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★★★★★
☆☆☆☆☆
Genial!
Janina H. - Bewertet am 24.09.2025
Zustand: Exzellent
Dieses Büchlein hat es in sich. Was für ein interessanter Ausgangspunkt und wie wunderbar Gaea Schoeters dieses Szenario dann weiter spinnt.
Elefanten in Deutschland. Recht schnell wird klar, woher sie kommen und dass man sie so einfach wohl nicht mehr loswerden wird. Aber wie soll ein… Zusammenleben mit diesen riesigen und nicht immer friedlichen Tieren möglich sein?
Dieses Gedankenexperiment fördert so einiges zu Tage und wie die fiktiven deutschen Politiker in diesem Roman damit umgehen, ist so traurig wie glaubhaft.
Ich liebe es, wie einem als Leser ganz allmählich klar wird, wie kompliziert die Lage ist, wie schierig es ist, für die elefantengroßen Problemen unserer Welt eine Lösung zu finden und wie unwahrscheinlich es ist, dass ein Politiker dabei seinen moralischen Kompass auf Kurs behält.
Mega-Fauna - ein für mich eher neuerer Begriff. Kein Wunder, denn in Deutschland haben wir sie längst ausgerottet und erheben nun gerne unseren Zeigefinger, wenn wir von bedrohten Arten in anderen Ländern hören.
Ein rundum gelungener Roman, der den Horizont erweitert und einen demütig schweigend zurücklässt.
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☆☆☆☆☆
Elefantenparabel über unsere Gegenwart
Mirjan S. - Bewertet am 17.08.2025
Zustand: Exzellent
Elefanten in Berlin – klingt absurd, ist aber die Ausgangssituation von "Das Geschenk", einem brillanten Politthriller von Gaea Schoeters. Die flämische Autorin, bekannt durch "Trophäe", schreibt als Journalistin, Librettistin und Drehbuchautorin, wurde mit dem Jan-Wauters-Preis für Sprachkunst… ausgezeichnet und überzeugt mit einem Blick für das Globale im Kleinen.
Worum geht’s?
Deutschland verbietet die Einfuhr von Jagdtrophäen – und prompt „schenkt“ der Präsident Botswanas dem Land 20.000 Elefanten. Ein scharfes „Was wäre wenn“-Szenario entfaltet sich: Politiker:innen, Medien und Bürger:innen müssen plötzlich mit einer Krise umgehen, die alles infrage stellt – von Tier- und Klimaschutz über Migration bis hin zu nationaler Identität.
Meine Meinung
Schon "Trophäe" hatte mir gefallen, aber dieses Buch hat mich noch mehr gepackt. Schoeters verknüpft Natur und Politik, Humor und Bitterkeit, Satire und Tragik zu einer Parabel über Macht, Postkolonialismus und die Absurditäten unserer Zeit. Der Bundeskanzler taumelt zwischen Witzen, Elefantendung und Gesetzesdebatten, während Botswanas Präsident trocken feststellt: „Ihr Europäer wollt uns vorschreiben, wie wir zu leben haben. Vielleicht solltet ihr einfach mal selbst versuchen, mit Megafauna zurechtzukommen.“ (S. 35).
Besonders beeindruckt hat mich, wie viele Ebenen Schoeters einbaut: Die Elefanten werden Symbol für Geflüchtete („Elefanten sind keine Flüchtlinge.“ S. 64), für Klimakrise, für koloniale Ungleichgewichte. Gleichzeitig bleibt es absurd komisch, wenn über „Gratis-Biomüll-Verwertung“ (S. 38) oder eine Elefanten-Liebesgeschichte im TV debattiert wird. Auch bei ernsten Themen wie „Glass-Cliff“-Mechanismen für Politikerinnen (S. 68) oder rechten Parolen („Afrikanisierung Europas!“ S. 97) zeigt sie messerscharf, wie eng Rassismus, Sexismus und Machtspiele verflochten sind.
