Einen von Menschen verlassenen Bauernhof nimmt diese mit außergewöhnlichen Bildern unterlegte Naturdokumentation zum Anlass, das Leben einheimischer Tiere einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.
Ein Kind, das heutzutage in einer europäischen Großstadt aufwächst, kennt zwar durch Zoo-Besuche exotische Tiere wie Löwen, Tiger oder Elefanten, von der einheimischen Fauna bekommt es jedoch zumeist nichts mit. Diesem Trend wirken nun die beiden französischen Dokumentarfilmemacher Dominique Garing und Frédéric Goupil mit ihrem filmischen Naturschauspiel "Die wilde Farm" entgegen. Sie entführen auf einen ganz normalen, mit regionalen (Haus)tieren bevölkerten Bauernhof. Nachdem ein Notarztwagen den erkrankten Bauer abtransportiert hat, sind die Tiere plötzlich auf sich allein gestellt und müssen für sich selbst sorgen. Dabei entdecken Hunde und Katzen, Puten und Perlhühner, aber auch Schweine und Pferde, Ratten und Mäuse allmählich ihre "Wildheit" wieder. So wird aus dem sorgsam gehüteten und gepflegten Gehöft mit einem Mal eine wilde Farm, in der die animalischen Bewohner ohne menschliche Kontrolle tun und lassen können, was sie wollen.
Fast 200 Stunden Rohmaterial, die in zwölfwöchigen Dreharbeiten entstanden, haben Garing und Goupil am Schneidetisch schließlich auf 90 Minuten eingedampft. Das Ergebnis ist eine Art "Best of", sprich, durchweg grandiose Naturaufnahmen, die uns auf selten so detailliert gesehene Weise eine Vielfalt von in unseren Breitengraden lebenden Tieren vor Augen führt. Dabei werden sämtliche Facetten beleuchtet - von der Nahrungsaufnahme, wenn etwa die Hausschweine im Gemüsebeet räubern, über den ausführlich behandelten Fortpflanzungsdrang bis hin zum Wunder der Geburt, anschaulich dargestellt anhand eines Fohlens und von 13 Ferkeln. Auch die Konfrontation mit den wild lebenden Artgenossen wird beleuchtet. So wird eine - ziemlich brutale - Auseinandersetzung zwischen Eber und Keiler ebenso thematisiert wie der Eierdiebstahl eines Marders und das Erlegen eines Huhns durch den Fuchs. Garing und Goupil beschränken sich darauf, zu beobachten, eine Szene an die andere zu reihen. Dazu gesellt sich ein Off-Kommentar, in der deutschen Fassung von der TV-Schauspielerin Luise Bähr ("Der Landarzt") ein wenig zu salbungsvoll gesprochen, der ein paar lehrreiche Informationen enthält, zumeist aber mit Allgemeinplätzen wie "Es ist hart, groß zu werden" daherkommt oder sdas beschreibt, was man gerade im Bild sieht. Schade, dass durch die wohl dem jüngsten Publikum geschuldeten Texte der ausgezeichnete Soundtrack von Max Richter (Europäischer Filmpreis für "Waltz with Bashir") nicht zu seiner vollen Entfaltung kommt. Weil die positiven Eindrücke von putzig watschelnden Babyenten, herumstreunenden Jungschweinen und verspielten Kätzchen überwiegen, werden insbesondere Kinder im Vorschulalter ins Schwärmen geraten. lasso.