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★★★★★
☆☆☆☆☆
Wenn keine andere Wahl als Pause bleibt
Laura S. - Bewertet am 25.06.2026
Zustand: Sehr gut
Ich bin durch das wirklich wunderschön gestaltete Cover an dem Buch hängen geblieben und habe der Geschichte dann eine Chance gegeben.
Hanna, Mitte 30, zieht nach einem heftigen Zusammenbruch wieder bei ihren Eltern ein - eine Zwangspause mit offener Dauer.
Das Buch nimmt uns mit durch die Krise der… Protagonistin und wir tauchen tief in die Familiendynamiken von Schweigen und Unverständnis in der Familie ein. Gleichzeitig schwingt da immer auch etwas feines und liebevolles mit und ich finde diese differenzierte Darstellung ist der Autorin sehr gut gelungen. Bei vielem konnte ich mitfühlen, wie z.B. in ganz spezielle Dynamiken zu rutschen, sobald man wieder im Elternhaus ist. Und neben all dem begleiten wir Hanna dabei, wie sie für sich sortiert, wie es eigentlich weitergehen kann und soll. Das Elternhaus scheint wie ein schwebender Ort zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen alten und aktuellen Träumen.
Alles in allem fand ich das Buch sehr rund und sehr emotional - ohne ins Dramatische zu rutschen.
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☆☆☆☆☆
Ohne Pause durchgelesen
Constanze G. - Bewertet am 31.05.2026
Zustand: Exzellent
Lena Kupke – mir als Stand-up-Comedienne bekannt – hat ein Buch geschrieben. Und das ist mal so gar nicht lustig.
Die 36-jährige Hanna zieht nach einem medizinschen Vorfall erstmal wieder bei ihren Eltern ein. Und muss dort feststellen, dass sich gar nicht so viel verändert hat.
Durchaus amüsant… stellt die Autorin die wahren Struggles von Millenials dar: alles wird gebügelt, man selbst fällt ins Teenageralter zurüpck (Kupke beschreibt es als „Verlust des erwachsenen Ichs“), das ständige Verstellen, Ignorieren von Konflikten, man verbirgt vor seinen Eltern nichts zu tun. All das werden wohl die allermeisten erwachsenen Kinder kennen und mit jeder Beschreibung fühlt man sich ein wenig mehr ertappt.
Der Schreibstil von Kupke ist leicht und flüssig zu lesen, doch oft hat sie mich mit ihrer Beschreibung tiefer Gefühle komplett umgehauen.
Es geht viel um die Beziehung zu den eigenen Eltern, die man als Erwachsene erstmals auch als selbstständige Menschen mit eigenen Persönlichkeiten erfährt und wie man mit dieser Veränderung umgeht und vielleicht auch daran wachsen kann.
Die medizinischen Vorfälle, die im Buch nie namentlich benannt werden, aber dennoch klar rüberkommen, belasten Hanna sehr. Sie würde gerne darüber reden, aber ihre Familie traut sich nicht, die Freundinnen leben lieber ihren Hot Girl Summer und auch ihren Freund Paul, der Hanna eigentlich unterstützen sollte, erleben wir nur über Telefonate und Nachrichten. Eine wandelnde Red Flag.
Dagegen ist Alexander ein Mann, der von einer Frau geschrieben wurde. Ein absoluter Traumtyp, der besser ist als wahr zu sein. Das macht es gleichzeitig schön zu lesen, aber leider auch ein bisschen unglaubwürdig.
Die erste Hälfte des Buches hat mir besser gefallen. Hanna ist am absoluten Tiefpunkt ihres Lebens angekommen und muss sich wieder zurück ins Leben kämpfen. Diese Gefühlswelt darzustellen gelingt Kupke wirklich meisterhaft.
Ich kann den Wunsch nach einem guten Ende für die Protagonistin nachvollziehen, doch mir war das Ende schon fast zu kitschig. Fast wie im Bilderbuch.
