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Rezension: "Ab die Post" von Terry Pratchett
Puppette Adora - Bewertet am 03.11.2014
Zustand: Sehr gut
Ich höre abends vor dem Einschlafen momentan am liebsten Hörbücher über die Scheibenwelt. Dabei gehe ich nicht unbedingt in Reihenfolge vor, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass man die Bücher auch gut ohne einen Verständnisverlust durcheinander hören/lesen kann.
„Ab die Post“ handelt von… Feucht von Lipwig einem ehemaligen Trickbetrüger, welcher von dem Patrizier Vetinari vor die Wahl gestellt wird: Stirb oder werde der neue Postminister von Ankh-Morpork! Und so kommt es das Herr von Lipwig Postminister wird, ohne auch nur die geringste Ahnung von dem Metier des Postaustragens zu haben. Ihm zur Seite bzw. zur Beaufsichtigung steht sein neuer Bewährungshelfer Pumpe 19. Dieser ist ein Golem und schläft nie. Fazit: An Flucht ist nicht zu denken und Feucht ergibt sich seinem neuen Schicksal. Mit viel Wortgewandtheit und „um-die-Ecke“ denken gelingt es ihm sogar den bisher unangefochtenen Vorreitern der Nachrichtenübertragung, den Klackertürmen, starke Konkurrenz zu machen.
Ich muss sagen, dass „Ab die Post“ neben den „Tiffany Weh-Geschichten“ mein neues Lieblingsbuch von Terry Pratchett ist. Von Anfang an fand ich das Setting und die Charaktere in ihrem Zusammenspiel einfach genial. Feucht von Lipwig hat eine sehr originelle Denkweise und ein Talent dafür Leute von sich zu begeistern. Dabei greift er natürlich letztlich auf bekannte Werbemittel zurück, aber diese mögen uns vielleicht gängig sein, für die Bewohner von Ankh-Morpork sind sie jedoch totales Neuland. Da mag selbst so eine simple Idee, wie das Einführen von Briefmarken schon als Geniestreich daherkommen. Grade die Entdeckung und Entwicklung von uns so bekannt und simple erscheinenden Systemen macht einen unglaublichen Charme des Buches aus.
Natürlich sind die Charaktere auch wieder auf Terry Pratchett’s typische Art skurril und originell.
Feucht von Lipwig ist ein Mann voller Ideen zum Betrügen. Diese Gabe kann er aber auch sehr gut zum Guten nutzen. Daraus ergibt sich eine spannende Kombination aus betrügerischen Gedanken, denen stets gute Taten folgen. Etwas was nur bei Terry Pretchett kein Wiederspruch in sich sein kann.
Auch die anderen Akteure, dieses Possenspiels sind hochinteressant gestaltet. Adora Bell Liebherr ist die Vorsitzende der Golemstiftung und ihr Name ist wohl das einzig liebliche an ihr. Sie ist eine absolute Kettenraucherin und hat stets eine flotten Spruch auf den Lippen.
Pumpe 19 ist, ganz seinem Wesen als Golem entsprechenden, ein stoischer Befolge von Befehlen. Doch durch sein gradliniger Handeln bringt er ein ganze neue Art von Humor in die Geschichte und ich habe ihr sehr schnell ins Herz schließen können.
Dank des herrvoragenden Erzähltalents von Boris A. wird das Buch zu einem tollen Hörgenuss. Mit einer vielseitigen Stimmmodulation haucht er jedem einzelnen Charaktere Leben ein.
Fazit:
Wer auf Gaunergeschichten mit einer gehörigen Portion Humor steht, ist mit diesem Hörbuch gut beraten. Aber auch jedem anderen, der sich für Geschichten abseits des Normalen begeistern kann, wird an diesem Hörbuch seinen Spaß haben.