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★★★★★
☆☆☆☆☆
Bissig, klug, kompromisslos
Kirsten R. - Bewertet am 20.07.2026
Zustand: Exzellent
„Sie hat also eindeutig zwei Möglichkeiten: es sein lassen und sich eingestehen, dass es leichter gesagt als getan ist, Leute zu ermorden, und dies nicht der beste Weg ist, Wissenschaft zu betreiben. Oder noch eins draufsetzen.“ (Seite 162)
Selten hat ein Roman seinen Ton so treffend in einem… einzigen Zitat eingefangen. Zwischen bitterbösem Humor, akademischer Satire und moralischem Abgrund bewegt sich Honey mit beeindruckender Sicherheit.
Yrsa promoviert in Cambridge, doch ihre Forschung stagniert, Motivation und Perspektive scheinen ihr gleichermaßen zu fehlen. Erst als sie eher unbeabsichtigt in den Tod eines Professors verwickelt wird, beginnt sich plötzlich ein Weg vor ihr abzuzeichnen – wenn auch ein denkbar fragwürdiger. In einer akademischen Welt, die von weißen Männern dominiert wird und in der sie als Schwarze Frau immer wieder an unsichtbare Grenzen stößt, geraten schnell weitere Menschen in ihren Fokus, die ihre Machtposition bislang schamlos ausgenutzt haben.
Honey verbindet Campusroman und Thriller zu einer ebenso unterhaltsamen wie klugen Geschichte. Dabei wechseln sich bissiger Humor, unterschwellige Wut und eine gehörige Portion zwischenmenschlicher Dysfunktion gekonnt ab.
Yrsa ist dabei alles andere als eine klassische Heldin. Sympathisch wirkt sie meist nur dann, wenn sie es bewusst darauf anlegt. Sie bleibt sperrig, widersprüchlich und oft schwer zu durchschauen. Viele Facetten ihrer Persönlichkeit hält sie konsequent unter Verschluss – auch vor uns Leser:innen. Gerade das macht sie zu einer faszinierenden Figur, die sich einfachen Urteilen entzieht.
Rassismus, Feminismus, Intersektionalität und Female Rage ziehen sich als zentrale Themen durch den Roman, ohne jemals belehrend zu wirken. Stattdessen regt Honey zum Nachdenken an und hält der akademischen Welt ebenso wie gesellschaftlichen Machtstrukturen einen scharf geschliffenen Spiegel vor. Für mich war dieses kluge und ungewöhnliche Buch eine echte Bereicherung.
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☆☆☆☆☆
Ein etwas anderer Umgang mit Unrecht
Clara M. - Bewertet am 19.07.2026
Zustand: Exzellent
"Honey" von Imani Thompson bot viele Anregungen zum Nachdenken. In diesem Buch geht es um Yrsa. Yrsa ist eine starke, selbstbewusste, junge Frau, leider macht sie diese Stärke zum Teil auch recht unnahbar und unsympathisch - sowohl bei ihren Mitmenschen als auch bei mir. Ihr begegnet im Laufe der… Geschichte immer mal wieder Unrecht gegen Frauen, insbesondere gegenüber schwarze Frauen. Das lässt sie aber nicht auf sich sitzen - sie weiß sich sehr wohl zu helfen - auf eine vielleicht etwas eher ungewöhnliche Art und Weise.
Yrsa schreibt gerade ihre Dissertation über Afropessimismus. Im Laufe der Geschichte verzahnen sich die Kapitel ihrer Dissertation immer mehr mit ihren eigenen Gedanken und mit ihrem Handeln - ein absolut spannender Ansatz! Leider waren mir die Passagen über ihre Dissertation meist zu theoretisch und "hoch", sodass ich den Verbindungen nicht immer folgen konnte. Ja, es handelt sich nicht ohne Grund um eine Doktorarbeit und Yrsa steckt natürlich extrem im Thema drin. Aber trotzdem hätte eine verständlichere Kommunikation dazu geführt, dass ich deutlich mehr aus diesem Buch hätte mitnehmen können.
So stark wie das Buch begonnen hat, hat es im Laufe der Zeit aber leider etwas nachgelassen und den roten Faden verloren, Schade. Trotzdem handelt es sich um einen spannendes Buch mit einem wichtigen Thema.
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☆☆☆☆☆
Verschenktes Potenzial
D J. - Bewertet am 09.07.2026
Zustand: Exzellent
Ich hatte mich nach dem vielversprechenden Klappentext wirklich sehr auf „Honey“ gefreut, wurde letztendlich aber leider enttäuscht. Für mich persönlich war das Buch leider ein Fehlgriff, auch wenn es ein paar gute Ansätze hatte und ich das Cover fantastisch finde.
Ysra ist eine junge Studentin,… die ihre PhD in Cambridge an der Universität schreibt. Ihrer Freundin wird durch ihren Professor ihre Arbeit geklaut und durch einen Zufall hat Ysra die Gelegenheit ihre Freundin zu rächen. Das setzt in ihr ihre Wut auf Männer frei und sie beschließt nicht nur ihre Freundin zu rächen.
Themen wie Afropessimismus, Rassismus, Macht, wem sie gehört und wie man sie zurückerlangen kann, fand ich sehr spannende Themen, auf deren Umsetzung in einem als komischen Thriller angekündigten Buch ich mich sehr gefreut habe.
Stattdessen war es über weite Teile des Buches eher eine Charakterstudie der Protagonistin, die irgendwann in die Belanglosigkeit driftete. Leider blieb die Protagonistin für mich bis zum Schluss sehr blass und eindimensional. Ich konnte zu keinem Zeitpunkt eine echte Bindung zu ihr aufbauen, da ihre Handlungen oft irrational und nicht nachvollziehbar wirkten.
Ihre Handlungen müssen meiner Meinung ja auch nicht nachvollziehbar sein aber ich hatte das Gefühl, dass sie sie auch in ihrer Welt keinen Sinn gemacht haben. Ich bin mir unsicher, ob Drogen eine Rolle gespielt haben. Es wurde nicht explizit deutlich gemacht aber es gab eh einige Lücken in dem Buch. Auch die Reaktionen ihres Umfelds ergeben keinen Sinn. Sie war mindestens dreimal die Letzte, die den Toten gesehen hat und das scheint relativ wenig Anstoß für Nachfragen zu sein.
Außerdem wirkten ihre Taten immer als seien sie relativ lose im Plot integriert und hatten wenig bis keine Auswirkungen auf die Handlung, sodass der Plot über weite Strecken sehr ereignislos vor sich hinplätscherte.
Ich mag die Idee des Female Rage super gerne und lese gerne Bücher über Frauen die „irrational“ handeln, auch die Prämisse fand ich wie gesagt super spannend aber leider hat mich die Umsetzung einfach nicht
abgeholt.