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☆☆☆☆☆
Ich habe gelacht, ich habe geweint, manchmal beides gleichze
Kerstin H. - Bewertet am 28.04.2026
Zustand: Exzellent
Ich habe gelacht, ich habe geweint, manchmal beides gleichzeitig, auf jeden Fall war ich absolut gefesselt von dieser wundervollen Geschichte, die so unfassbar gut vertont wurde und das von der Autorin höchst persönlich.
Auf jeden Fall habe ich jetzt erst mal Heimweh und Trennungsschmerz, weil ich… Hanna und ihre Familie vermisse. Ich hätte noch ewig hören können.
In „Pause“ erzählt Lena Kupke die Geschichte von Hanna die nach einem Zusammenbruch von ihren Eltern mangels Alternativen aus der Großstadt Berlin mit nach Hause ins kleine Lüneburg genommen wird, um dort – wie der Titel schon sagt – eine Pause einzulegen.
Dabei steht keine Spannungsgeladene Story im Fokus mit zig Wendungen und schnellen Sprüngen, sondern eine liebevolle, warmherzige Familie und Hannas Charakterentwicklung, die sich zu großen Teilen im Inneren vollzieht.
Kupkes Figuren sind nahbar und so realistisch direkt aus dem Leben gepflückt, dass ich beim Hören mehrmals Kopf schüttelnd pausieren musste, weil ich laut gerufen habe: „Wie bei uns!“
Ich weiß nicht, wie es Lena Kupke gelungen ist, aber ich habe das Gefühl sie hat in Teilen in der Dynamik meine Familie und mich nahezu perfekt eingefangen (mal abgesehen davon, dass ich keine Geschwister habe). Ich konnte mich beim Hören einfach so sehr in so viele Situationen hinein versetzen, dass es fast weh tat. Aber auch mal schön zu sehen, wie man einer Romanfigur zu ruft: Nun redet doch endlich mal mit einander! Und es im eigenen Leben auch nicht immer auf die Reihe bekommt.
Die Beziehungsdynamiken der Familienmitglieder sind stellenweise so schmerzhaft authentisch, die Ambivalenz der erwachsenen Protagonistin ihren Eltern gegenüber so realistisch geschildert, dass ich Gänsehaut hatte.
Und die Szene bei Ernstings Family mit dem aufgeschwatzten Kleid? 1:1 ich! Hilfe!
Hannas Geschichte ist tragisch, keine Frage und doch überwiegt ihre Tragik an keiner Stelle, wird auch nicht ins Lächerliche gezogen, sondern darf einfach existieren, ist da und bestimmt nicht ihr ganzes selbst. Das fand ich wundervoll, wie leise man einen so fundamentalen Einschnitt ins Leben erzählen kann, ihm Gewicht verleiht ohne ihn die Geschichte führen und dominieren zu lassen.
Zur Hörbuchversion: Dass Lena Kupke selber liest war die beste Entscheidung ever! Ehrlich es sollten mehr Autor:innen ihre Bücher selbst vertonen. Ich hatte das Gefühl meine beste Freundin erzählt mir ihre Lebensgeschichte und gleichzeitig als säße ich neben ihr bei ihren Eltern am Mittagstisch. Die Betonungen, den Slapstick mancher Situationen, die verschiedenen Figuren: Alles wurde ganz wunderbar eingefangen. Ich konnte wirklich nicht mehr aufhören zu hören und habe noch nie ein Hörbuch so schnell beendet wie dieses. Ohne es schneller laufen zu lassen wohlgemerkt!
Wenn mir ein Hörbuch gut gefällt neige ich dazu mit das ganze noch einmal als Buch zu kaufen um es selbst lesen zu können. Ein Hörbuch habe ich noch nie zweimal gehört. Hier freue ich mich schon darauf alles noch einmal zu hören, einfach weil es so so gut war.
Fazit: Ein wundervoller, leiser Roman über den langsamen Weg der Heilung, über Ankommen, sich finden ohne eine Lösung zu haben und über das Kind sein obwohl man erwachsen ist. Dazu wundervoll gelesen in der Hörbuch Version von der Autorin selbst. Eine ganz klare Empfehlung und mein bisheriges Jahreshighlight!