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Beschreibung
Mit ihrem zweiten Roman etabliert sich Elena Fischer als unverkennbare Stimme der neuen deutschen Literatur Eine Geschichte über vorgezeichnete Lebenslinien und den Mut, auszubrechen Joseph ist einsam und hadert mit seinem Schicksal, nicht erst, seit seine Frau Lis mit dem gemeinsamen Sohn in die Stadt gezogen ist, weil sie den Alltag auf dem Hof nicht mehr ausgehalten hat. Wahrlich etwas Besonderes in den Sechzigerjahren auf dem Land. Zum Glück ist da noch Ada, Lis' ältere Schwester, mit der sich Joseph schon immer sehr verbunden fühlt. Und dann steht plötzlich die 20-jährige Birdie vor seiner Tür, geschwächt und auf der Flucht vor ihrer Familie. Lis, Ada und Birdie - sie werden ihrem eigenen, aber auch Josephs Leben eine ganz neue Richtung geben. Sein Vater hat ihm einiges hinterlassen: das Haus, den Hof, die Tiere - und damit immer genug zu tun. Was er Joseph nicht mitgegeben hat, ist die Fähigkeit zu reden – über Angst, Krieg oder Liebe. So ist auch Joseph zu einem Mann geworden, den seine Verluste wortkarg machten. Sein Bruder ist ertrunken, die geliebte Großmutter gestorben und seine Frau Lis ist mit dem gemeinsamen Sohn zurück in die Stadt gezogen. Gerade, als Joseph den Tod als besten Ausweg zu akzeptieren beginnt, klingelt es an der Tür und Birdie fällt ihm in die Arme und in sein Leben. Während sie sich langsam erholt und von ihrer Liebsten und ihren Berufsträumen zu erzählen beginnt, stellt sich Joseph Wahrheiten, vor denen er bislang Reißaus genommen hat. Über sich als Bruder und Vater und liebenden Mann. »Erzähltempo und Cliffhanger treiben die Geschichte voran und machen das Debüt zu einer mitreißenden Lektüre, die man nicht mehr aus der Hand legen kann.« Ursula Nowak / Deutschlandfunk, Köln
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Technische Daten


Erscheinungsdatum
22.07.2026
Sprache
Deutsch
EAN
9783257073904
Herausgeber
Diogenes
Sonderedition
Nein
Autor
Elena Fischer
Seitenanzahl
304
Auflage
1
Einbandart
Gebundene Ausgabe
Einbandart Details
Leinen (ohne Verstärkung)

Transparenz & Sicherheit

Hersteller: Diogenes Verlag AG, Sprecherstrasse 8, Zürich, Schweiz, 8032, info@diogenes.ch, Diogenes Verlag AG

