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★★★★★
☆☆☆☆☆
Wesentlich tiefer als es der Klappentext vermuten lässt
Kerstin H. - Bewertet am 27.04.2026
Zustand: Exzellent
„Homesick“ von Silvia Saunders war für mich eine kleine Wundertüte, denn der Klappentext täuscht über die Tiefe, die uns Leser:innen hier erwartet hinweg.
Unsere Protagonistin Mara ist Mitte zwanzig, in einer langjährigen Beziehung, hat einen netten Job in einer Bücherei in London und befindet sich… in der Lage sich plötzlich eine Wohnung kaufen zu können.
Doch ihr Freund Tom hat andere Pläne: Er möchte nicht bei ihr einziehen. Er hat Heimweh.
Soweit ungefähr das was auch auf dem Klappentext zu finden ist. Achtung ab jetzt gehts tiefer rein (ohne wirkliche Spoiler versteht sich): Denn Tom hat Depressionen. Und das ist etwas was sich durchaus noch gut auf dem Klappentext gemacht hätte. Einfach um besser einschätzen zu können, ob die Geschichte was für einen ist.
Mich hat diese Tiefe in der das Thema dargestellt wurde positiv überrascht. Dadurch bekommt das Buch aber eine ganz andere Dynamik, als nur ein „Er hat Heimweh und sie lernt ohne ihn zu leben.“ Denn es ist nicht leicht der beiden damit umzugehen. Natürlich resultieren unfassbar viele Momente und Entscheidung daraus. Und natürlich macht das sehr viel mit der Beziehung und definiert wichtige Momente.
Saunders Schreibstil ist locker, in Verbindung mit den kurzen Kapiteln lässt sich das Buch dadurch fast nicht aus der Hand legen. „Ach, noch eins schaffe ich jetzt auch noch. Und noch eins. Und noch eins. Und... Huch, warum ist es 2 Uhr Nachts?“
Einen Comedy Award hätte ich dem Buch jetzt allerdings trotzdem nicht gegeben, auch wenn so manche Situation absurd lustig war und mich zum Schmunzeln gebracht hat. Dafür war das Thema einfach zu ernst, wenn auch locker verpackt.
Die Figuren, allen vorran Mara selbst, sind realistisch, haben Tiefe und Charakter. Durch kleine Begebenheiten und Anmerkungen hier und da verkommen die Nebenfiguren auch nicht zu reinen Statisten, sondern wirken als hätten sie ein Leben außerhalb der Seiten dieses Buches in das sie zurückkehren sobald wir die Buchdeckel schließen.
Besonders mochte ich Maras Mum die so wunderbar warmherzige Ratschläge parat hat, dass ich mir fast wünschen würde sie schriebe ein Self-Help-„Für alle Lebenslagen“-Buch.
Das Thema mentale Gesundheit wird von Saunders wunderbar in die Geschichte eingebettet. Es wirkt nicht aufgesetzt oder gar „draufgeploppt“ weil man einen Handlungsmotor brauchte. Feinfühlig schafft es die Autorin uns Toms Depression näher zu bringen und zeigt die Schwierigkeiten auf die dadurch für Mara da sind, die Fragen denen sie sich stellen muss. Und auch wenn Depressionen ein schweres Thema sind, schafft es Saunders ganz wundervoll das Thema nicht alles dominieren zu lassen.
Mein einziger Kritikpunkt: Der Alkoholkonsum. Meine Güte. Bei jedem Problem und jeder lustigen Begebenheit wurde gefühlt getrunken. Uhrzeit? Egal! Das ist etwas was mir mittlerweile einfach negativ ins Auge sticht und das meiner Meinung nach nicht so positiv und lustig dargestellt werden sollte.
Fazit:
„Homesick“ ist ein Buch was ich, mit seiner Message und den Ratschlägen von Maras Mom gut in meinen zwanzigern hätte gebrauchen können, ob die Message dann angekommen wäre ist natürlich eine andere Frage.
Von mir gibt es dafür 4/5 Sternen.