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★★★★★
☆☆☆☆☆
Die Perlenkette des Lebens
Helene r. - Bewertet am 21.05.2025
Zustand: Sehr gut
Der Roman „Perlen“ von Siân Hughes behandelt die Geschichte einer Frau, wessen Leben stark von dem frühen Tod ihrer Mutter geprägt ist. Es handelt sich um ein mythisches Buch, bei dem der wahre Grund für das Verschwinden der Mutter erst am Ende geklärt wird.
Doch zunächst zu der Gestaltung: Der… Roman verfügt über keinen Umschlag, jedoch ist der Buchdeckel in einer schönen, fast grellen grünen Farbe gehalten. Es ist aber keine einheitliche Farbe, da kleine Kreise, auch mit einer anderen glatten Textur, ein Schwarz-Weiß-Bild aus dem Hintergrund zum Vorschein bringen. Diese Kreise wirken wie Perlen – wie der Name des Romans.
Am Anfang jedes Kapitels ist Ausschnitt eines Reimes abgebildet. Im Laufe des Romanes wird der Grund für dieses Stilmittel klar. Anfangs war ich etwas von dem direkten Einstieg verwirrt und brauchte erst einmal meine Zeit um mich hereinzulesen. Jedoch wurden die Charaktere mit der Zeit immer authentischer und liebevoller, sodass ich das Buch zum Schluss nicht mehr weglegen wollte. Es werden durchaus sehr harte und tabuisierte Themen angesprochen, wie Suizidgedanken, Depressionen, Kindesverlust oder Armut. Diese Themen wurden jedoch so in die Geschichte eingebunden, dass sie verständlich und authentisch sind.
Zu dem Schreibstil kann ich nicht viel mehr sagen, außer dass er angenehm ist. Mir ist er nicht als störend oder sehr positiv aufgefallen.
Obwohl ich die Entscheidungen der Protagonistin teilweise nicht nachvollziehen konnte, kann ich mir vorstellen, dass andere mit ihr resonieren können. Meine Lebenssituation ist so weit weg von ihrer, weswegen damit einfach immer ein Abstand zwischen uns blieb. Daher hat der Roman auch nicht sonderlich viele Emotionen bei mir hervorgerufen.
Diesen Roman empfehle ich insbesondere Menschen, die mit solch schweren Themen erst einmal klarkommen. Sonst kann ich dem Buch keine Zielaltersgruppe zuordnen, da ganz viele verschiedene Lebenssituationen der Protagonistin dargestellt werden.
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★★★★★
☆☆☆☆☆
Erinnerungs-Perlen
Verena S. - Bewertet am 14.05.2025
Zustand: Exzellent
Wie an einer Schnur aufgereiht, führt uns die Ich-Erzählerin durch prägende Begebenheiten ihres Lebens. Ihre Verwirrung beginnt, als ihre Mutter aus unerklärlichen Gründen spurlos verschwindet. Da ist Marianne acht Jahre alt. Und danach ist alles ungewohnt und sie fühlt sich falsch. Sie trägt einen… bunten, von der Mutter selbst gestrickten Pullover, der Perlenschnüre am Ärmel hat und für den sie sich nun schämt. Sie zerbeißt Schnur für Schnur und schluckt die Perlen. Zunächst hat sie Sorge, dass die Mutter kommt und sie ausschimpft. Dann hofft sie, dass die Mutter zurück kommt und den Pullover mit ihr gemeinsam wieder repariert. Doch dann, mit der letzten zerbissenen Schnur wird ihr klar, dass ihre Mutter nie wieder kommen wird. Und dass sie eine schlechte Tochter ist.
Marianne setzt sich in ihrem Bericht, in dem sie uns durch Abschnitte ihres weiteren Lebens führt, sehr glaubhaft und jeweils ihrem Alter und ihrer Reflektionsebene entsprechend mit der Frage nach Schuld, Scham und der Weiterreichung von Trauma innerhalb der Familie auseinander. Das ist eine der großen Stärken dieses doch sehr tiefgreifenden Buches. In den Zwischentönen steckt Psychologie, doch sie kommt nie aufdringlich daher. Und man kann den Roman auch mit dem Fokus auf das Familiengeheimnis lesen, ohne sich zu sehr in diese traumatische Dimension verstricken zu lassen. Aber all jenen, die ein Buch gern auf mehreren Ebenen lesen, sei dieser Roman vor allem empfohlen.