Autorenporträt
Von seiner Haut ging ein kühler Glanz aus, geradezu metallisch, und wenn er in jenen Jahren auch immer einen dieser teuren Brooks-Brothers-Anzüge trug – wie Abraham Lincoln, als er erschossen wurde – so hätte es doch niemanden überrascht, wäre Miles’ Körper, wie der eines afrikanischen Prinzen, mit Gold bestäubt gewesen. Man hielt ihn für jünger als er war. Wollte er Alkohol kaufen, musste er sich ausweisen. Auch die Frauen täuschte sein Anblick. Trotz seiner samtigen, fast mädchenhaften Augen konnte er, wenn es darauf ankam, hart und unerbittlich sein.
Charles Mingus sah anders aus, anders als Miles und anders als jeder andere. Sein Haut wirkte wie Holz, das angeschwemmt worden war und Jahre an der Küste des Pazifik gelegen hatte, von Sonne und Salz gegerbt. Sein Körper war groß und massig, und man konnte sich vorstellen, wie es irgendwo in seinen Tiefen grummelte, wie sich in ihm ein Gewitter anbahnte, um schließlich auf das Griffbrett seines Basses überzugreifen, mit schweren Donnerschlägen und elektrischen Entladungen.
Mingus’ Körper bildete einen breiten Wall, der ihn gegen die Außenwelt schützte. Miles dagegen genügte eine Art metallischer Legierung, hauchdünn und kalt schimmernd. Mit einem harten, schnellen Ton erreichte er das gleiche wie Mingus mit seinen wilden Explosionen. Beide waren scharf geladen; Losschlagen oder Losspielen, darauf kam es am Ende nicht an. So sehr sie sich auch äußerlich unterschieden, in Wahrheit ähnelten sie einander mehr als sonst jemandem.
Schlagwörter
Davis, Miles, Musik, Birth of the Cool, Jazz