Wenn skrupellose Männer Russland und die USA in einen Atomkrieg treiben wollen, rettet "Pearl Harbor"-Star Ben Affleck als CIA-Agent Jack Ryan erneut die Welt am Abgrund.
Auch wenn man selbst einen anderen Eindruck hat, gilt die Gegenwart als Zeitalter der Entspannung. Das psychologische Säbelrasseln der Supermächte, auch Kalter Krieg genannt, ist Vergangenheit, ihre Abschreckungswaffen aber noch nicht.
Laut Statistik sind 164 Nuklearsprengköpfe vom Kontroll-Radar beider Mächte nicht aufzuspüren. Beruhigend kommt hinzu, dass mindestens 20 Länder Massenvernichtungswaffen besitzen oder entwickeln.
Diese erschreckenden Fakten bilden den Hintergrund für einen der spannendsten Thriller des Kinojahres, der den Bestseller "Das Echo aller Furcht" dramatisch und intelligent ins Kino bringt. Nach "Jagd auf "Roter Oktober"", "Die Stunde der Patrioten" und "Das Kartell" ist "Der Anschlag" die vierte Tom Clancy-Adaption. Und zum dritten Mal erhält Jack Ryan ein neues Gesicht.
Nach Alec Baldwin und Harrison Ford spielt nun Ben Affleck den CIA-Profi, der es dank Clancy einmal bis zum Präsidenten der USA bringen wird.
"Der Anschlag" zeigt Ryan am Anfang seiner Karriere, als jungen Russland-Experten, der mit einer Ärztin liiert ist, die keine Ahnung hat, dass der Mann in ihrem Bett für den Geheimdienst arbeitet und in 120 Thrillerminuten die Welt retten wird.
Weil Clancys Vorlage in die Gegenwart verlegt wurde, damit nach den Ereignissen der ersten drei Filme spielt, aber Ryan jünger als seine Vorgänger ist, gibt es für alle Verwirrten nur eine Patentlösung: einen radikalen Neuanfang mit Ben Affleck. Dank der sensiblen Inszenierung von Regisseur Phil Alden Robinson ("Sneakers") gelingt dies problemlos.
Erwartet werden darf ein smarter Agenten- und Politthriller, der aufregendes Entertainment bietet, aber statt ausgestelltem Action-Overkill sich in effektiver Zurückhaltung übt.
Mit einem Rückblick auf 1973 nimmt der Plot Fahrt auf, als ein israelischer Bomber über Syrien abgeschossen wird und dessen Nuklearrakete im Wüstensand verschwindet. Fast 30 Jahre später wird sie entdeckt, landet auf verschlungenen Wegen bei einem reichen Geschäftsmann, der mit dieser Massenvernichtungswaffe einen Nuklearkrieg zwischen den USA und Russland provozieren will, um seine rechtsextremen Träume (bei Clancy noch islamischer Fundamentalismus) verwirklichen zu können.
Von dieser unsichtbaren Bedrohung ahnt die CIA nichts. Nach dem Tod des russischen Präsidenten begleitet Russlandexperte Ryan seinen Chef Cabot (Morgan Freeman) nach Moskau, um den Nachfolger kennen zu lernen und die Abrüstungsfabriken zu inspizieren.
Nachdem drei Wissenschaftler, allesamt Nuklearexperten, unauffindbar bleiben, hetzt Cabot seinen Kampfhund Clark (cool: Liev Schreiber) und Ryan auf deren Fährte. Als die beiden Agenten schließlich das Geheimnis um die Konstrukteure lösen, erreicht deren Arbeitsprodukt die US-Küste.
Die folgende Katastrophe erwischt auch den Zuschauer unvorbereitet. Schwitzend fiebert man mit, wie die Supermächte von unsichtbarer Hand zu gegenseitiger Totalvernichtung getrieben werden, wie in beiden Regierungen Emotion mit Vernunft kämpft und Jack Ryan am Ende alle Schlüssel zur Verhinderung des Unvorstellbaren in seinen Händen hält. Ein Anschlag auch auf unsere Nerven.