Nachdem Woody Allen zuletzt mit seinem pseudobiographischen Künstlerporträt "Sweet And Lowdown" vergnügliche Verwirrung stiftete, erwartet seine deutschen Fans bereits acht Monate später ein komisches Nachbeben. In "Schmalspurganoven" trifft eine Gaunerkomödie auf "Pygmalion", und Wortwitz auf Situationskomik. Im Gesamtwerk des Stadtneurotikers wirkt das Ergebnis zwar wie Luftholen, ist aber kurzweilig genug, um die gewohnte Klientel zufrieden zu stellen.
Dass Allen sein Pulver an onelinern längst nicht verschossen hat, unterstreicht gleich zu Beginn eines seiner gewohnten Ehegefechte, in dem Tracey Ullman als Frau von Allens Tellerwäscher Ray verbales Gift unters Volk streut. Nach 25 Jahren träumt das Paar davon, seine marode Ehe in Miami wiederzubeleben. Das nötige Geld soll eine von Allens üblichen Schnapsideen einbringen, in die Ullman, in ihrer dritten Zusammenarbeit mit dem Regisseur, nur widerwillig einlenkt. Während Gattin Frenchy mit ihrem neu eröffneten Cookie-Laden für Tarnung sorgt, bohren sich Ray und seine Kumpel im Keller einen Tunnel zur nahe gelegenen Bank. Das Gefühl, in einem Roman von Donald E. Westlake gelandet zu sein, wird freilich abrupt beendet, als die Aktion jämmerlich scheitert, dafür aber Frenchies Cookies allen Beteiligten binnen eines Jahres Reichtum bringt. Mit dieser Zäsur mutiert die Gaunerkomödie zu einer Gegenüberstellung von Cheeseburger-Wunsch und Froschschenkel-Realität, die Allen tagtäglich quält, weil Frenchy unbedingt von der Park-Avenue-Szene akzeptiert werden will. Dabei erweist sich Allens Einfall, einen aalglatten britischen Kunsthändler (Hugh Grant, keinen Millimeter entfernt vom gewohnten Rollenimage) als berechnenden Henry Higgins einzuführen, als nur mäßig originell, und die finale Erkenntnis, dass Geld nicht glücklich macht, als erstaunlich moralisch und überdies abgenutzt. Übergroße Bedeutung beimessen muss man dem freilich nicht, was für diese Komödie insgesamt genauso gilt. "Schmalspurganoven" ist ein Zwischendurch-Allen: luftig-leicht, amüsant, aber wohl nicht mehr als eine Atempause vor einem nächsten, ungleich ambitionierten Projekt, das man dem 65-jährigen immer wieder zutrauen kann. Wie schon in "Sweet And Lowdown", als er mit Samantha Morton eine brillante Darstellerin aus dem Hut zauberte, gelingt Allen auch hier ein echter Coup. Komikerin und Drehbuchautorin Elaine May, als Regisseurin seit dem Desaster von "Ishtar" zur Ruhe gestellt, gelingt als Ullmans, in ihrer eigenen Dimension lebenden Cousine ein grandioses Comeback, das der 68-jährigen einbringen könnte, was ihre Tochter Jeannie Berlin mit Mays Neil-Simon-Adaption "Pferdewechsel in der Hochzeitsnacht" bereits 1972 erreichte: eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin des Jahres. kob.