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★★★★★
☆☆☆☆☆
Der Hype um die Auster?!
Kristin G. - Bewertet am 21.03.2026
Zustand: Exzellent
Um das Buch mit der Auster & die dazugehörige Kampagne kommt man gerade nicht vorbei. Auch ich habe mich in den Sog ziehen lassen und ein Rezensionsexemplar erhalten. Aber worum geht es & sind die ersten Lobeshymnen gerechtfertigt?
Der Roman ist in 3 Teile gegliedert, man könnet vereinfacht sagen… Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, ganz so simpel lässt es sich dann doch nicht beschreiben. Es beginnt, recht logisch, mit dem ersten Teil und der Liebesgeschichte von Lily und Matthew. Eine Geschichte, die erst einmal sehr stereotypisch wirkt. Sie Tochter chinesischer Einwanderer, er Sohn einer der reichsten Familien Amerikas. Ich gebe zu, anfangs hatte ich die Befürchtung auf eine Art Pretty-Woman-Story getroffen zu sein und wurde, Gott seid Dank, eines Besseren belehrt. In diesem Abschnitt werden buchstäblich die ersten Samen für den Sinn des Buches gelegt & man erahnt langsam, was der Kern sein könnte.
In der Gegenwart, dem zweiten Teil, lernen wir Nick kennen, Lilys Sohn & erleben mit ihm die Zeit vom Jugendlichen zum jungen Erwachsenen. Man erlebt mit ihm Identitätskrisen, erste Entscheidungen zu treffen die sein Leben prägen werden und die Suche nach seinem Vater. Und es tauchen immer wieder ähnliche Fragen und Gedankengänge auf, nach dem Wieso, Warum, Weshalb, Wozu, nach dem Sinn, der Richtigkeit. Was genau muss jeder selbst erlesen.
Der dritte Teil, mein persönlicher Liebling, spielt zwar für das zeitliche Verständnis in der Zukunft, spannt genaugenommen aber den Bogen über die gesamte Geschichte. Hier geht es um May, Lilys Mutter und Nicks Großmutter. Sie erzählt die Geschichte, die wir alle hören wollen, sie gibt für mich der Handlung den Sinn den es braucht. Großartig – no words needed!
BTW wie gut ist dieses Buch nun?
Mein Resümee: Ich habe das Buch sehr gern gelesen, es ist ein gutes Buch mit flüssigen Schreibstil, der sich unkompliziert lesen lässt. Jedoch war es kein Highlight für mich, der erste Teil und auch stellenwiese der zweite Teil, empfand ich als langatmig bzw. unnötig in die Länge gezogen. Der dritte Teil, war perfekt, wundervoll zu lesen und das Ende hat mich mit dem Buch sehr versöhnlich gestimmt. Insgesamt hätte ich mir, weil ich es gerne mag, gewünscht, dass die Ebenen und Charaktere sich im Buch mehr abgewechselt hätten. Fazit eine schöne Lektüre und Leseempfehlung.
Zum Schluss noch ein großes Lob an den KiWi-Verlag für die Kampagne rings um das Buch, ich finde es eine außergewöhnliche Idee, die sehr schön umgesetzt wird und hoffe, dass sie für weitere Bücher erhalten bleibt und fortgeführt wird.
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☆☆☆☆☆
Trotz großem Potenzial erstaunlich wenig emotionale Tiefe
Mirjan S. - Bewertet am 02.02.2026
Zustand: Exzellent
Mit Real Americans legt Rachel Khong einen ambitionierten Generationenroman vor, der in den USA als großer Bestseller gefeiert wurde und nun in der deutschen Übersetzung von Tobias Schnettler bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist. Erzählt wird die Geschichte einer chinesisch-amerikanischen Familie… über mehrere Jahrzehnte hinweg: von New York um die Jahrtausendwende bis in eine nahe Zukunft. Im Zentrum stehen Fragen nach Herkunft, Zugehörigkeit, sozialer Ungleichheit und der provokanten Idee, Schicksal genetisch beeinflussen zu können.
Meine Meinung
Ich bin mit sehr hohen Erwartungen an dieses Buch herangegangen. Die starke Bewerbung (nicht zuletzt im Kontext von „Deutschland liest ein Buch“) hat den Eindruck vermittelt, hier einen der seltenen Romane in der Hand zu halten, die ein ganzes Jahrzehnt prägen können. Entsprechend groß war meine Neugier.
Thematisch ist Real Americans ohne Zweifel sehr vielfältig. Besonders die Darstellung von Migration und Assimilation hat mich stellenweise sehr überzeugt. Khong beschreibt eindrücklich, wie Anpassung zur Überlebensstrategie wird, bis hin zu einem beinahe ritualisierten Amerikanischsein: „Es war, als folgten sie einem Handbuch zum Amerikanischsein.“ (S. 57)
Auch Fragen von Identität und Othering werden immer wieder differenziert aufgegriffen, etwa in der Reflexion über interracial relationships und Machtverhältnisse: „Warum waren wir alle in einer Beziehung mit weißen Männern?“ (S. 87) Diese Passagen sind meiner Meinung nach deshalb so stark, weil sie keine einfachen Antworten liefern, sondern Unsicherheiten und innere Widersprüche sichtbar machen.
Trotz dieser inhaltlichen Stärken blieb für mich aber ein zentrales Problem bestehen: die Figurenzeichnung. So groß der Roman angelegt ist, emotional konnte ich mich kaum einer der Figuren wirklich annähern. Viele Charaktere blieben für mich erstaunlich unnahbar, fast wie aus analytischer Distanz betrachtet. Gerade Lily, deren Lebensweg so viel inneres Konfliktpotenzial birgt, blieb für mich seltsam verschlossen. Ich habe ihre Entscheidungen verstanden, aber selten wirklich (mit-)gefühlt.
Hinzu kommt die Struktur des Romans. Die Vermischung der Zeitebenen und Perspektiven hatte theoretisch großes Potenzial, wirkte auf mich jedoch häufig zersplitternd statt vertiefend. Statt Spannung oder emotionale Verdichtung entstand stellenweise Länge. Einige Passagen empfand ich als langatmig und wenig fokussiert, obwohl der Roman insgesamt sehr umfangreich ist.
So hatte ich beim Lesen immer wieder das Gefühl, dass Real Americans eigentlich alles mitbringt, um ein Highlight zu sein: starke Themen, kluge Gedanken, gesellschaftliche Relevanz. Und doch blieb vieles davon für mich ungenutzt. Die Geschichte hat mich daher im wahrsten Sinne des Wortes eher beschäftigt (Lesen des Lesens willen) als berührt (Lesen um was zu Lernen).
Fazit
Real Americans ist ein Roman, den man lesen kann, aber meiner Meinung nach nicht zwingend lesen muss. Wer sich für Fragen von Herkunft, Migration, Identität und gesellschaftlichem Fortschritt interessiert, findet hier viele Denkanstöße. Leser:innen, die sich emotionale Nähe, intensive Figurenentwicklung und erzählerische Verdichtung wünschen, könnten jedoch enttäuscht werden. Für mich blieb das Buch trotz seines großen Anspruchs leider im Mittelfeld.