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Beschreibung
Im Jahr 1978 wird ein Wandteppich gegen einen Computer getauscht. Die gelernte Weberin Charlotte Johannesson, die drei Jahre später das erste digitale Kunstlabor Skandinaviens gründen wird, bemerkt das Verwandtschaftsverhältnis von Webstuhl und Computer. Die Anzahl an Pixeln auf horizontaler wie vertikaler Seite entspricht ungefähr der Anordnung, mit der sie am Webstuhl arbeitete. Zwischen analoger und digitaler Welt bestehen Beziehungen. Was hat es damit auf sich? In die gar nicht mehr so junge Tradition der Poesie des Digitalen schreibt sich Franziska Ostermanns Lyrikdebüt versen [Reihe staben | Band 029] ein, um so gleich eine existenzieller Kraft in das einzuknüpfen, was augenscheinlich abstrakt ist. »MIT MEINEN FINGERN FORME ICH HANDLOS ZARTE STREIFEN, SCHLINGEN, STRICHLISTEN AUF STARREM GLAS / FÜHLT SICH ALLES GLEICH AN; GLÄNZEND UND KLAR TASTE ICH AN OBERFLÄCHEN OHNE ERINNERUNG NACH DIR.« versen versenkt sich – nicht versehentlich – in den Bereich zwischen Physis und Virtualität. Es sind poetische Miniaturen, die bei ihr entstehen, wenn sie den Computer, auch den inneren Computer, ausmacht und mit blinden Augen auf den Screen blickt. Neueste Technologien werden gespiegelt, gebrochen, verwoben, enthoben, aufgehoben. »DEM HORIZONT SPINNENBEINE STELLEN, DIE KIPPTEN HERÜBER UND WAREN EINE ZITTER; ICH SAGTE SEID EINE ZITTER, DA SIND SIE ERFROREN; STROMGEBORGEN, FLURGEBROCHEN, WECHSELSCHALUNG, NICHT NUR VONEINANDER GEWÖLBT IN DEN HORIZONT GEWACHSEN.« Die fünf Zyklen arbeiten webtechnisch. Der physische Bereich grundiert den Beginn. Widerständig ist der Körper. Er ist mal offen, mal geschlossen, mal zart, mal hart. DEN RÜCKEN BIEGEN, DAMIT ER SICH LEICHT ANFÜHLT; ALS WÄREN DIE KNOCHEN IN EINEM ANDEREN LEBEN GEDICHTE GEWESEN. Im Körper ist eine Sprache, die sich verdichtet hat; Gedichte. Man muss die Sprache knicken. DIES IST KEIN TEXT: VERSTANDEN HABEN, WAS EIN TEXT IST; IHN LIEBER LESEN, IHN LIEBER FALTEN, SAGEN, DIES IST EIN FALTER. KNICKEN, PFALZEN AN KEINER LINIE, ZUSAMMENSCHLAGEN MIT DIR; BRECHE UND BRINGE UM, SAGE, FALTERIN. Der Körper trifft auf eine Virtualität, die das Gedächtnis der Körperwelt mit der digitalen Logik der Spur konfrontiert. Langsam heben wir ab und dringen in das Digitale ein. Beide Reiche erscheinen zunehmen als untrennbare Geflechte. Wer entknotet, fügt Stoff hinzu. Wer unter anderer Leute Fingerkuppen guckt, findet niemanden oder sich. »AN DEINEN FINGERSPITZEN HABE ICH GERÜTTELT / ES WAR DORT NIEMAND: NAGEL AN NAGEL HABE ICH MICH GELEGT; WEISS BLUT AUS DEINEN LINIEN TROPFEN GESEHEN. WIE UNENTSCHIEDENE FORMELN AUF MEINE HANDFLÄCHE GLEITEN; REIBE MIR DIE AUGEN, GEBE MEINE WIMPERN HINZU, DIE FORMEN SICH ZU ZEICHEN / DANN EINEN BEFEHL LEGEN VOR DEM ICH SCHNELL MEINE KUPPEN ALS LIDER GEBRAUCHE. DANN BIN ICH WIEDER EINS MIT MIR« Franziska Ostermanns Lyrikband ist extrem durchdacht, durchwebt, wie er auch sinnlich angereichert, existenziell auslesbar. Weder eine Apologie des Digitalen noch eine Apologie des Analogen; sondern der Versuch, mit poetischer Sprache einen Ort zu betasten, der eine ungeahnte Intimität hat. Der etwas mit uns macht, uns nochmals an den Anfang des Sprechens zurückführt. »ICH KANN DIR NICHT SAGEN, WORÜBER ICH SCHREIBEN WERDE; ICH LERNE DIE WÖRTER GERADE ERST KENNEN; LEGE SIE FREI; ICH WOLLTE EIGENTLICH EINE UMGEKEHRTE ERZÄHLUNG WERDEN / SO KÖNNTE VON ANFANG BIS ENDE DAS UMDREHEN STEHEN; ERSCHAFFE EINEN ORT, DER ÜBER FÜNF ZEILEN EXISTIERT«
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Technische Daten


Erscheinungsdatum
01.09.2025
Sprache
Deutsch
EAN
9783948107826
Herausgeber
gutleut verlag
Serien- oder Bandtitel
reihe staben
Sonderedition
Nein
Autor
Franziska Ostermann
Seitenanzahl
104
Auflage
1
Einbandart
Broschiert

Hersteller: gutleut verlag, Kaiserstr. 55, Frankfurt, Deutschland, 60329, mail@gutleut-verlag.com, Michael Wagener

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