Geschichte des berüchtigten italienischen Ganoven Renato Vallanzasca und seiner Gang, die in den 1970er Jahren brutal die Unterwelt von Mailand beherrschten.
Frankreich hatte den Gewaltverbrecher Jacques Mesrine als Staatsfeind Nummer Eins, Italien seinen Vallanzasca. Beider Leben wurde verfilmt. 2008 inszenierte Jean-François Richet den zweiteiligen Spielfilm "Public Enemy No. 1 - Mordinstinkt" und "Public Enemy No. 1 - Todestrieb". Michele Placido wagte sich ein Jahr später an den italienischen Gegenpart Renato Vallanzasca. Mögen sich auf dem ersten Blick Parallelen ergeben - beide waren Produkte ihrer Zeit, charismatische Egozentriker und bei Frauen beliebt, beiden gelangen wiederholt spektakuläre Gefängnisausbrüche. Aber Mesrine, ein Einzelgänger mit Ehre, der sein Wort hielt, wurde von der Polizei 1979 hingerichtet und zum Mythos, der eiskalte Killer und Gangsterboss Vallanzasca, genannt "il bene René" (der schöne René) büßt heute noch seine Strafe ab.
Schon als Neunjähriger kam er erstmals mit dem Gesetz in Konflikt, nach einem Heimaufenthalt startete er eine beispiellose Kriminellen-Karriere, verprasste das erbeutete Geld in Clubs und teuren Restaurants. Mit dem berüchtigten Paten Mailands kommt es zu Revierkämpfen, die Stadt leidet unter ihrer Schreckensherrschaft, die Brutalität eskaliert bei Entführungen und Raubüberfällen, bis den gefürchteten Ganoven das Glück verlässt.
Placido war nicht an der 1:1-Umsetzung von Vallanzascas Autobiographie und deren Wahrheitsgehalt interessiert, sondern nähert sich wie ein Insektenforscher der Titelfigur, versucht, in ein kriminelles Gehirn einzudringen und herauszufinden, was so einen Menschen antreibt, warum er der Lust am Bösen frönt und das Gute ablehnt. Dabei hastet er durch das Leben des Verbrechers, für den nicht Moral, aber ein Stück Freundschaft zählt.
Die Unterweltgröße verkörpert Kim Rossi Stuart, der schon in Placidos "Romanzo Criminale" mitspielte, an seiner Seite steht Moritz Bleibtreu als Viertelsizilianer und Mitglied von Vallanzascas grausamer Gang. Neben dem Psychogramm eines Mannes, der skrupellos seine Rivalen aus dem Weg räumte, sind vor allem die Details interessant, Frisuren bis auf die Koteletten, Kleidung und Habitus entsprechen exakt den 1970er Jahren, das Gefühl der "milanaseti", das Ambiente des damaligen Mailands wird auf der Leinwand wieder entdeckt. Bleibt zu hoffen, dass Placidos Werk besser an der Kinokasse reüssiert als Richets Meisterstück. mk.
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