Aus 2 Bewertungen zu Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry
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★★★★★
☆☆☆☆☆
Gabrielle Zevin ist für mich ein literarisches Genie
Vanessa B. - Bewertet am 11.09.2025
Zustand: Exzellent
„Morgen, morgen und wieder morgen“ ist ein unantastbares Highlight für mich, sodass ich mich EXTREM auf diesen Roman von Gabrielle Zevin gefreut habe, um es mal vorsichtig auszudrücken. Wie ich dann gemerkt habe, handelt es sich um die Neuauflage eines bereits 2014 erschienenen Romans und damit um… ein frühes Werk der Autorin.
Umso begeisterter bleibe ich zurück. Ja, die Geschichte kann als sprunghaft bezeichnet werden und sie geht auf Figurenebene nicht annähernd so tief wie andere Bücher. Doch es muss meiner Meinung nach einfach anerkannt werden, wie Zevin mit präzisen und wenigen Worten eine maximal dichte, emotionale Geschichte schrieben kann.
Zum Inhalt kann ich kaum etwas sagen, ohne zu spoilern. Deshalb beschränke ich mich auf meine Lobpreisung von Sprache und Stil. Zevin kann einfach Figuren schreiben! Ob nun super tiefgründig oder eher oberflächlich - trotz meiner üblichen Ansprüche an Figurenzeichnungen bin ich hier vollends zufrieden. Die Figuren vereinen Liebenswürdigkeit mit trockenem Humor und klaren Kanten. Sie sind auf ihre Art besonders und herzensgut, erinnern schemenhaft an die Figuren Mariana Lekys, treffen meinen persönlichen Geschmack aber deutlich besser.
Die Geschichte verdient ein aufmerksames Lesen, wenngleich sie so gut geschrieben ist, dass mensch schlicht durchrauscht. Denn Zevin bindet die Details am laufenden Band ein und bedient sich über Kurzrezensionen des Protagonisten A.J. zu Beginn jedes Kapitels wiederholt eines Foreshadowings, das sie einfach auf beeindruckende Art zu meistern weiß. Alle Hints werden zuverlässig verwendet und ergänzen die Geschichte im Voraus oder Rückblick.
Es kann sicherlich kritisiert werden, dass viele Handlungselemente nicht ausgedehnt untersucht werden und bestimmte Umstände einfach so zu entstehen scheinen. Gleichzeitig erkenne ich hier aber die Liebe A.J.s zu Kurzgeschichten wieder. Auch, wenn Zevins Roman natürlich keine ist, greift sie stilistisch auf bestimmte Elemente zurück und schreibt so eine detailbepackte Geschichte auf 250 Seiten, die mich lachend und weinend zurückgelassen haben.
Zevin bleibt für mich eine literarische Queen. Sie hat mit dieser Geschichte gezeigt, dass sie sowohl bündige als auch umfangreiche Bücher mit äquivalenter Emotions- und Detailsdichte versehen kann. „Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry“ ist inspirierend auf eine völlig pathoslose Art und neben einer Liebeserklärung an Literatur sowie Buchläden für mich einfach eine ganz, ganz feste Umarmung.
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★★★★★
☆☆☆☆☆
Eine Hommage an Bücher und zweite Chancen
Mirjan S. - Bewertet am 03.09.2025
Zustand: Exzellent
Eine Buchhandlung, ein mürrischer Buchhändler, ein Waisenkind und viele kleine literarische Begegnungen: Gabrielle Zevin erzählt in "Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry" eine Geschichte über Bücher, Verluste und zweite Chancen. Zevin, 1977 in New York geboren, hat in Harvard studiert, als… Drehbuchautorin gearbeitet und mit Romanen wie "Morgen, morgen und wieder morgen" oder "Die Widerspenstigkeit des Glücks" internationale Bestseller geschrieben. Ihre Werke wurden vielfach übersetzt, verfilmt und gefeiert – und doch zeigt dieser Roman aus dem Jahr 2014 eine ganz andere, fast zartere Seite von ihr.