4.5
Aus 2 Bewertungen zu Wirf einen Schatten
Aus 2 Bewertungen zu Wirf einen Schatten
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Über das Sichtbarwerden
Mirjan S. - Bewertet am 28.07.2026
Zustand: Exzellent
„Man muss sich erlauben, der Mensch zu sein, der man sein will.“ (S. 119) Mit diesen Worten fordert eine junge Frau das starre Gefüge eines Mannes heraus, der das Reden nie gelernt hat. „Wirf einen Schatten“ von Elena Fischer erscheint am 22.07.2026 im Diogenes Verlag und führt uns mitten hinein in die erdrückende, von Traditionen geprägte Atmosphäre der Sechzigerjahre auf dem Land. Es ist die Geschichte von Joseph, einem wortkargen Bauern, der nach dem Weggang seiner Frau Lis und des gemeinsamen Sohnes Samuel mit der Einsamkeit und den Traumata der Vergangenheit ringt. Als die junge, schwangere Birdie auf der Flucht vor ihrer Familie bei ihm strandet, gerät sein fragiles, verschlossenes System ins Wanken und zwingt ihn, sich den ungesagten Wahrheiten seines Lebens zu stellen. Nachdem mich Elena Fischers Debüt „Paradise Garden“ absolut umgehauen und damals (2023) sogar meine Liebe zu Romanen abseits von Fantasy und Thrillern geweckt hat, war die Vorfreude auf ihr neues Werk riesig. Die Autorin besitzt unbestreitbar wieder dieses unglaubliche Talent, vielschichtige, tiefgründige Figuren zu zeichnen. Besonders die Zerrissenheit von Joseph hat mich berührt und mitgenommen. Seine Unbeholfenheit als Vater, die er aus der eigenen Angst speist, so grausam wie der eigene Vater zu werden, betrifft eine Kernessenz des Buchs: „Ich wollte kein schlechter Vater sein […]. Aber ich wusste auch nicht, wie das geht, ein guter Vater sein. Und dann habe ich es einfach ganz gelassen.“ (S. 162). Diese ehrliche, schmerzhafte Reflexion über die generationenübergreifende Sprachlosigkeit der Nachkriegszeit ist für mich eine der größten Stärken des Romans. Elena Fischer arbeitet mit zwei Zeitebenen, wobei die Vergangenheit rückwärts erzählt wird; ein struktureller Kniff, der die Entfremdung zwischen Joseph und Lis auf eine frische und wohl überlegte Art seziert. Beeindruckend fand ich auch, wie geschickt gesellschaftliche Debatten der Sechziger scheinbar mühelos miteinander und in die Geschichte verwoben werden. Durch Birdie bricht das Thema der weiblichen Emanzipation, der lesbischen Liebe und der Tabubruch der Abtreibung in Josephs konservative Welt. Wenn Birdie bitter anmerkt, dass Frauen, die mehr vom Leben wollen als Aufopferung, als „Neurotikerinnen“ (S. 89) abgestempelt werden, zeigt das die scharfe analytische Beobachtungsgabe der Autorin. Und doch muss ich ehrlich sagen: Der große Funke bzw. dieses magische Highlight-Gefühl wie beim Debüt, ist bei mir diesmal leider nicht übergesprungen. Ob es am rauen, isolierten Hof-Setting lag, der Figurenzeichnung (teilweise hätte ich mir noch mehr Insights gewünscht) oder der Geschichte selbst; streckenweise zog es sich für mich ein wenig. Josephs Passivität und sein langes Zögern forderten meine Geduld beim Lesen durchaus heraus, auch wenn es psychologisch absolut stimmig zu seiner Figur passt. Am Ende kann ich nur sagen: Was bleibt ist ein sprachlich wunderschöner, feinsinniger Roman über das Sichtbarwerden. „Wirf einen Schatten“ ist ein Buch, das sich Zeit nimmt und vor allem denjenigen Menschen bestimmt sehr ans Herz wachsen wird, die ruhige, charaktergetriebene Familiengeschichten und historische Emanzipationserzählungen lieben. Von mir gibt es jedenfalls eine Leseempfehlung. Ein herzliches Dankeschön an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar!
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Lebenswege und Berührungspunkte
Jenny V. - Bewertet am 22.07.2026
Zustand: Exzellent
„Die meisten Geschichten lassen sich in wenigen Sätzen zusammenfassen, doch das ändert nichts daran, das sie für den Rest unseres Lebens in uns rumoren.“ Inhalt Nachdem Joseph von seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn verlassen wurde, lebt er allein auf seinem Bauernhof. Ein halbes Jahr hat er verzweifelt auf eine mögliche Rückkehr der beiden gewartet, doch auch am Weihnachtsabend bleibt es still. Das alte Gewehr seines Vaters kommt ihm zupass und er beschließt, seiner Einsamkeit ein Ende zu setzen. Doch bevor er den Abzug betätigen kann, steht eine junge Frau in Nöten vor seiner Tür und wirbelt sein Leben durcheinander. Birdie ist nicht nur verletzt, sondern befindet sich auch auf der Flucht vor ihrer Familie. Und Joseph gibt sich damit zufrieden, dass er endlich wieder eine Aufgabe hat. Langsam schöpft er neuen Lebensmut und verlässt sein Schneckenhaus. Unterstütz wird er dabei von seiner Schwägerin Ada, für die er schon viele Jahre tiefe Gefühle hegt. Vielleicht gelingt es ihm nun endlich, dem Weg seines Herzens zu folgen und zu den Menschen, die ihm wirklich wichtig sind zu stehen. Meinung Vergangenes Jahr habe ich mit „Paradise Garden“ den ersten Roman der Autorin kennengelernt und dieser hat mich dazu bewogen, direkt zu ihrem neuen Buch zu greifen. Der Klappentext verrät nicht zu viel, die Geschichte entwickelt sich erst beim Lesen und ist mir dann mit jeder Zeile mehr ans Herz gewachsen. Besonders positiv empfand ich die Innerlichkeit des Protagonisten, der als zentrale Figur viel von seinen Nöten und Hoffnungen preisgibt. Angefangen mit seiner Kindheit, im Schatten eines tragischen Unglücksfalls, weiter über ein Erwachsenenleben, geprägt von harter Arbeit und seiner Unfähigkeit, an die eigenen Stärken zu glauben. Gerade seine Gedankengänge, wecken Emotionen und den Wunsch, dass er durch die Umstände auch ein Stückchen vom Glück geschenkt bekommt. Mit den starken Frauenfiguren der Erzählung erkennt man bald auch das Werkzeug, mittels dem ihm neuer Lebensmut eingehaucht werden soll. Die leichte Erzählweise, gepaart mit kurzen Kapiteln und einer übergeordneten Perspektive, lässt Facettenreichtum entstehen und viel Platz für eigene Gedanken und eine bunte Themenvielfalt, die dennoch nicht den Fokus verliert. Die schweren Themen bekommen Leichtigkeit verliehen und die leichten Themen werden unter mannigfaltigen Entwicklungen auf eine realistische Ebene gestellt. Schuld und Einsamkeit, ebenso wie Handlungsfreude und Aufbegehren finden Anklang. Dabei zeigt die Autorin geschickt auf, wie anders sich Situationen entwickeln können, wenn es gelingt eingefahrene Wege zu verlassen und nur ein bisschen mehr Zuwendung und weniger Eigennutz zu investieren. Die Menschlichkeit ganz allgemein ist das umfassende Thema. Fazit Ich vergebe begeisterte 5 Lesesterne für diesen einprägsamen, schlichten aber lebensnahen Roman mit starken Figuren und tiefen Gedankengängen. Es herrscht zwar eine gewisse Handlungsarmut und Stille, doch eingebettet in diese Geschichte, passt alles harmonisch zusammen. Der Roman vermag es, keine Lebensweisheiten vorzugeben, sondern Wege aufzuzeichnen, wie es möglich wird, sein Leben zu ändern. Dabei sind es die zarten Nebensächlichkeiten, die ihn so authentisch und bewegend machen. Die Zeit mit dem Buch vergeht viel zu schnell, ich wollte es oft gar nicht weglegen. Bemerkenswert sind auch die abwechslungsreichen Ansätze, die gelegt werden: ich hatte das Gefühl, jeder Leser könnte etwas anderes interpretieren, ohne dass dabei der Zusammenhang verloren geht. Ein wunderschönes, stilles Buch mit Nachklang und Hoffnungsschimmer – intensiv und wertfrei eignet es sich für eine breites Publikum.
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