Komödie über eine deutsch-polnische Hochzeit, Missverständnisse zwischen den beiden Völkern, Männer-Freundschaften und einen Ex-Rock'n'Roller auf bürgerlichen Abwegen.
Heimat und Identität, zwei Fragen, die Lars Jessen ("Am Tag als Bobby Ewing starb", "Dorfpunks") beschäftigen. Vom flachen Land in Norddeutschland treibt es ihn in "Hochzeitspolka" an die Ostgrenze Polens, da wo die Deutschen als Arbeitgeber neue Abhängigkeiten schaffen. Genau in diese Ödnis, vor der sein Vater warnte "im Grund ist das ein wildes Land", hat es den einst so coolen Sänger der Band "Heide Hurricane" Frieder verschlagen. Als Geschäftsführer einer Firma schwindelt er streikenden Arbeitern Gehaltserhöhung vor, obwohl er weiß, dass die Verlegung in die billigere Ukraine ansteht. Er möchte die Hochzeit mit der holden Polin Gosia ungestört feiern und dann ins eigene Häuschen ziehen. Es könnte alles völlig entspannt laufen, wenn nicht am Polterabend plötzlich seine früheren Band-Kumpels vor der Tür stehen würden, um den zünftigen Junggesellenabschied mit Party, Rock und Bommerlunder aufzumischen. Das gibt Stress zwischen Braut und Bräutigam, den einstigen Freunden und Polen und Deutschen.
Jessen lässt es krachen, spielt mit Polen- und Deutschenklischees, dass selbst Harald Schmidt vor Neid erblasst. Wurst und Wodka, derbe Witze und teutonische Arroganz ergeben eine krude Mischung, die auf der Leinwand in einem großen Besäufnis, einer wilden Schlägerei und vielen Missverständnissen mündet. Das Fehlen jeglicher political correctness verleiht dem Tohuwabohu anfänglich einen rauen Charme, der durch Redundanz an Wirkung verliert. Beide Seiten kriegen ihr Fett ab, was vielleicht auch an der Koregie und Koautorenschaft von Przemyslaw Nowakowski liegt. Gepfefferter Humor, manchmal auch knapp unter der Gürtellinie, der Verbindendes und Trennendes hervorhebt und teilweise gelungene Situationskomik sind die Pluspunkte dieser Gratwanderung zur Klamotte. Uneingeschränkt überzeugen dagegen Christian Ulmen als Jung-Spießer mit cooler Vergangenheit mal wieder als Unsicherheitsbündel ebenso wie Fabian Hinrichs als Großmaul und Party-Crasher. Trotz einiger illustrer Momente bleiben die Figuren eindimensional, wiederholte Suff-Szenen langweilen. Dafür amüsieren Culture-Clash und der satirische Ansatz, die Vorurteile durch Überspitzung lächerlich zu machen, das Spiel mit Klischees. Ob sich der sichtliche Spaß der Akteure auf das Publikum überträgt, ist abzuwarten. Vielleicht hilft da der "Eisgekühlte Bommerlunder" in polnischer Version der "Toten Hosen". mk.