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Tiergestützte Interventionen und Human-Animal Studies – Eine theoretische Einbettung und empirische Pilotierung des Einsatzes von Pferden in pädagogisch-therapeutischen Kontexten unter transdisziplinärer Berücksichtigung ethologischer Erkenntnisse sowie mikrosoziologischer Bezugstheorien

Theresa Franziska Braun (Gebundene Ausgabe, Deutsch)

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Beschreibung
Das Mensch-Tier-Verhältnis ist hochkomplex. Eine der verschiedenen Dimensionen stellt der gezielte Einsatz von Tieren in verschiedenen sozialen Handlungsfeldern im Kontext der TGI dar. Die TGI wurden als Praxisfeld bezeichnet, da bisher vor allem die verschiedenen positiven Wirkungen von Tieren auf die Zielgruppe der TGI untersucht wurden, die im medizinischen, psychologischen oder pädagogischen Kontext relevant sind. Nicht im Vordergrund standen die anderen beteiligten Akteure der TGI, die durchführende Person und das Pferd, sodass insgesamt betrachtet deutliche Lücken in der theoretischen und empirischen Fundierung der TGI zu finden war. Um diese Lücken zu schließen, wurden in Kapitel 2 die HAS als junges Forschungsfeld vorgestellt, in denen genuin eine beidseitige Analyse von Mensch-Tier-Interaktionen/-Beziehungen möglich erscheint und der Tierstandpunkt explizit mit einbezogen wird. Als relevante und am häufigsten genutzte Bezugsdisziplin in den HAS wurde die Soziologie ausgemacht. Da die Soziologie als Humanwissenschaft Tiere zumeist ausgegrenzt hat (z. B. basierend auf den Ausführungen von Mead), wurde eine Begründung des Einbezugs von Tieren über zwei Argumentationsstränge vorgenommen: 1) Allgegenwärtigkeit von Tieren sowie 2) ethologische Erkenntnisse zu Tieren zu ihren komplexen Fähigkeiten. Des Weiteren wurde das Plädoyer für den Einbezug von Tieren durch erste Pionierarbeiten im Kontext von Mensch-Tier-Beziehungen verdichtet. Daraus folgte, dass Tiere und damit auch das Praxisfeld der TGI als passendes Forschungsfeld für die Soziologie im Kontext der HAS gesehen werden können. Zur genaueren Eingrenzung der TGI wurden in Kapitel 2.3 begriffliche Einordnungen getätigt, Handlungsfelder und eingesetzte Tierarten vorgestellt sowie ausgewählte Effekte von Tieren auf Menschen dargelegt, die bisher basierend auf verschiedenen theoretischen Ansätzen (z. B. Du-Evidenz, Biophilie-Hypothese) erklärt werden. Um den Tierstandpunkt einzubeziehen, wurden auch die Effekte von den Menschen auf die Tiere im Kontext der TGI aufgenommen sowie das Tierschutzgesetz als Handlungsbasis mit dem Blick auf das Konstrukt „Wohlbefinden“ in Interspezies-Beziehungen dargelegt. Verbunden wurden die disziplinären und inhaltlichen Felder über die Ebene der direkten Mensch-Tier-Beziehung (entstehend aus Interaktionen). Basierend auf diesen erarbeiteten Erkenntnissen wurde im dritten Kapitel das komplexe und ambivalente Mensch-Pferd-Verhältnis analysiert. Ein besonderes Augenmerk des Kapitels lag einerseits auf der Einordnung des Pferdes mit seinen artspezifischen Bedürfnissen und Schlussfolgerungen für Haltung und Umgang mit ihm aus tierschutzethischer Perspektive sowie seinen komplexen Fähigkeiten in der Interaktion mit Menschen. Andererseits wurde sein Einsatz im Rahmen der PGI aufgezeigt, indem Definitionsversuche, Einsatzfelder und beidseitige Wirkungen dargelegt wurden. Das Interaktionsdreieck „durchführende Person-Pferd-Zielgruppe“ wurde als elementarer und wichtigster Baustein für Anknüpfungspunkte einer theoretischen und empirischen Fundierung identifiziert. Als geeignete Bezugstheorie für die theoretische Betrachtung und Analyse von Mensch-Pferd-Interaktionen in der Triade wurde dementsprechend der mikrosoziologisch ausgerichtete Symbolische Interaktionismus festgelegt (Kapitel 4). Betrachtet