Worum geht’s genau?
A.J. Fikry lebt zurückgezogen auf Alice Island und betreibt die einzige Buchhandlung des Ortes. Seit dem Tod seiner Frau hat er sich vom Leben entfremdet, die Geschäfte laufen schlecht und selbst sein wertvollster Besitz – eine rare Poe-Erstausgabe – wird gestohlen. Doch dann passiert etwas völlig Unerwartetes: In seinem Laden wird ein kleines Mädchen zurückgelassen. Maya bringt nicht nur A.J.s geordnetes Leben durcheinander, sondern eröffnet ihm auch neue Perspektiven auf Liebe, Freundschaft und Gemeinschaft.
Meine Meinung
Als ich das Cover zum ersten Mal sah, dachte ich sofort: „Moment, das kenn ich doch!“ – und dann fiel mir auf, dass Gabrielle Zevin dieselbe Autorin ist wie von "Morgen, morgen und wieder morgen". Aber wichtig zu wissen für alle LEser:innen: A.J. Fikry ist fast zehn Jahre früher erschienen, und das merkt man auch. Der Ton ist ganz anders – humorvoller, verspielter und auch inhaltlich gaaanz was anderes.
Schon früh hatte ich das Gefühl, ein Buch für Buchliebhaber:innen in den Händen zu halten. Literaturverweise, Buchgespräche und ironische Kommentare zum Verlagswesen machen den Roman zu einer kleinen Schatzkiste. Besonders gefallen hat mir der Humor, der immer wieder aufblitzt, etwa bei Amelias Date-Erinnerung (S. 12) oder A.J.s bissigen Kommentaren (S. 21). Gleichzeitig schwingen ernste Themen mit: Verlust, Einsamkeit, Krankheit. Und es gibt wieder einige Zitatperlen: „Es ist die heimliche Angst, dass wir nicht liebenswert sind, die uns isoliert…“ (S. 108). Diese Mischung aus Leichtigkeit und Tiefe macht den besonderen Reiz aus.
Maya war für mich anfangs etwas überzeichnet – fast wie ein kleines Wunderkind –, und ich war überrascht, wie schnell A.J. sich entschließt, sie zu behalten. Doch gerade sie bringt eine besondere Wärme in die Geschichte. Schön fand ich auch die Briefe, die A.J. schreibt und die wie eine Klammer um den Roman liegen. Meine Vermutung, dass es auf etwas sehr Trauriges hinausläuft, hat sich bestätigt, aber der Roman verliert dabei nie seine Hoffnung.
Zevins Schreibstil ist leicht, fast unaufgeregt, aber immer wieder gespickt mit Sätzen, die man sich sofort markieren möchte: „Wir lesen, um zu wissen, dass wir nicht allein sind. Wir lesen, weil wir allein sind. Wir lesen und sind nicht allein.“ (S. 170) oder „Wir sind in der Zeit, die wir hier verbringen, nur Liebe. Die Menschen, die wir geliebt haben. Das macht uns froh. Und ich glaube, es ist das, was weiterlebt.“ (S. 171). Das Buch ist also nicht "nur" ein Roman, sondern auch Zevins persönliches Manifest für das Lesen selbst.
Nebenfiguren wie Lambiase, der Polizist mit Buchclub-Leidenschaft, oder die herrlich skurrilen Kund:innen machen das Ganze noch bunter. Einzig mit den Zeitsprüngen habe ich mich manchmal etwas schwergetan – sie waren für mich nicht immer fließend, auch wenn Mayas Alter immer wieder Orientierung geben sollte.
Fazit
"Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry" ist kein Roman voller Action oder Dramatik, sondern ein stilles, berührendes Buch über Gemeinschaft, Verlust und zweite Chancen. Empfehlenswert für alle, die sich von Büchern gerne trösten lassen und die leisen Töne lieben, weniger für jene, die eine stringente, temporeiche Handlung erwarten. Danke an @lesejury und den @eichbornverlag für das Rezensionsexemplar.