Eine einfühlsame Reminiszent an eine große und tragische Liebesgeschichte hätte es werden sollen. Ein Semi-Kitschfilm über eine wenig schlüssige, obwohl authentische Begegnung zwischen dem jungen Ernest Hemingway und einer Krankenschwester ist "In Love and War" dann tatsächlich geworden. Richard Attenborough verklärt statt zu verhüllen, hakt autobiographisch sanktionierte Positionen ab, anstatt die Emotionen seiner Protagonisten kraftvoll und überzeugend ins Spiel zu bringen.
"In Love and War" zeigt die Schwierigkeit, aus verbürgter Non-Fiction einen Fiction-Film machen zu wollen. Was an biographischen Fakten und gedanklichen Reflexionen in den Tagebüchern von Agnes von Kurowsky und Henry S. Villard niedergeschrieben wurde, muß bei einer filmischen Bearbeitung, die sich in ihrer narrativen Erzählform streng an chronologische Abläufe hält, durch Mut zur pointierten Interpretation beflügelt werden. Attenborough hat sich stattdessen für biedere Bebilderung entschieden. Der Erste Weltkrieg dient als pittoresker Abenteuerspielplatz, auf dem sich ein junger Heißsporn namens Hemingway mit geradezu folkloristischen Gebärden produzieren darf.
Der 19-jährige hatte sich im April 1918 als Helfer beim Roten Kreuz in Italien gemeldet. Im Juli wird er bei einem Frontversorgungseinsatz an der österreichischen Grenze schwer verwundet. In einem Lazarett kümmert sich die amerikanische Rot-Kreuz-Schwester Agnes von Kurowsky (Sandra Bullock) aufopfernd um Hemingway (Chris O'Donnell). Im selben Maße, wie dessen Genesung voranschreitet, wächst auch die Zuneigung zwischen Patient und Krankenschwester. Doch was so romantisch beginnt, findet in den Kriegswirren ein abruptes Ende: Hemingway kehrt in die Vereinigten Staaten zurück, Kuroswky bleibt an der Front. Ihre Beziehung zu einem italienischen Arzt führt zum Bruch mit Hemingway, der darunter - nach Meinung vieler Biographen - ein Leben lang litt.
Diese erste, große Liebesaffäre Hemingways ist durch ihren prägenden Charakter von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit für sein weiteres Leben. Aber die psychologische Gewichtung dieses Schlüsselerlebnisses erschöpft sich bei Attenborough darin, daß Hemingway Jr. - aufgewühlt und zutiefst verletzt - sein Zimmer mit einem Baseballschläger zerlegen darf: Effekt statt Affekt. Auch die Motive, die Kurowsky zur Trennung veranlaßten, bleiben eher vage: sechs Jahre Altersunterschied und der kurze Flirt mit einer gesicherten Existenz als Ärztegattin - soll das wirklich alles gewesen sein? Natürlich sind psychologische Wertungen immer mit Vorsicht zu genießen, aber eine Frau, die den angehenden Schriftsteller Jahre später in Amerika aufsucht, um ihn wieder zurückzugewinnen, und ein Mann, der die Liebesbriefe dieser Frau bis zu seinem Selbstmord im Jahr 1961 aufbewahrt, müssen schon von großen seelischen Kräften getrieben worden sein. Im Film wird davon wenig sichtbar. Neben seiner konventionellen Inszenierung schlägt da vor allem die Fehlbesetzung des Milchbuben Chris O'Donnell in der Rolle des späteren Nobelpreisträgers zu Buche. Da kann sich die charismatische Sandra Bullock noch so ins Zeug legen: Sie bleibt der unumschränkte Lichtblick dieser Liebesgeschichte, den man nicht unbedingt erst mit "Der englische Patient" zu vergleichen brauch, um die Defizite zu erkennen. Wo der eine Film mit gewaltiger Filmsprache und passioniertem Willen zur Gestaltung überzeugt, verflüchtigt sich der andere zunehmend in oberflächlichen Skizzen und blassem Sentiment. Von Sandra Bullocks beträchtlicher Zugkraft hängt das Glück des zeitgeschichtlichen Epos an der Kinokasse ab. Und nicht umsonst zählt sie zu den erfolgreichsten Schauspielerinnen der letzten beiden Jahre. ull.