Rebecca Millers Frauenporträt glänzt mit nuancierter Darstellung seiner Starbestzung, starken Dialogen und seiner Harmonie von Komik und Traurigkeit.
Wer ist diese Pippa Lee, die von Rebecca Miller in den Mittelpunkt ihrer vierten Regiearbeit gestellt wurde, auf vielen internationalen Filmfestivals auftauchte, dann aber doch nicht die verdiente Beachtung erfuhr? Nach Einschätzung ihrer Freunde ist sie ein Enigma, doch ihre unerschütterliche Gelassenheit ist tatsächlich kein Rätsel, sondern nur Ausdruck einer totalen Selbstaufgabe.
Bevor Pippa Lee (Robin Wright Penn) einen 30 Jahre älteren Mann (Alan Arkin) heiratete, zwei Kinder in die Welt setzte und ihren Tageshöhepunkt darin entdeckte, einen seltenen Gourmetkäse auf dem Wochenmarkt zu finden, war sie Tochter einer Hausfrau und widerwilligen Gebärmaschine, die Leben und Stimmungsschwankungen nur noch mit Tabletten ertragen konnte. Mutter und Familie kehrte die junge Pippa für immer den Rücken, ließ sich antriebs- und ziellos treiben, bis Verleger Herb in ihr einen attraktiven Freigeist erkannte, den er formen, führen und die ersehnte Sicherheit bieten konnte.
In Rückblenden lässt Miller ihre Romanheldin Pippa nun auch im Kino zurückblicken auf die zentralen Stationen ihres Lebens, während sie ihren Mann mit überbehütender Fürsorge schon vor seinem Tod beerdigt, ihn in eine Affäre treibt und schließlich auch selbst die Aufmerksamkeit eines anderen erfährt. Keanu Reeves spielt diesen verbitterten, nach der Scheidung wieder bei seiner Mutter gestrandeten Mann, in dem Pippa Lee eine verwandte Seele entdeckt, die befreit werden will.
Neben Reeves sind auch Julianne Moore als Öffnerin verbotener Türen, Winona Ryder als wunderbar verhuschte und verheulte Drama Queen und "Gossip Girl" Blake Lively mit einer erstaunlichen Performance als junge Ausgabe Pippa Lees zu sehen. Die Schauspieler, vor allem natürlich Robin Wright Penn mit einer perfekt nuancierten Darstellung ohne übertriebene dramatische Ausrufezeichen, sind das größte Kapital von Millers vierter Inszenierung, aber längst nicht das einzige. Diese Geschichte einer Selbstfindung verdient sich ihre vielleicht etwas überraschend positive und versöhnliche Auflösung durch interessante Figuren, Dialogstärke und durch die Harmonie von Komik und Traurigkeit - beides so leise im Auftritt wie Pippa Lee, aber letztlich - wie sie auch - für jeden Zuschauer wahrnehm- und nachempfindbar. kob.
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