In nur vier Tagen war die Erstauflage des neuen, neunten "Werner"-Comics "Na also" von 300.000 Exemplaren ausverkauft - nur soviel zur ungebrochenen Beliebtheit des Horex-Ritters aus dem hohen Norden, dessen erster Kinoausflug vor sechs Jahren auf der Höhe des "Werner"-Booms sensationelle 5,4 Mio. Zuschauer in die Kinos lockte. Ob "Werner - Das muß kesseln!!!" es erneut an den Kassen kesseln lassen wird, läßt sich am besten damit beantworten, daß Regisseur Michael Schaack mit seiner recht losen Aneinanderreihung haarsträubendster Ereignisse ein Zelluloid-Comic-Heft gelungen ist, bei dem man nicht die Energie aufwenden muß umzublättern.
Verglichen mit "Werner - Beinhart" sollte "Das muß kesseln!!!" gerade eingefleischten Fans besonders "tauchen", denn "Werner"-Macher Brösel alias Rötger Feldmann läßt seinen friesischen Anarcho-Asterix mit dem imposanten Riechorgan, das wahlweise Assoziationen mit Pilsflaschen, Bockwürsten oder Schlimmerem weckt, diesmal ungebremst von überflüssigen Realfilm-Einlagen, die dem Original noch Tempo raubten, auf die Menschheit los. Zudem bemühte man sich sichtlich, die einzelnen Episoden der Bölkstoff-Ballade um ein großes Rennen zwischen dem Protz-Bentley des wenig beliebten Nobelschröder und Werners futuristischem "Metülisator" nicht wie eine reine "Best of..."-Aufzählung wirken zu lassen. Eine Geschichte im klassischen Sinne ist es dennoch nicht geworden, denn nach dem Showdown, in dem es das Heldenduo Werner und Andi "Superman" gleichtut und die Zeit zurückdreht, ist Werner immer noch der gleiche Werner, Andi immer noch der gleiche Andi, und die mit besonders beißendem Spott begleiteten Polizisten ("Die beiden Knalltüten vonne Verkehrskasperei") sind immer noch keinen Deut heller als am Anfang. Von Charakterentwicklung also keine Spur, dafür umweht ein erfreulicher Hauch von Stringenz Werners Flasch-Bier-Tass-Kaff-Universum, in dem Fans gleich zwei der im friesischen Flachland wohl außerordentlich beliebten Renn-Duelle serviert bekommen. Fernab von Disneys detailverliebter Weichzeichner-Animation wurden beinahe sämtliche Protagonisten aus Brösels seit nunmehr 15 Jahren bestens geölter Gagschmiede versammelt, die kaum weniger außerirdisch und fremd wirken wie George Lucas' Kreaturen-Ansammlung in der "Krieg der Sterne"-Trilogie. Ein angenehm nostalgischer Hauch der achtziger Jahre umweht ihre zunehmend chaotischer werdenden Erlebnisse, von denen sich Nicht-"Werner"-Fans mit Grausen abwenden werden. Hohe Kunst wird beileibe nicht geboten, aber dafür immerhin Werners erster Ausflug ins Weltall und - in der gelungensten und unterhaltsamsten Sequenz - ein Grillfest mit selbstgebranntem Schnaps, das man ob seiner amüsanten Geschmacklosigkeiten so schnell nicht vergißt. Scheinbar unbeschadet hat Anarcho-Anachronist Werner den Sprung in die zweite Hälfte der Neunziger überstanden. Und seine zahlreichen Fans werden ihm mit Freuden in jene politische-Korrektheit-freie Zone folgen, in der sich Brösel seine Plattdeutsch-Utopie eingerichtet hat, hübsche Frauen buchstäblich nichts zu sagen haben, und alle anderen weiblichen Wesen tierisch nerven, wenn sie den Mund aufmachen. Aber der Zweck heiligt wohl auch hier die Mittel. ts.
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