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★★★★★
☆☆☆☆☆
Suche nach der eigenen Geschichte
Luise G. - Bewertet am 17.10.2023
Zustand: Exzellent
"Paradise Garden" von Elena Fischer ist eine bewegende Coming-of-Age-Geschichte, die das Leben von Billie, einer 14-jährigen Protagonistin, in den Mittelpunkt stellt. Der Roman fängt die emotionale Achterbahnfahrt ein, die Billie erlebt, nachdem sie ihre Mutter verloren hat. Die Beziehung zwischen… Billie und ihrer Mutter erinnert sehr an die dynamische Bindung der Gilmore Girls - nicht zuletzt, weil die Mutter Cowboy Stiefel besitzt, selbst früh von zu Hause fort gegangen ist und ein schwieriges Verhältnis zu ihrer eigenen Mutter hat.
Im zweiten Teil des Romans macht sich Billy im alten Auto ihrer Mutter auf die Suche nach ihrem Vater. Ab dort erinnert der Roman an den Roman Tschick, wobei Billies Geschichte insgesamt hoffnungsvoller und positiver erscheint.
Mir hat die Coming-of-age-Story insgesamt sehr viel Spaß gemacht, zu lesen, auch wenn ich mit den Bezügen zu Gott nichts anfangen konnte und mich Fehler in der Kontinuität der Geschichte teilweise gestört haben (plötzlich ist Milch im Kühlschrank, plötzlich kann die Protagonistin Autofahren, plötzlich ist die kaputte Autotür nicht mehr so kaputt, dass sie in Kurven festgehalten werden muss, Handys und Internet existieren in der Geschichte nicht).
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★★★★★
☆☆☆☆☆
Leben im Schatten
Petra B. - Bewertet am 14.10.2023
Zustand: Sehr gut
Das Cover ist mit einem hoffnungsvoll schauenden Mädchen vor einem grünem Hintergrund gestaltet.
Der Schreibstil liest sich leicht verständlich und lebendig.
Tiefgründig wird von dem Mädchen Billie berichtet, dass im Alter von 14 Jahren ihre Mutter verliert und sich auf die Suche nach ihrem Vater… und nach sich selbst macht.
In der Handlung geht es um Familienbeziehungen und Armut. Billie und ihre Mutter leben in einem Hochhaus am Randes des Existenzminimums. Aber ihre Mutter versucht mit viel Fantasie, ihr Leben bunt zu gestalten. Melancholie, Euphorie und Lebenslust und Frust gehen hier nebeneinander her.
Das pubertierende Mädchen handelt aus dem Bauch heraus und ist voller Wut, die sie irgendwo ablassen muss. Aber trotz ihres großen Verlustes, gibt sie nicht auf und geht ihren Weg.
Fazit:
Ein berührender Roman über den Leidensweg einer hoffnungsvollen Seele!
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★★★★★
☆☆☆☆☆
Eine 14-Jährige zwischen Armut, Trauer, Wut, auf der Suche nach Identität & Herkunft
Julia S. - Bewertet am 03.10.2023
Zustand: Exzellent
„Meine Mutter starb diesen Sommer.
Ein Lied im Radio war nur noch Geräusch und keine Einladung mehr mitzusingen, obwohl keine von uns den Text kannte. Ein Regenguss war nur noch Wetter und keine Gelegenheit mehr, nach draußen zu laufen und barfuß in einer Pfütze zu tanzen.“
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INHALT:
Niemand… wohnt freiwillig in den Wohnblöcken am Stadtrand, in denen die 14-jährige Billie mit ihrer Mutter lebt. Eine Adresse mit schlechtem Ruf.
Sie haben nicht viel zum Leben. Die Mutter hält sie beide mit Putzen und Kellnern über Wasser. Die Möbel sind vom Sperrmüll und am Ende eines Monats ist der Kühlschrank meistens leer.
Doch sie haben einander, machen stets das Beste aus ihrer Situation und das bedeutet ihnen viel.
Den Sommer verbringen Mutter und Tochter normalerweise Limonade schlürfend in Liegestühlen auf dem Laubengang direkt vor ihrer Wohnungstür.
Im Freibad stellt sich Billie vor, von einer Klippe ins Meer zu springen.
Als sie eines Tages im Radio Geld gewinnen, wünschen sie sich nichts sehnlicher, als einmal richtig in den Urlaub zu fahren. Florida wäre toll. Oder doch lieber Frankreich? Billie träumt seit sie denken kann, vom Meer.
Doch dann kommt ein Anruf der Großmutter dazwischen, der alle Pläne durcheinanderwirbelt.
„Ich kannte meine Großmutter nicht, aber dass sie nichts gut fand, was meine Mutter mochte, hatte ich schon herausgefunden.“
Ein folgenreicher Streit stellt Billies Leben komplett auf den Kopf.
Schließlich setzt sie sich in den alten Nissan und begibt sich auf Spurensuche nach ihrer Herkunft und nach ihrem unbekannten Vater …
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MEINUNG:
Bereits beim ersten Satz des Buches wird deutlich, dass Billie in frühen Jahren ihre Mutter verloren hat.
Von da an folgen zahlreiche Rückblicke in die Vergangenheit. So bekommen Lesende nach und nach ein immer klarer werdendes Bild vom Alltag und der engen Beziehung zwischen Mutter und Tochter.
Billie kennt schon bald alle Tipps und Tricks, um mit wenig Geld über die Runden zu kommen. Dennoch gelingt es ihrer Mutter, mit viel Kreativität, stets das Beste aus ihrer Situation herauszuholen. Gemeinsam genießen sie diese kleinen Momente des Glücks.
Dieser Zusammenhalt ist auch in der Nachbarschaft spürbar. Wenn jemand Hilfe braucht, ist man füreinander da.
Die einzelnen Figuren und deren Beziehungen zueinander sind der Autorin meiner Meinung nach, besonders gut gelungen.
Ich habe vor allem Billies Mutter bewundert, die neben ihren beiden Jobs alles gibt, um ihrer Tochter Liebe, Halt und Zuversicht zu schenken.
Gleichzeitig habe ich sehr mit Billie mitgefühlt, als eines Tages ein so großer Teil ihres Lebens von jetzt auf nachher wegbricht. Wut und Trauer kommen dabei für Lesende spürbar zum Ausdruck.
Dass sie sich schließlich auf die Suche nach ihrer Herkunft und nach dem unbekannten Vater begibt, ist mehr als verständlich. Wie sonst soll sie nach vorne schauen, wenn sie so viele ungeklärte Fragen hat?
Die Entwicklung der Geschichte war mir spätestens im letzten Drittel des Buches leider zu unglaubwürdig.
Ohne, dass ich zu viel verraten möchte, aber hier verläuft gefühlt alles wie am Schnürchen. Da hätte ich mir doch etwas mehr an Schwierigkeiten, Herausforderungen oder auch mal ein Scheitern gewünscht – das hätte der Geschichte mehr Authentizität beschert.
Aber sonst hat mir das Buch gut gefallen. Der schöne Schreibstil macht es einem leicht, die Sätze zu mögen und am Ball zu bleiben. Tatsächlich habe ich die Lektüre an einem Tag verschlungen, so sehr wollte ich wissen, wie es mit Billie weitergeht.
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FAZIT: Ein Coming-of-Age-Roman mit Themen wie Mutter-Tochter-Beziehung, Armut, Tod, Trauer und die Suche nach Identität und Herkunft, den ich durchaus empfehlen kann, auch wenn ich mir den Verlauf der Geschichte etwas glaubwürdiger gewünscht hätte. 4/5 Sterne!
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(C. N.: Tod, Trauer)