Die Szenen sind oft grotesk, aber immer nah an unserer Realität: Bürger:innen, die „Scheiße schaufeln“ (S. 53), ein Elefantenbaby, das zur nationalen Ikone wird, nur um wenig später Opfer eines Unfalls zu werden (S. 84). Fragen wie „Welches Leben ist mehr wert?“ (S. 84) oder die Erkenntnis, dass „ein Bundeskanzler kein Recht auf Träume“ hat (S. 131), hallen nach. Klimakrise, Migration, Populismus – alles spiegelt sich in dieser „Geschenk“-Parabel. Und immer wieder blitzt Humor auf, der das Ganze erträglich, manchmal sogar leichtfüßig macht.
Fazit
"Das Geschenk" ist politisch, packend und tief satirisch – ein Roman, der uns zwingt, über Verantwortung, Gerechtigkeit und Zukunft nachzudenken. Schoeters gelingt die seltene Mischung aus bitterem Ernst und scharfem Witz. Wer sich auf diesen literarischen Spiegel einlässt, wird lachen, schlucken – und nicht mehr wegsehen können.
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☆☆☆☆☆
Politik- und Gesellschaftskritik mit herrlicher Satire
Julia S. - Bewertet am 04.08.2025
Zustand: Exzellent
INHALT:
In Berlin überschlagen sich die Ereignisse, als eines Morgens plötzlich mehrere afrikanische Elefanten durch ganz Berlin marschieren. Die großen Dickhäuter versetzen eine ganze Stadt in hektische Betriebsamkeit, und es werden immer mehr.
Schnelles Handeln ist gefragt, „(…) es sieht so aus,… als wäre eine Kolonne von Riesentermiten durch den Park gezogen.“
Während Regierung, Militär und Krisenstäbe vor Ort noch über die Herkunft der Tiere rätseln – es könnte sich schließlich um Spionage oder eine Art Terroranschlag handeln – und niemand die Verantwortung für die folgende Maßnahmen übernehmen möchte, sorgt ein Telefongespräch für mehr Klarheit:
Der Präsident von Botswana teilt dem Bundeskanzler mit, dass er Deutschland über Nacht 20.000 Elefanten geschenkt hat, als Reaktion auf das beschlossene Elfenbeingesetz der deutschen Regierung, welches die Trophäenjagd einschränken soll, aber dem Land tatsächlich die Lebensgrundlage entzieht und die Probleme nur verschärft: Weniger zahlende Jäger aus dem Westen, Überpopulation der Elefanten, zerstörte Ernten und Dörfer, Hungersnöte, lebensgefährliche Begegnungen mit Menschen, fehlende Schulgelder, usw.
„Um unser Artenschutzprogramm weiterzuführen, müssten wir eigentlich gerade mehr Jagdlizenzen ausgeben. Mehr Jäger anziehen.“
Wenn Deutschland den Schutz so wichtig nehme, solle es selbst lernen, mit den Tieren zu leben, ohne sie zu erlegen.
Und schon befindet sich das Land in der nächsten Krise …
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MEINUNG:
Tatsächlich habe ich im vergangenen Jahr gar nicht mitbekommen, dass Botswana Deutschland wirklich 20.000 Elefanten angeboten hat.
Die Autorin dürfte sich durch die Schlagzeile dazu inspiriert gefühlt haben, diese Idee aufzugreifen und als Geschichte weiterzuspinnen.
Das Schauspiel wollte ich mir nicht entgehen lassen! Denn ja, das Chaos ist vorprogrammiert!
Die Autorin verbindet hier herrliche Satire mit Politik- und Gesellschaftskritik, lässt biologische, ökologische und klimapolitische Aspekte einfließen und stellt dabei das zum Teil fragliche Handeln der Politiker in den Vordergrund.
Besonders die humorvollen Szenen haben mich in der ersten Buchhälfte begeistert. Ich fand es genial, wie es Gaea Schoeters im Kontrast dazu gelingt, auf ernste Probleme aufmerksam zu machen: Die Konsequenzen westlicher Artenschutzpolitik für afrikanische Länder – von Überpopulation über menschliches Leid bis zu wirtschaftlichen Einbußen.
Gleichzeitig lassen sich Parallelen zur deutschen Migrationspolitik erkennen.
Mithilfe der Elefanten-Problematik spielen sich die Parteien gegeneinander aus, schieben Verantwortung von sich, ringen um Ansehen und Macht und verlieren dabei die Konsequenzen manchmal aus den Augen.
