nazi-ähnlichen Uniformen auf der Matte, und sämtliche Vierbeiner und das Federvieh landen im Versuchslabor. Babe kann entkommen und mit seinem "guten und unerschüttlichen Herzen, die traurige Welt wieder richten" (O-Ton).
Autoritätspersonen wie Polizisten werden in unvorteilhaftem orwellschen Licht gezeichnet, während sich schweinsartig aussehende Menschen zweimal als Retter in der Not erweisen. Für kleine Kinder schwer zu verdauen ist womöglich eine Szene, in der eine Bulldogge von einer Brücke hängend langsam ertrinkt. Etwas weniger ausgedehnt hätte diese Szene ihren Zweck sicherlich auch erfüllt. Unvermindert liebenswert ist das famose Ferkelchen, und es gibt ein Wiedersehen mit Ferdinand, dem Gänserich und den drei singenden Mäusen, die vergnügt goldene Oldies von Edith Piaf und Dean Martin quietschen. Die echten und animatronischen Kreaturen sind erneut kaum voneinander zu unterscheiden. Visuell ist die Produktion mit surreal angehauchten Bauten und mit in tiefe Farben getauchten Bilder unter Millers Führung wesentlich ambitionierter ausgefallen als der Vorgänger. Cleverer Humor und dramatische Tragik gehen in diesem modernen Märchen um das beherzte Borstentier Hand in Hand. Und eine idealistische Botschaft wurde ebenfalls nicht vergessen, so daß ungeduldige "Babe"-Fans weltweit auch beim zweiten Mal richtig Schwein gehabt haben. ara.
Hersteller: Columbia Pictures, 10202 West Washington Boulevard, Culver City, Vereinigte Staaten von Amerika, CA 90232