Sensibles, allegorisches Drama über zwei Jungen, die über den Zaun eines Konzentrationslagers hinweg Freundschaft schließen.
Am Anfang glaubt man sich in John Boormans "Hope & Glory", wenn Kinder mit ausgestreckten Armen durch die Straßen Berlins schwärmen, als wären sie Reichsflieger und die Dramen des Kriegs nur ein Spiel. Hier, Anfang der Vierzigerjahre, berühren sich die Welten der Täter und Opfer kaum, denn es ist Alltag, wenn Lastwagen Juden aufsammeln und verschwinden lassen. Dass es für immer ist, weiß ein parteitreuer Nazioffizier (David Thewlis). Denn er soll auf dem Land ein Lager leiten, das den Tod systematisch und grausam organisiert. Während die Frau des Kommandanten (Vera Farmiga) glaubt oder sich einredet, dass hier gearbeitet und nicht gestorben wird, hält ihr achtjähriger Sohn Bruno das umzäunte Areal für einen Bauernhof, auf dem die Arbeiter eigenartigerweise "Schlafanzüge" tragen. Weil ihm Freunde fehlen und Verbote für Kinder Verführung bedeuten, bricht Bruno das Tabu und erforscht den von einem Waldstück getrennten Komplex jenseits des Hauses. Hinter Stacheldraht findet er den gleichaltrigen jüdischen Jungen Shmuel, der nicht versteht, warum er hier ist, aber doch weiß, dass Brunos Einschätzung, hier sei alles ein großes Abenteuer, nicht seiner Realität entspricht. Zwischen den Kindern entwickelt sich eine Freundschaft, deren Unschuld die Hoffnung repräsentiert, weil die Lügen des Kriegs und des instrumentalisierten Hasses bei ihnen keinen fruchtbaren Boden finden. Im Unterschied zu Brunos Schwester, die bereits von Hitler und einem jungen Leutnant träumt, der für den Modellnazi steht wie Brunos Vater für Mensch und Monstrum und Brunos Mutter für die Frage, ob Wahrheit verdrängt oder nicht erfahren wurde. Etwas plakativ und didaktisch wirken die Rollenzuweisungen, weshalb auch der Lehrer Brunos ein zynischer Antisemit und der Gehilfe aus dem Lager ein gütiger Arzt ist. Fraglich ist auch, ob ein tragisches Finale wie dieses ein Begleitgewitter wirklich nötig hat. Trotzdem verfehlt Mark Hermans Verfilmung von John Boynes Bestseller ihre Wirkung nicht. Denn die Perspektive von außen und aus Kinderaugen auf das Grauen ist ungewöhnlich und gerade für junge Zuschauer als Köder wichtig, sich mit einer Vergangenheit auseinanderzusetzen, in der auch Naivität und Nichtwissen den gewaltsamen Tod von Millionen überhaupt erst möglich machte. kob.
Hersteller: Kinowelt Home Entertainment, Karl-Tauchnitz-Str. 10, Leipzig, 04107, info@kinowelt.de