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Beschreibung
Im Hamburger Marschland lebt ums Jahr 1580 Abelke Bleken. Sie führt allein einen Hof, trotzt Jahreszeiten und Gezeiten. Und sie versucht, sich gegen ihre Nachbarn zu behaupten, in einer Zeit, die für unabhängige Frauen lebensgefährlich ist. Fast fünfhundert Jahre später zieht Britta Stoever mit ihrem Mann und ihren Kindern in die Marschlandschaft. Ihre Arbeit als Geografin hat sie für die Familie…  aufgegeben, das neue Zuhause ist ihr noch fremd. Sie unternimmt lange Spaziergänge durch die karge Landschaft, beobachtet die Natur und lernt, in Bracks und Deichlinien die Spuren der Vergangenheit zu lesen. Dabei stößt Britta auf das Leben der Abelke, auf Ausgrenzungen und Ungerechtigkeiten, die beängstigend aktuell sind. Fasziniert taucht sie tiefer und tiefer ein – und merkt, wie viel sie im Leben der anderen Frau über sich selbst erfährt.
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Technische Daten


Erscheinungsdatum
26.03.2025
Sprache
Deutsch
EAN
9783596708499
Herausgeber
FISCHER Taschenbuch
Sonderedition
Nein
Autor
Jarka Kubsova
Seitenanzahl
320
Auflage
2
Einbandart
Broschiert
Einbandart Details
Taschenbuch

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Hersteller: FISCHER Taschenbuch, Hedderichstraße 114, Frankfurt am Main, Deutschland, produktsicherheit@fischerverlage.de, S. Fischer Verlag GmbH

4.8
Aus 4 Bewertungen zu Marschlande
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Alle Bewertungen, die wir veröffentlichen, wurden von echten rebuy Nutzer:innen geschrieben.
Ein stilles, gewaltiges Buch über Frauen & Freiheit
Nadine S. - Bewertet am 21.08.2026
Zustand: Sehr gut
Mit "Marschlande" erzählt Jarka Kubsova eine Geschichte, die sich über Jahrhunderte spannt und sich dabei trotzdem seltsam nah anfühlt. Im Mittelpunkt steht ein Paar, das mit seinen zwei Kindern aus Hamburg hinaus aufs Land, in die Marschlande zieht. Aber während beide zunächst dieselbe Entscheidung…  treffen, entwickeln sie sich innerlich immer weiter auseinander. Sie wollte eigentlich etwas unperfektes und gemütliches, er hingegen klassisch und modern. Das ist einer der Gründe, warum sie sich von der Umgebung zwar angezogen fühlt aber in dem Haus nicht zu Hause ist. Gleichzeitig führt der Roman zurück ins Jahr 1570, mitten hinein in die Vier- und Marschlande, in eine Zeit von Sturmfluten, harter Arbeit, Aberglauben und Hexenverfolgung. Zwei Frauenleben. Zwei Zeiten. Und doch ziehen sich dieselben Fragen durch alles hindurch: Wem gehört ein Leben? Wie frei darf eine Frau sein? Und was passiert, wenn sie sich weigert, klein zu werden? Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an gehabt. Es gibt Bücher, die brauchen Zeit. Und dann gibt es diese wenigen, bei denen man nach ein paar Seiten schon merkt, dass man gerade etwas Besonderes liest. Nicht laut, nicht künstlich dramatisch, sondern so still intensiv, dass man irgendwann gar nicht mehr merkt, wie tief man schon in der Geschichte drin steckt. Vor allem der Erzählstil hat mich komplett eingefangen. Diese Sprache… ruhig, klar, manchmal fast rau und dann plötzlich wieder so voller Gefühl, dass einzelne Sätze präsent bleiben. Nicht überladen poetisch, sondern auf eine Weise schön, die sich echt anfühlt. Erdverbunden irgendwie. Als würde man Wind, Regen und diese schwere Marschluft zwischen den Seiten spüren. Und dann diese beiden Ebenen der Geschichte. Da ist die Gegenwart, in der man beobachtet, wie sich die Frau in der Ehe immer mehr selbst verliert und gleichzeitig langsam wieder zu sich zurückfindet. Wie sie beginnt zu merken, dass sie mehr sein möchte als nur Ehefrau und