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★★★★★
☆☆☆☆☆
Tod in den Slums von London
Kerstin W. - Bewertet am 26.07.2024
Zustand: Exzellent
London 1910: Im Armenviertel vom East End werden entsetzlich zugerichtete Kinderleichen gefunden. Der neu ernannte Divisionsinspektor Joseph Maybrick, selbst in den Slums aufgewachsen, begibt sich auf die Suche nach dem Täter. Unterstützung erfährt er zum einen von seinem Freund, dem Arzt Dave… Roberts, aber auch völlig unerwartet von Hehlern aus dem Distrikt. Jeder von ihnen hat andere Beweggründe, den Killer zu finden.
Das düster gestaltete Cover stimmt perfekt auf den Kriminalroman ein. Der Debüt-Krimi von Vanessa Glas entführt den Leser in das berüchtigte Londoner Viertel Whitechapel des Jahres 1910. Armut, Schmutz, Gewalt und Morde stehen hier auf der Tagesordnung, was die Autorin authentisch darstellt. Vor allem trifft es die Schwächsten, die Kinder, besonders hart. Bereits die Kleinsten werden zu Diebstählen gezwungen, ausgesetzt oder vegetieren in unmenschlichen Erziehungsheimen vor sich hin. Die graue, hoffnungslose Atmosphäre in den engen Gassen von East End und in den armseligen Wohnungen kann nicht treffender beschrieben werden. Dann macht ein skrupelloser Killer Jagd auf Kinder. Die Figur des mutigen Ermittlers Joseph Maybrick hat mich besonders beeindruckt. Selbst in den Slums von Whitechapel aufgewachsen, ist es ihm eine Herzensangelegenheit, den Killer zu finden. Dabei muss er sich gegen korrupte und brutale Constables seiner Wache ebenso wie gegen Verbrechersyndikate durchsetzen. Ihm zur Seite steht sein Freund, der Arzt Dave Roberts. Beide Männer können nicht gegensätzlicher sein, doch vereint sie der Wille zu Gerechtigkeit. Joseph kann sich zudem auf unverhoffte Verbündete verlassen. Dazu gehören die Hehler Hester und Heath, die auf ihre Weise den Kindern und Jugendlichen in den Slums helfen. Es kommt zu überraschenden Wendungen und das Ende war nicht vorhersehbar. Die bildhafte, flüssige Erzählweise überzeugt von der ersten bis zur letzten Seite. Vanessa Glas lässt ihre Hauptprotagonisten in den einzelnen Kapiteln abwechselnd zu Wort kommen, was die Erzählung nochmals vertieft und verständlicher gestaltet. Ich vergebe für diesen spannenden Kriminalroman fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.
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★★★★★
☆☆☆☆☆
Düsterer und äußerst spannender Pageturner
Julia M. - Bewertet am 03.07.2024
Zustand: Exzellent
Vanessa Glas' "Maybrick und die Toten vom East End" ist ein faszinierender historischer Kriminalroman, der den Leser ins düstere London des späten 19. Jahrhunderts entführt. Der Roman verwebt geschickt historische Fakten mit einer fiktiven Erzählung, rund um einen grausamen Killer.
Die Handlung… spielt im Jahr 1888, einer Zeit, die von Angst und Unsicherheit geprägt ist, da der berüchtigte Mörder Jack the Ripper in den Straßen von Whitechapel sein Unwesen treibt. Die Autorin führt uns durch die nebligen Gassen des East Ends und gibt uns einen Einblick in das Leben und die Sorgen der Bewohner dieser ärmeren Viertel. Die Protagonisten sind vielschichtig und gut ausgearbeitet, wobei insbesondere die Figur des James Maybrick durch ihre ambivalente Darstellung hervorsticht.
Glas gelingt es, eine so dichte Atmosphäre zu schaffen, die den Leser fesselt. Die detaillierten Beschreibungen der Schauplätze und die feine Rekonstruktion der historischen Gegebenheiten tragen dazu bei, dass man förmlich in die Vergangenheit eintaucht. Man wird durch geschickt platzierte Wendungen und überraschende Enthüllungen regelrecht in die Geschichte eingesogen.
Der Schreibstil von Vanessa Glas ist flüssig und bildhaft, was die Lektüre angenehm und fesselnd macht. Die Dialoge sind authentisch und spiegeln die Sprachgewohnheiten der Zeit wider, ohne dabei allzu schwerfällig zu wirken. Die Autorin versteht es, Spannung und Dramatik zu erzeugen, ohne in reißerische Effekthascherei zu verfallen.
Für mich ein Pluspunkt des Romans ist die historische Genauigkeit, mit der Vanessa Glas die Ereignisse und Schauplätze beschreibt. Die gründliche Recherchearbeit, die in das Buch eingeflossen ist, verleiht der Geschichte Glaubwürdigkeit und Tiefe. Die Darstellung des viktorianischen Londons mit seinen sozialen Ungleichheiten und dem Alltagsleben der Menschen ist beeindruckend und lehrreich.
"Maybrick und die Toten vom East End" ist ein gelungener historischer Kriminalroman, der nicht nur Fans des Genres, sondern auch Geschichtsinteressierte ansprechen wird. Vanessa Glas schafft es, eine fesselnde und atmosphärisch dichte Geschichte zu erzählen, die den Leser bis zur letzten Seite in ihren Bann zieht. Die Mischung aus historischen Fakten und fiktiver Erzählung ist hervorragend gelungen und macht das Buch zu einer empfehlenswerten Lektüre.