Genaugenommen entzieht sich dieses "Nightmare Before Christmas" so ziemlich jeder Kategorisierung. Fest steht aber: Basierend auf seinen preisgekrรถnten Internet-Kurzfilmen ersinnt der Finne Jalmari Helander eine bizarre Nordlicht-Saga, wie sie garantiert nicht im Buche steht. Die verwegene Kombination aus sรคmischer Weihnachtsmann-Legende, extra-trockenem schwarzem Humor und bildstarker Horrorfantasy, verpackt im freundlichen Gestus eines gemรผtlichen Heimatfilms ist so finster wie manche Grimmsche Mรคrchen, bevor sie fรผr die Disney-Generation verplรผscht wurden.
Protagonist ist ein altkluger wie renitenter Knirps, der in schรถner Tradition von Familienklassikern steht und mit seinem alleinerziehenden, schwermรผtigen Fleischervati in einem eingeeisten Dorf in den Bergen wohnt, wo ein amerikanisches Unternehmen einen sagenumwobenen Berg anbohrt. Als daraufhin die Lebensgrundlage der Anrainer - eine Rentierherde - abgeschlachtet aufgefunden wird, sodann alle Kinder und auรerdem Heizkรถrper und รfen aus den Hรคusern verschwinden, blickt nur der kleine Pietari (Onni Tommila) durch: Hinter den mysteriรถsen Vorkommnissen steht der aus dem ewigen Eis freigelegte Santa Claus, ein gehรถrnter Geselle, dem nach Menschenfleisch verlangt. Als den Mรคnnern dann ein nackter Wilder in die Falle tappt, glauben sie das Problem gelรถst zu haben und den gewalttรคtigen Wicht fรผr ein rundes Sรผmmchen an die Amerikaner verhรถkern zu kรถnnen. Dabei hat der Spuk gerade erst begonnen, der ausgiebig "Das Ding aus einer anderen Welt", zuweilen auch "Kettensรคgenmassaker", "So finster die Nacht" und andere nur bedingt familienkompatible Vorbilder zitiert.
Zwar ist die Geschichte aus der Perspektive des kaum Elfjรคhrigen erzรคhlt, erfreut sich stilistischer Muรe, die die finnische Winterwelt in ihrer Pracht entfaltet, und durch den sozialrealistischen Hintergrund aber auch emotional grundiert ist. Dann wieder glaubt man, Aki Kaurismรคki habe sich mit John Carpenter verbรผndet, in einem dunklen Werk von einem Weihnachtsmann, der keine Geschenke bringt, sondern Blutopfer fordert. Doch der Horror wird entschรคrft, weil Helander auf jede vorweihnachtliche Hektik und Effekte-Stress verzichtet und selbst bei suspekten Rรผbezahl-Figuren einen liebevollen, entspannten Ton anschlรคgt. Man darf sich also getrost auf ein kleines Weihnachtswunder einstellen, bei dem selbst der Grinch nicht mithalten kann. tk.
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