Mutter. Dass irgendwo unter all den Erwartungen noch etwas Eigenes in ihr steckt. Wünsche. Sehnsüchte. Ein eigener Wille. Und das wurde so berührend erzählt, weil es nicht plötzlich oder pathetisch passiert. Sondern langsam. Unsicher. Fast tastend. Währenddessen erzählt die zweite Zeitebene von den Marschlanden um 1570. Von der Allerheiligenflut. Und genau diese Passagen werde ich nie vergessen. Dieses Leben damals wirkte so hart, so erbarmungslos. Die Natur als ständige Bedrohung. Wasser, das alles mitreißt. Menschen, die irgendwie überleben müssen, obwohl sie eigentlich längst keine Kraft mehr haben dürften. Und mittendrin Frauen, die funktionieren sollen, still sein sollen, sich anpassen sollen. Besonders die Geschichte der unverheirateten Frau, die alleine einen Hof führt, hat mich unglaublich bewegt. Dieser Neid. Diese Missgunst. Dieses ständige Misstrauen gegenüber Frauen, die eigenständig sind oder nicht in die vorgesehenen Rollen passen. Man spürt beim Lesen regelrecht, wie schnell Frauen damals zur Gefahr erklärt wurden, nur weil sie unbequem waren. Weil sie alleine lebten. Weil sie Wissen hatten. Weil sie es besser konnten! Und genau dadurch treffen einen die Themen Hexenverfolgung und gesellschaftliche Gewalt in diesem Buch so hart. Nicht als abstrakte historische Ereignisse, sondern als etwas zutiefst Menschliches. Etwas, das aus Angst, Kontrolle und Macht entsteht. Was mich aber vielleicht am meisten berührt hat: wie sehr sich die beiden Geschichten gegenseitig spiegeln, obwohl Jahrhunderte zwischen ihnen liegen. Dieses Gefühl, dass Frauen sich in ganz unterschiedlichen Zeiten oft denselben Kämpfen stellen mussten. Nur in anderer Form. Und dann dieses Nachwort ❤️ Selten hat mich ein Nachwort emotional so getroffen. 9 Seiten die so viel Warheit wiedergeben über die Rolle der Frau im Laufe der Geschichte und auch zu wissen, dass hinter der Bäuerin Abelke Bleken, die Geschichte einer realen Frau steht, die aus Neid und Habsucht als Hexe verbrannt worden ist. Dass jemand, der vielleicht längst vergessen worden wäre, hier gesehen wurde. Einen Platz bekommen hat, eine Stimme. Dieses Buch ist ein leises, kluges und unglaublich berührendes Buch über Frauenleben, über Freiheit, über Verlust und darüber, wie viel Kraft es braucht, sich selbst nicht zu verlieren. Und genau deshalb wird es noch lange einen Platz in meinem Herzen haben. **whatabout_nadine**
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Erwartungen alle bestens erfüllt
Renate H. - Bewertet am 20.12.2023
Zustand: Sehr gut
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Starke Frauen - gestern und heute
Petra B. - Bewertet am 05.11.2023
Zustand: Sehr gut
Das Cover zeigt einen trostlosen Blick in eine karge Landschaft. Der Schreibstil liest sich leicht verständlich und die Handlung wird im Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart erzählt. Die Autorin berichtet von der wahren Geschichte über Abelke Bleken aus Hamburg, die 1580 als Hexe verfolgt…  wurde; und das nur, weil sie ihr Leben selbst in die Hand genommen hat. Abelke gegenüber wird Britta vorgestellt, die mit ihrer Familie ins Marschland zieht. Britta hadert mit diesem Umzug und kämpft mit ihrer Ehekrise. In diesem Buch werden Porträts zweier starker Frauen dargestellt, die in der herrschenden Männerwelt ihren Platz suchen. Es werden viele Parallelen zwischen beiden Frauen sichtbar. Der Wunsch nach Selbstbestimmung wird immer stärker und die Frauen werden durch die Gesellschaft zum Handeln aufgefordert, die Ungerechtigkeit, die ihnen widerfahren, aus dem Weg zu schaffen. Fazit: Eindrucksvoller Roman über starke Frauen, die gradlinig ihr Ziel verfolgen!
