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Beschreibung
Der Schweizer Künstler und Fotograf Norbert Bruggmann (*1946) ist ein Bildermensch. Als Flaneur und Nomade durch die gesellschaftlichen Topografien registriert er mit seiner Taschenkamera die Spuren der Menschheit. Sein archäologisch präziser Blick ist besonders, weil ihm Dinge auffallen, die andere weder beachten noch als gehaltvoll einstufen würden. In den letzten zwölf Jahren sind über 30'000 Bilder im Speicher hängengeblieben, obwohl er rege die Löschtaste benutzt. Es ist eine visuelle Enzyklopädie mit offenem Ende, wie es sich für ein Werk gehört, das keine festgefahrene Taxonomie kennt und lediglich mit losen Stichwörtern operiert. Denn im Gegensatz zu einer sachbezogenen Enzyklopädie mit ihrem strukturierten Wissen und ihren Zuweisungen von Begriffen zu Formen, Phänomenen, Sachen und Objekten ist eine Enzyklopädie der Bilder freier, offener, brüchiger. Denn alles, was sichtbar ist, kann abgelichtet, vermessen und verortet, kategorisiert und katalogisiert werden, ohne jedoch einer exakten Taxonomie zu folgen. Bilder unterliegen viel stärker den Assoziationen, den Zufällen, der Aleatorik. Als Mensch mit erhöhter Wahrnehmungskompetenz findet sich Norbert Bruggmann immer wieder an crucial points, an Örtlichkeiten mit Besonderheiten, wenn man sie denn sieht. Es sind Gegebenheiten, die mehr «hergeben» als eine blosse Abbildung; es ist die metaphorische Aura, die den Bildern dieses gewisse Etwas verleiht. Zwar klammert Bruggmann den Menschen weitgehend aus; dennoch ist der Mensch über seine Objekte, über Fundstücke, über Konstellationen seiner Spuren, über die Anordnung und Performanz seiner Kultur(en) stets anwesend. Ja zugespitzt kann man erkennen: Bruggmann ist besessen davon, die Rituale, Handlungen, Absurditäten und Hinterlassenschaften des Menschen zu dokumentieren. Der künstlerische Fotograf, der Mensch mit Kamera, hat, bevor er die Kamera in Position bringt, bereits ein Bild gesehen, also einen Ausschnitt aus einer viel grösseren Wirklichkeit betrachtet und diesen Raum, diese Szene für eine Extraktion vorbestimmt. Das Bild machte sich also bereits ein Stück weit im Kopf, weil es die Augen gesehen haben, die Augen den Raum bereits zuvor abgetastet und an einer Stelle eingehakt haben, weil sich etwas Wichtiges, subjektiv Interessantes zeigte, das die (visuelle) Neugier erregte. Kein Bild ist automatisiert entstanden. Hinter jedem Klick besteht die willentliche Absicht, diese Konstellation vor der Kamera der Nachwelt zu erhalten. Das Gesehene soll mittels der Kamera in ein dokumentarisches Stadium der Erinnerung überführt werden. Auch wenn das Objekt/Subjekt, resp. die Szene bereits unmittelbar vor der Aufnahme so bestand und auch danach zumindest eine Zeitlang noch in etwa so vorhanden ist, so dokumentiert die Kamera dennoch einen Sekundenbruchteil dieser Konstellation, mit einem entsprechenden Sehwinkel, mit einem subjektiven Ausschnitt, mit einer absichtlichen Genugtuung eines Fundstücks, mit der Befriedigung für die Serendipität, mit der der Fotograf genau dieses Bild in den Speicher aller bisherigen Aufnahmen überführt und somit seine Ressource erweitert. Die Welt ist nach dem gemachten Bild wieder genau dieselbe wie vorher. Dass von ihr ein Bild abgezweigt wurde, kümmert sie nicht. Die Welt ist gleichgültig gegenüber der Entnahme dieses Bildes. Die Szene an Ort und Stelle wird sich zwar sehr wohl im Laufe der Zeit ändern, sei es über Witterung, klimatische Bedingungen, Wärmeeinstrahlung oder durch menschliches Zutun, doch dafür kann die Bildbeute nicht zur Rechenschaft gezogen werden. In einem weiteren Schritt wird aus dem Bilderfundus anhand der Stichwörter eine interessante Kombination gesucht. Diese typografische Allusion erweitert den dokumentarischen Raum mit Serendipität, der glücklichen Bildfindung.
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Technische Daten


Erscheinungsdatum
20.04.2026
Sprache
Englisch
EAN
9783038585336
Herausgeber
edition abcdefghijklmnopqrstuvwxyz
Sonderedition
Nein
Autor
Fritz Franz Vogel
Seitenanzahl
252
Auflage
1
Einbandart
Broschiert
Einbandart Details
Fadenbindung
Schlagwörter
Fotokunst, Bildfindungen, Serendipität
Thema-Inhalt
AJCD - einzelne Fotografen AJTH - Digitalfotografie AJF - Fotojournalismus und Dokumentarfotografie
Höhe
340 mm
Breite
26 cm

Warnhinweise und Sicherheitsinformationen

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