Auch die anfangs noch detailreichen Beschreibungen der Elefanten mochte ich gerne. Sie erzeugten Bilder in meinem Kopf und schafften eine Verbindung zu den Dickhäutern.
Die Entwicklungen ab etwa der zweiten Hälfte des Buches gingen mir leider viel rasant, sodass ich das Gefühl hatte, dass die Autorin schnell zum Ende kommen wollte.
Humorvolle Stellen gab es plötzlich keine mehr und zudem deutlich weniger detailreiche Beschreibungen der Elefanten.
Dieser Bruch wirkte auf mich etwas lieblos heruntergeschrieben.
Aus politik- und gesellschaftskritischer Sicht passte für mich das Ende inhaltlich.
Ich hätte mir nur gewünscht, dass sich Schoeters dafür mehr Zeit und Raum gelassen hätte ...
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FAZIT: Die erste Buchhälfte war für mich ein absolutes Highlight, die restliche Geschichte entwickelte sich für mich leider viel zu rasant.
Insgesamt kann ich euch die kurze, aber außergewöhnliche Lektüre dennoch empfehlen, wenn ihr euch für Politik- & Gesellschaftskritik mit satirischer Umsetzung begeistern könnt. Und natürlich für Elefanten.
4/5 Sterne!
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☆☆☆☆☆
Ein magisches Gedankenexperiment dümpelt vor sich hin
Verena S. - Bewertet am 28.07.2025
Zustand: Exzellent
20.000 Elefanten in Deutschland – ein Geschenk und gleichzeitig eine Lektion aus Botswana, sich nicht so überheblich um das Wohlergehen von Tieren zu sorgen und dabei die dortige Bevölkerung aus dem Blick zu verlieren. Natürlich verursachen die Elefanten über 435 Tage hinweg zunächst in Berlin und… später in ganz Deutschland jede Menge Chaos, das hier mal lustig, mal sehr offensichtlich oder auch redundant beschrieben wird.
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☆☆☆☆☆
Ein überraschendes Geschenk mit Tiefgang
Diana K. - Bewertet am 23.07.2025
Zustand: Exzellent
„Das Geschenk“ von Gaea Schoeters ist ein ebenso origineller wie kluger Roman, der mich mit seiner kreativen Idee und der Umsetzung tief beeindruckt hat. Was zunächst wie eine absurde Fabel beginnt – Elefanten, die plötzlich durch deutsche Innenstädte marschieren – entwickelt sich schnell zu einer… scharfsinnigen und provokanten Auseinandersetzung mit globalen Machtverhältnissen, westlicher Doppelmoral und kolonialen Denkstrukturen.
Der Präsident von Botswana reagiert auf ein europäisches Einfuhrverbot von Jagdtrophäen mit einer radikalen Geste: Er schickt 20.000 Elefanten nach Deutschland – ein symbolisches wie praktisches Geschenk, das nicht nur Fragen aufwirft, sondern auch gesellschaftliche und politische Spannungen offenlegt. Diese überraschende Prämisse wird von der Autorin mit feinem Spott, intelligentem Humor und großer erzählerischer Klarheit durchgespielt.
Besonders gefallen hat mir, wie Gaea Schoeters es schafft, ernste Themen wie globale Ungerechtigkeit, Naturschutz, Kulturimperialismus und politische Verantwortung in einen zugleich unterhaltsamen und zum Nachdenken anregenden Roman zu verpacken. Ihr Stil ist präzise, oft sarkastisch, dabei aber nie oberflächlich. Statt mit dem moralischen Zeigefinger zu argumentieren, stellt sie Fragen – und überlässt es den Leserinnen und Lesern, Antworten zu finden.
„Das Geschenk“ ist ein ebenso unterhaltsames wie bedeutungsvolles Buch – intelligent konstruiert, sprachlich brillant und thematisch hochaktuell. Es regt zum Nachdenken an, ohne belehrend zu wirken, und bleibt auch nach dem letzten Satz noch lange im Kopf.
Fazit: Ein kreatives, provozierendes und zugleich witziges Buch, das globale Zusammenhänge mit literarischer Raffinesse auf den Punkt bringt. Gaea Schoeters beweist einmal mehr, dass sie zu den originellsten Stimmen der europäischen Gegenwartsliteratur gehört. Unbedingt lesenswert!