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Beschreibung
Junge Frauen und ihre Körper – selbstverständlich normschön, jugendlich, sexy – sind das Rohmaterial, aus dem die Musikindustrie und die Logik des Pop gemacht sind. Sie werden in Songtexten angeschmachtet und fetischisiert, beschimpft und degradiert, sie dienen auf der Bühne und im Backstage als Projektionsfläche. Weibliche Fans werden als kreischende Masse oder willenlose Groupies betrachtet, nicht fähig zu einem ernsthaften Interesse an der Musik oder einem ernstzunehmenden Geschmack. Und wenn eine Frau als Künstlerin auftritt, dann ist sie zunächst eine Frau und erst dann eine Musikerin, dann ist ihr Körper entweder zu dick, zu dünn, zu perfekt oder sonst wie falsch, dann ist sie entweder Hure oder Heilige, und dann – plötzlich – ist sie sowieso zu alt. In einer so wütenden wie lehrreichen Mischung aus Analyse und Abrechnung zeigt Sonja Eismann, wie tief Sexismus und Ageismus in die Musikindustrie eingeschrieben sind, wie wir als Konsument*innen den male gaze erlernt und verinnerlicht haben, wie Missbrauch und Pädosexualität in fast allen Szenen und Genres akzeptiert werden. Sie schreibt über alte Männer, die minderjährige Sängerinnen sexualisierte Songs performen lassen, über die scheinbare Unmöglichkeit eines richtigen Alterns, sexistischen Musikjournalismus, Superstars wie Taylor Swift, Beyoncé oder Peaches, über Feminizide in Songlyrics – und natürlich über Beispiele der selbstbewussten Aneignung, des Widerstands, der wütenden Mittelfinger gegen das Musikpatriarchat. »Feminismus ist nicht Fun, er ist komplex und er kotzt die Leute an – und er macht Arbeit! Und die hat sich Sonja Eismann gemacht, indem sie mit Verve und Zorn und zahllosen Beispielen beweist, wie patriarchal es in der Musikindustrie immer noch zugeht.« Christiane Rösinger
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Technische Daten


Erscheinungsdatum
01.09.2025
Sprache
Deutsch
EAN
9783960544722
Herausgeber
Edition Nautilus GmbH
Serien- oder Bandtitel
Nautilus Flugschrift
Sonderedition
Nein
Autor
Sonja Eismann
Seitenanzahl
200
Auflage
1
Einbandart
Broschiert

Hersteller: Edition Nautilus, Schützenstr. 49a, Hamburg, Deutschland, 22761, info@edition-nautilus.de, Edition Nautilus

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5.0
Aus 1 Bewertungen zu Candy Girls
Aus 1 Bewertungen zu Candy Girls
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Definitiv keine Wohlfühlmusik hier...
Mirjan S. - Bewertet am 16.01.2026
Zustand: Exzellent
„Candy Girls sind süß. Sie sind frisch und lecker. […] Sie lassen sich schnell konsumieren oder unauffällig wegwerfen.“ (S. 8) Mit „Candy Girls – Sexismus in der Musikindustrie“ legt Sonja Eismann (Journalistin, Kulturwissenschaftlerin und Mitgründerin des Missy Magazine) ein Buch vor, das nicht erklären will, warum Pop problematisch sein kann, sondern zeigt, warum er es ist. Erschienen im September 2025 im Edition Nautilus Verlag, verbindet dieses Buch kulturwissenschaftliche Analyse, Popgeschichte und feministische Theorie zu einer schmerzhaft klaren Bestandsaufnahme. Meine Meinung Schon auf den ersten Seiten wird deutlich, worum es Eismann geht: Nicht um Einzelfälle, nicht um „schwarze Schafe“, nicht um moralische Panik, sondern um ein strukturelles Problem: „Wie und wo ist die Musikbranche sexistisch? Kurze Antwort: überall.“ (S. 10) Dieser Satz klingt zunächst provokant und auch etwas oberflächlich, aber im Verlauf des Buches wird er (leider!) erschreckend präzise belegt. Eismann analysiert, wie Frauen und weiblich gelesene Personen im Pop gleichzeitig begehrt, entwertet und austauschbar gemacht werden. Der Begriff der Candy Girls steht dabei sinnbildlich für eine Industrie, die weibliche Körper konsumierbar macht: süß, verfügbar, ersetzbar. Besonders beeindruckt hat mich der intersektionalen Blick, den die Autorin einnimmt, und wie sie unterschiedliche Kontextebenen zusammendenkt: Musikerinnen, Fans, Groupies, Musikjournalismus, Kanonbildung und ökonomische Macht. Eismann zeigt, dass Sexismus nicht nur auf der Bühne passiert, sondern auch in Rezensionen, Line-ups, Backstage-Räumen und Fan-Narrativen. Und immer wieder geht es um Gewalt. Nicht "nur" physisch, sondern auch symbolisch: um das Verharmlosen von Übergriffen, die Romantisierung männlicher Grenzüberschreitungen und die systematische Unsichtbarmachung weiblicher Perspektiven. Besonders betroffen gemacht haben mich Beispiele, bei denen nicht die übergriffigen Männer, sondern die Künstlerinnen gecancelt wurden. Viele der Täter waren mir als Künstler bekannt, jedoch bisher nicht als Täter. Mich hat schockiert, wie viele es sind, welches System dahintersteckt und wie konsequent Täter geschützt werden, während Betroffene gecancelt werden oder verschwinden. Stilistisch ist „Candy Girls“ fordernd. Die Sätze sind teilweise lang, die Argumentation dicht, theoretische Begriffe werden nicht vereinfacht. Aber genau darin liegt auch eine Stärke: Eismann traut ihren Leser:innen zu, mitzudenken. Trotz aller Wut bleibt das Buch nicht im Zynismus stehen. Es öffnet Räume für Kritik, für Verantwortung und für kollektives Umlernen. Nicht als Happy End, sondern als Aufgabe. Denn „Popkultur ist nur ein Bestandteil einer sexistischen Gesellschaft, die wir gemeinsam bekämpfen müssen.“ (S. 171) Fazit „Candy Girls“ ist unbequem, wütend und notwendig. Ein Buch für alle, die Popkultur lieben, aber nicht länger wegsehen wollen. Für Leser:innen feministischer Sachbücher ein absolutes Must-read und vor allem für Menschen, die ihre Idole wie David Bowie, Justin Timberlake und co. bisher nicht hinterfragt haben. Danke an netgalley.de und an Edition Nautilus für das Rezensionsexemplar.
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