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Wenn wir in Spanien verlieren …

Dieter Nelles (Broschiert, Deutsch)

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Beschreibung
Eine sympathische Charakterisierung von Benner findet sich in seiner Krankenakte. Ein schwedischer Arzt schrieb über ihn: »Ein etwas unter- setzter Mann mit einem Gesicht wie aus Holz geschnitten. Ein sehr intelligenter und von besonderer Eigenart geprägter Mensch, alter Freiheitskämpfer und Aufwiegler, offen, vertrauensvoll, intellektuell.« Sein Freund Helmut Rüdiger hätte noch seinen ausgeprägten »Gerechtigkeits- sinn« ergänzt und Benner selbst: »Ich bin ein fröhlicher Rheinländer, der die Freiheit über alles liebt.« So sollten wir Fritz Benner in Erinnerung behalten. Er hätte sich vermutlich gefreut. Einleitung »Mir fällt immer noch ein«, schrieb Fritz Benner 1953 an den niederländi- schen Genossen Albert de Jong, »dass ich Dir in Spanien sagte: ›Verlieren wir hier, versackt eine Generation von Revolutionären.‹ Leider habe ich sehr weit recht behalten. Gewiss, mit Hitler wurde man fertig. Das war gut und nötig; ich würde sonst längst tot sein. Aber – der Faschismus wurde fast ausschliesslich militärisch geschlagen, nicht durch den Kampf der Massen. Jetzt die Enttäuschung der ehrlichen Massen nicht zuletzt in Deutschland – die an Russland und die Kommunisten glaubten. Deshalb dieser tote Punkt, den wir nicht überwinden können. Wir sterben lang- sam aus.« Fritz Benner und seine anarchistischen Genoss*innen erlebten in Spanien einen »kurzen Sommer der Anarchie«. Spanien war für sie nicht nur ein sicherer Zufluchtsort gewesen, sondern für kurze Zeit eine zweite Heimat, in der ihre revolutionären Ideale verwirklicht schienen. Mit der Niederlage in Spanien begann für sie in gewisser Weise unter verschärften Bedingungen ein zweites Exil. Benner erhielt erst 1949 von den britischen Behörden die Erlaubnis nach Wuppertal zurückzukehren. Aus familiären Gründen ging er 1952 wieder nach Schweden zurück, wo er jedoch nie heimisch wurde. Dazu schrieb er an de Jong: »Du hast schon recht, dass ich nicht sonderlich glücklich bin. Aber – das Problem ist unlöslich. Ich passe nicht ins Ausland. Vor allem schon deshalb nicht, weil ich es so schwer habe, Sprachen zu lernen. In Schweden passe ich aber auf keinen Fall; der schw[edische] Lebensstil ist mir in tiefster Seele zuwider. (…) Lieber Albert, es ist nicht leicht in meinem Alter wieder als ungelernter Arbeiter zu gehen, der Knecht der anderen zu sein. In D[eutsch land] hatte ich meinen Beruf, hatte alle Privilegien usw. Früher als Flücht- ling, habe ich alles ohne Murren ertragen, damals war ich Opfer im Kampfe. Aber – das bin ich heute nicht mehr; ich hätte schon nach all diesen Jahren Gefängnis, KZ und Emigration ein besseres Schicksal verdient.«3 Seine Ausführungen zeigen, dass für Benner das »Versacken« nicht nur eine politische, sondern auch eine tragische persönliche Komponente hatte. Bis zu seinem Tod 1966 litt er unter erheblichen gesundheitlichen Problemen, Depressionen und versuchte sich mehrmals das Leben zu nehmen – diese Verzweiflung war nicht zuletzt das Ergebnis seiner Verfolgung im Nationalsozialismus und der 14 Jahre im Exil. Die Geschichte Fritz Benners gehört zum Exil der »kleinen Leute«, dem sich die historische Forschung weit weniger gewidmet hat als dem der bekannten Politiker, Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler*innen. »Hinweise auf die Motive, die soziale Zusammensetzung, die Überlebens- strategien dieser Mehrheit, auf ihre Emigrationsodysseen und ihre Ver- zweiflung finden sich nur vereinzelt« Im zweiten Kapitel skizziere ich seine Aktivitäten in der anarchosyndikalisti- schen Bewegung bis 1933 in Wuppertal, seine Verhaftung und Inhaftierung. Das folgende Kapitel widmet sich seiner Exilzeit in den Niederlanden, Spanien und Schweden. Das vierte Kapitel behandelt seine Rückkehr nach Deutschland sowie seine anschließende Remigration nach Schweden im Jahr 1953. Im abschließenden Kapitel gehe ich detailliert auf seinen Kampf um Wiedergutmachung bis kurz vor seinem Tod ein und beleuchte seine Gedanken zum Anarchismus und zur Politik.
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Technische Daten


Erscheinungsdatum
17.12.2025
Sprache
Deutsch
EAN
9783943643329
Herausgeber
de Noantri
Serien- oder Bandtitel
Verfolgung und Widerstand in Wuppertal
Sonderedition
Nein
Autor
Dieter Nelles
Seitenanzahl
80
Auflage
1
Einbandart
Broschiert

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