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Zwei Frauen im Kampf für mehr Selbstbestimmung & Gleichberechtigung im 16.Jh. & heute
Julia S. - Bewertet am 06.09.2023
Zustand: Exzellent
„Seit geraumer Zeit hatte sie das Gefühl, als würde das Wasser ganz hoch in ihr stehen, aber heraus konnte es nicht, auch wenn sie wollte. Als wäre sie innerlich gefroren, und langsam nahm das Eisige ganz von ihr Besitz.“ INHALT: Britta ist mit ihrem Mann Philipp und den beiden Kindern vor mehr als…  drei Monaten nach Ochsenwerder gezogen. Hier in den Marschlanden, nicht weit von Hamburgs Zentrum entfernt, haben sie sich nach langem Suchen ein Haus gekauft. Wie Fremdkörper ragen die Neubauten aus der Landschaft, die immer noch zahlreiche alte Bauernhäuser und sanierte Karten ziert. Jetzt im Herbst sind die vielen Felder bis auf ein paar Kraniche leer, Dunst und Regen bestimmen das Bild. Als gelernte Geografin hat Britta ihren Beruf für die Familie vor Jahren aufgegeben und arbeitet mittlerweile Teilzeit im Homeoffice. Bisher fühlt sie sich in ihrem neuen Haus gar nicht heimisch und auch die Kinder müssen sich erst noch an das Umfeld gewöhnen. Britta macht sich auf den Weg und erkundet die Umgebung. Die Deiche und Bracks mit all der Natur und den alten Häusern wecken ihr Interesse. Ganz besonders, als sie auf den Namen „Abelke Bleken“ stößt und herausfindet, dass diese im 16. Jahrhundert hier im Ort ausgestoßen wurde und als Hexe ihr Ende fand. Britta beginnt augenblicklich zu recherchieren, ist beeindruckt vom Schicksal dieser starken Frau, bekommt jedoch Selbstzweifel, was ihr eigener Lebensweg angeht … Abelke Bleken ist im Marschland zu Hause. „Ihr Leben lang hatte sie bloß den lehmigen Marschboden unter den Füßen gespürt, der weich und federnd war und oft so schlammig, dass man darin einsank.“ Nach dem Tod ihres Vaters übernimmt sie den Hof und führt ihn fort, ohne einen Mann an ihrer Seite. Sie weiß Wetter und Natur zu lesen, ist fleißig, muss sich jedoch immer wieder neu behaupten. Die Nachbarn sind neidisch, dass sie als Frau so gut allein zurechtkommt, und legen ihr immer mehr Steine in den Weg, bis sie der Hexerei bezichtigt wird und auf dem Scheiterhaufen landet … MEINUNG: Da ich „Bergland“ der Autorin sehr mochte und es immer noch in guter Erinnerung habe, wollte ich mir „Marschlande“ nicht entgehen lassen. Dieses Buch spielt auf zwei Zeitebenen (Gegenwart und 16. Jahrhundert), die wunderbar miteinander harmonieren, sich gegenseitig ergänzen und dabei von zwei ganz unterschiedlichen Frauenschicksalen erzählen, die manches aber auch gemeinsam haben. Vor allem der historische Vergangenheitsstrang hat mich von Anfang an begeistert und ich habe beim Leidensweg von Abelke im 16. Jahrhundert, sehr mitgefiebert. Sie ist eine taffe Person, die ihren Weg als unabhängige Frau geht und als sie damit Erfolg hat, nur Hohn, Spott und Neid von den Nachbarn abbekommt. Ich war wieder mal erstaunt, wie schnell damals selbstbewusste, starke, unabhängige Frauen als Hexen bezichtigt wurden, nur um sie aus dem Weg zu räumen. Britta blieb mir im fiktiven Gegenwartsteil anfangs etwas zu fern. Sie ist so unzufrieden mit ihrem Leben und damit, dass sie ihren Beruf für die Familie geopfert hat. Ich konnte erst nicht mit ihr mitfühlen und habe mich z. B. gewundert, dass ihr die Geschichte des Dorfes so wichtig ist, sie es aber gleichzeitig nicht schafft, die Umzugskartons auszupacken. Doch das änderte sich mit der Zeit und die Entwicklung, die die Protagonistin durchläuft, hat mir gut gefallen, konnte mir meine anfängliche Skepsis nehmen und ich konnte mich immer besser auch auf Britta und ihre Situation einlassen. Besonders gut hat mir außerdem gefallen, was beide Frauen gemeinsam haben: Den Kampf um Selbstbestimmung & Gleichberechtigung, der auch heute in unserer Zeit leider noch immer andauert … Tatsächlich gelang es Jarka Kubsova erneut, mich von ihrer Schreibkunst zu überzeugen. Ich mochte die melancholische, etwas traurige Stimmung, die sie mit ihren sprachlichen Bildern erzeugt. Sie beschreibt alles so atmosphärisch (vor allem die Naturbeschreibungen), dass man regelrecht in der Geschichte versinkt. Hin und wieder habe ich zudem ein paar neue Worte und Bezeichnungen gelernt, die ich vorher nicht kannte. Alles in einem, ein sehr lesenswertes Buch, das noch eine Weile in mir nachklingt! FAZIT: Erneut überzeugt Jarka Kubsova mit atmosphärischem Schreibstil und interessanten Frauenschicksalen auf zwei Zeitebenen, die sie harmonisch miteinander vereint. Eindrucksvoll zeigt sie auf, wie Frauen unterschiedlicher Jahrhunderte für mehr Selbstbestimmung & Gleichberechtigung kämpfen. Lesenswert! 4,5/5 Sterne! CN: Mobbing
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