Autorenporträt
Nikolaus Cybinski, geboren 1936 in Bitterfeld. Studium in Freiburg und Paris in Geschichte, Deutsch, Französisch. 1965 – 2001 Lehrer am Hans-Thoma-Gymnasium in Lörrach.
Veröffentlichungen von Aphorismen seit 1975 in der Süddeutschen Zeitung, Schwäbischen Zeitung, Frankfurter Rundschau u. v. a.
Buchtitel: Werden wir je so klug sein, den Schaden zu beheben, durch den wir es wurden? (Aphorismen, 1979); In diesem Lande ist das Leben lustig! Wohin du schaust: Lachende Dritte (Aphorismen 1982); Die Unfreiheit hassen wir nun. Wann fangen wir an, die Freiheit zu lieben? (Aphorismen 1987); Von Gupf südlich (Prosastücke, 1988); Der Anruf während der Tagesschau (Erzählungen, 1990); Der Rest im Risiko (Aphorismen, 1992).
Cybinski serviert seinen Geist in Raten. Er schreibt Sätze ohne Zusammenhang. Sätze, die sich wechselseitig mal spiegeln und erhellen, mal relativieren und widersprechen. Sätze, die gedankliche Weite verraten – und in sprachliche Kürze gefasst sind.
Markus M. Ronner
Man liest diese schmalgeschliffenen Sätze. Und man freut sich an der jähen Wendung eines Gedankens hier, an einer unvermuteten Pointe dort.
Wer liebte denn nicht das harte Funkeln eines kunstvoll geschliffenen Diamanten? Der Aphorismus ist nichts anderes:.Hier ist die Welt in der Nussschale –
Reinhart Stumm
Und so macht sich Nikolaus Cybinski auf dem verlärmten Feld der veröffentlichten Wörter mit den Eigenschaften eines Ruinensprengmeisters und eines Klostergärtners zu schaffen. Gemeinplätze und Floskeln lädt er mit einer Handvoll Realität und lässt sie mit einem feinen Zünder aus Dialektik und Paradoxie hochgehen.
Wolfgang Heidenreich
Auf jeden Fall verbirgt sich hinter dem Moralisten, der sich auch als Ironiker und Satiriker entpuppt, ein Autor, der an engagierte und verantwortungsvolle Menschen im modernen Zeitalter glaubt. Doch der Moralist Nikolaus Cybinski legt sich nicht fest, da er kein vereinfachender und alles besser wissender Didaktiker ist. Vielmehr ist er ein sprachmäßiger Beobachter, der seinen Mitmenschen einen Spiegel vorhält, worin sie sich erkennen mögen.
Seine Publikationen legen eine beachtliche schriftstellerische Leistung dar, so dass Cybinski es verdient hätte, in die gängigen Literaturlexika aufgenommen zu werden.
Prof. Dr. Wolfgang Mieder, The University of Vermont
Kostproben aus dem Buch:
Wenn wir die Erde restlos begradigt haben, wird ihr Schöpfer sich möglicherweise offenbaren und lächelnd bekennen: Ich bin der Ungerade.
Der Tag, an dem wir ins Gras beißen, sieht uns alle endlich als Vegetarier.
Eine Logik, die es Parallelen erlaubt, sich frühestens im Unendlichen zu schneiden, muss sich fragen lassen, was alles sie in der Endlichkeit noch verbietet.
Immer öfter frage ich mich ratlos, wie lange mein kleiner Tante Emmamoralladen sich noch halten kann.
Als es passiert war, wurde mir plötzlich klar: Es war gekommen, wie es kommen konnte.
Seinen Whisky kannte jedes Kind. Er selbst blieb als Alkoholiker anonym.
Das Wort "Holocaust” kam vor Jahren wie gerufen. Es befreite uns mit einem Schlag aus der Verlegenheit, immer auf deutsch vom Völkermord reden zu müssen.
Was für ein Gefühl muss die Erde haben, in die wir am Ende gelegt werden, wenn sie anfängt, uns sich untertan zu machen?
Sein PC wünscht ihm jeden Morgen einen Guten Tag. Danach spricht keiner mehr mit ihm.
Was wir im Wort "Sozialabbau” eloquent auf den Begriff bringen, heißt in der Sprache der Begriffsstutzigen: Hunger haben. Frieren. Unter Brücken schlafen.
Sein Lebtag hielt er nichts von der Kunst und starb zuletzt doch an ihr. Die Ärzte hatten einen Fehler gemacht.
Oben schmelzen die Gletscher ab und unten vereist das soziale Klima. Weiß einer, wie dieses Phänomen zu deuten ist?
Die Deutschen: alt und älter! Mein Gott, was wird aus diesem Land, falls sie nun noch weise werden?