wurden sowohl die Grundgedanken von Mead und Blumer, aber auch empirische Ergebnisse zu Mensch-Tier-Interaktionen/-Beziehungen. Eine besondere Verknüpfung des SI mit ethologischen Erkenntnissen zum Pferd wurde in Unterkapitel 4.4.3 vorgenommen. Schlussfolgernd wurden sieben Kernelemente postuliert, die gleichzeitig als Grundlage für die empirische Untersuchung von Mensch-Tier-Interaktionen im Kontext des SI allgemein dienen können und hier pilotiert wurden (Kapitel 5). Als zentrale Forschungsfrage konnte festgehalten werden „Wie gestalten sich die Interspezies-Interaktionen im Interaktionsdreieck der PGI?“. Untersucht wurde diese Frage explorierend mittels Experteninterviews mit zwei durchführenden Personen der PGI, die mit einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2018) unter Einbezug einer theoretischen bzw. interdisziplinären Triangulation ausgewertet wurde, um der Trans- und Interdisziplinarität der Arbeit gerecht zu werden. Als zentrales Ergebnis der explorativen Studie konnte festgehalten werden, dass Pferde als Akteure im Sinne des SI beschrieben werden können, die die Situationen als aktive Entität in Abgleich mit den menschlichen Akteuren nonverbal aushandeln und interpretieren sowie eine hohe Bandbreite von Handlungen zeigen. Gleichzeitig besitzen sie eine spezifische agency in ihrer Rolle als Arbeitspartner im Kontext der PGI. Die Beziehung zur durchführenden Person ist als Ausgangsbasis der TGI zu sehen. Die Situationsaushandlung in der Triade gesamt wird von verschiedenen Faktoren, wie dem Rollenverständnis der durchführenden Person, Emotionen sowie umwelt- und individuumsbezogenen Aspekten, beeinflusst. Aus den Ergebnissen folgt, dass ein neues ganzheitliches theoretisches Erklärungsmodell für die TGI diskutiert werden kann (Kapitel 7), was die Wirkungen und Beziehungsentstehung über die Interaktionen erklärt und den Tierstandpunkt ebenso in den Blick nimmt wie die menschlichen Akteure. Gleichzeitig scheint eine empirische Anwendung der postulierten Kernelemente des SI möglich. Schlüssel dazu ist die inter- und transdisziplinäre Ausrichtung mit dem Einbezug soziologischer und ethologischer Überlegungen, die gleichzeitig auch kritisch im Kontext einer Beliebigkeit der Auswahl von Themen diskutiert werden kann. In der Praxis der TGI muss die durchführende Person als zentrale Figur diese verschiedenen Wissensbestände, einschließlich veterinärmedizinischer Aspekte im Kontext von Tierschutz, in ihre konkrete therapeutische / pädagogische Arbeit integrieren können. Limitationen der Arbeit ergeben sich im Kontext der explorativen Pilotstudie. Als Fazit der Arbeit (Kapitel 8) ist festzuhalten, dass die inter- und transdisziplinäre Betrachtung von direkten Interspezies-Interaktionen, die alle Perspektiven speziesübergreifend einbezieht, zu einer Inklusion von Tieren in theoretische und anwendungsbezogene Überlegungen (im Kontext der TGI) führen kann .
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Technische Daten


Erscheinungsdatum
29.03.2025
Sprache
Deutsch
EAN
9783835972308
Herausgeber
VVB Laufersweiler Verlag
Serien- oder Bandtitel
Edition Scientifique
Sonderedition
Nein
Autor
Theresa Franziska Braun
Seitenanzahl
504
Einbandart
Gebundene Ausgabe
Einbandart Details
A5
Schlagwörter
Mensch-Pferd-Beziehung Soziologie, Tiergestützte Interventionen (TGI), Symbolischer Interaktionismus Tiere, Interspezies-Interaktion, Human-Animal Studies (HAS), Tierethik + Tierschutz in der TGI, Mensch Pferd Beziehung Interaktionen
Thema-Inhalt
MZAB - Tiermedizin: Forschung MZB - Präklinische Tiermedizin: Grundlagenforschung MZD - Tiermedizin: Groß- und Nutztiere MZDH - Tiermedizin: Pferde JH - Soziologie und Anthropologie JHB - Soziologie
Höhe
215 mm
Breite
15.5 cm
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