Jim Sheridans Remake eines dänischen Erfolgsfilms präsentiert sich als sensibles Familiendrama über die traumatischen Nachwirkungen des Krieges.
"Brothers - Zwischen Brüdern" war ein international wahrgenommenes Qualitätssignal der dänischen Regisseurin Susanne Bier. Vier Jahre nach "Get Rich or Die Tryin'" ließ sich Jim Sheridan mit David Benioffs Adaption des Arthouse-Hits erneut auf das Skript eines Fremdautors ein, das sich für den Iren jedoch thematisch als Heimspiel mit ungleich überzeugenderen Resultaten als noch beim Vorgänger erweist. Die Auswirkung des Kriegs auf Stabilität und Dynamik von Familien, die Sheridan bereits in seinen IRA-Dramen "Im Namen des Vaters" und "Der Boxer" untersuchte, ist auch Leithema seines ersten Remakes, das zwei ungleiche Brüder in den Mittelpunkt stellt.
Sam Cahill (Tobey Maguire) ist Berufsoffizier, Kriegsheld, Ehemann und Vater, steht für Erfolg, Courage und Verantwortungsbewusstsein. Diese Qualitäten scheinen seinem Bruder Tommy (Jake Gyllenhaal) völlig abzugehen, der fahrlässig durchs Leben surft und die Nebenwirkungen gerade mit einer abgesessenen Gefängnisstrafe spürte. Sein Bruder liebt, sein Vater verachtet und seine Schwägerin Grace (Natalie Portman) meidet ihn, bis eine Tragödie die seit langem zugewiesenen Rollen in der Familie durcheinanderbringt. Als Sam beim Einsatz in Afghanistan vermeintlich ums Leben kommt, lernt sein Bruder Verantwortung zu übernehmen, tritt aus dem Schatten heraus, bis Sams überraschende Rückkehr die neue fragile Familienstruktur zu zerstören droht.
Um den Bruder im Kriegseinsatz für jeden Zuschauer nachvollziehbar als Helden demontieren zu können, weist ihm das Drehbuch - ähnlich wie bei Bier - eine unvorstellbare und traumatisierende Tat zu, die Maguires überzeugend gespielten emotionalen Absturz begründet. Nicht gerade subtil, aber wirkungsvoll erfüllen dabei die Taliban ihre Rolle als Teufel - als Auslöser einer psychischen Veränderung, die Maguires Figur unberechenbar macht. Die wachsende Paranoia des Kriegsheimkehrers provoziert eine neue Familiendynamik, die Maguires Vater seine Dämonen und Maguires Tochter ihren Konflikt mit einem erdrückenden Geschwisterschatten outen lässt, der auch die Beziehung der Brüder charakterisiert. Auch wenn Jim Sheridan sein Film für kurze Momente melodramatisch entgleitet, ist "Brothers" ein sehenswertes Familiendrama, das trotz der ernsten Thematik dank charmanter und heiterer Brechungen nie erdrückend wirkt, wie schon "In America" mit authentischen Kinderdarstellerinnen bezaubert und Maguire und Portman emotional fordernde Rollen zuweist. kob.